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DIAGONALE’23 – BILANZ

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Die Diagonale’23 fand vom 21. bis 26. März 2023 in Graz statt und war das letzte des Intendantenduos Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Nach acht Jahren an der Spitze der Diagonale übergeben sie die Leitungsposition ab Juni 2023 an Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh. Nachfolgend: Die Nachrichten laut Pressemitteilung.

Das Ende einer Ära

Die Diagonale’23 fand vom 21. bis 26. März 2023 in Graz statt und war das letzte des Intendantenduos Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber. Nach acht Jahren an der Spitze der Diagonale übergeben sie die Leitungsposition ab Juni 2023 an Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh.

„Seit unserer ersten Festivalausgabe 2016 war es uns ein Anliegen, die Diagonale als Ort des Austauschs und der Gastlichkeit zu positionieren, als Ort gelebter Filmkultur und als Plattform für einen möglichst breit gedachten Begriff von Filmschaffen, für Austausch zwischen aktuellen und historischen Positionen, mitunter für Streit und filmpolitische Diskussionen. Nach den schwierigen Jahren der Pandemie freuen wir uns, dass es gelungen ist, mit der letzten von uns verantworteten Festivaledition noch einen gewichtigen Marker in der Geschichte der Diagonale gesetzt zu haben: Außer über das große mediale und internationale Interesse an den Premieren, Wiederaufführungen und Spezialprogrammen der diesjährigen Festivalausgabe freuen wir uns insbesondere über den erneut erstarkten Publikumszuspruch. Noch nie haben mehr Besucher*innen die Diagonale-Kinos aufgesucht, noch nie wurden mehr Tickets gelöst. Das große Aufzeigen des österreichischen Films in Graz möchten wir als Appell formulieren: dafür nämlich, den österreichischen Film und die Kinos auch außerhalb der Festivalwoche zu besuchen. Let there be cinema! Verflixt nochmal.“

— Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber, Festivalleitung

Eröffnet wurde die mit 33.800 Besucher*innen und einer Kinoauslastung von 81 Prozent sensationell gut besuchte Diagonale’23 am Dienstag, dem 21. März, in der Helmut List Halle mit der Weltpremiere von Viktoria Schmids NYC RGB (US/AT 2023) und der Österreichpremiere von Patric Chihas Das Tier im Dschungel (AT/BE/FR 2023). Anwesend waren neben internationalen Protagonist*innen des Eröffnungsfilms auch zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben wie Vizekanzler und Bundesminister für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport Werner Kogler, Landeshauptmann Christopher Drexler und Bürgermeisterin Elke Kahr. In diesem Rahmen wurde auch der Große Diagonale-Schauspielpreis 2023 – ein Kunstwerk von Xenia Hausner – an Margarethe Tiesel vergeben.

Im Filmwettbewerb, dem Herzstück des Festivals, zeigte die Diagonale’23 insgesamt 115 aktuelle österreichische Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Animations- und Experimentalfilme. Als Panoptikum des heimischen Filmschaffens spannte sich der Wettbewerb in diesem Jahr zwischen bemerkenswerten Porträts von Institutionen, Szenen und Persönlichkeiten sowie bissigen Satiren auf eine zunehmend monothematische Gegenwart auf. Radikale Formen trafen auf der Leiwand auf konsequente Handschriften und Gattungen, deren Sichtbarkeit im Regelkinobetrieb des Kinos stark eingeschränkt ist. Die Verleihung von Österreichs höchstdotierten Filmpreisen – allen voran die Großen Diagonale-Preise des Landes Steiermark für den besten Spielfilm und den besten Dokumentarfilm des Festivals sowie der Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz – fand zum Abschluss des sechstägigen Festivals am Sonntag, dem 26. März, im Orpheum Graz statt.

Begegnungen mit zentralen Figuren des (heimischen) Filmschaffens ermöglichte die von der Hauptsponsorin Steiermärkische Sparkasse unterstützte Reihe Diagonale im Dialog– unter anderem waren Philipp Hochmair, Edgar Honetschläger, Klaus Kastberger, Solmaz Khorsand, Sudabeh Mortezai, Markus Mörth, Claudia Müller, Franziska Pflaum, Erika Pluhar, André Schneider, Jennifer Weiss und Martina Zerovnik für ausgedehnte Gespräche zu Gast. Traditionell reisten Vertreter*innen von fast allen Wettbewerbsfilmen zur Diagonale nach Graz, um so den vertiefenden, moderierten und für ein Filmfestival so zentralen Austausch mit ihrem Publikum zu ermöglichen.

Entlang der Diskursveranstaltung „Feminist Perspectives“ sowie auch über das Diagonale Film Meeting und weitere Screenings und Veranstaltungen hinweg sorgten in Graz die nicht nur in der Filmbranche virulenten Themen (Macht-)Missbrauch und #MeToo für heftige Debatten. Strukturelle Neuerungen und Maßnahmen wurden etwa von der neu gegründeten Arbeitsgruppe Kinderschutz vorgestellt.

Film Meeting zum Thema Fachkräftemangel

Bei der hochkarätig besetzten Branchenkonferenz der Diagonale stand 2023 zuvorderst der breit beklagte und weitreichende Fachkräftemangel im Fokus. Der Präsentationstag am Festivalmittwoch war öffentlich zugänglich und versammelte neue Initiativen wie Gewächshaus, SLASH (the) INDUSTRY oder das nonstop Kinoabo. Am 23. März fanden Thinktanks für geladene Teilnehmer*innen statt.

Ausstellungen und Specials

Eng mit dem Kinoprogramm verzahnt waren die Ausstellungen, die zum Zeitpunkt des Festivals im Kunsthaus Graz (Trailerkünstlerin Anna Spanlang), im Graz Museum („Magic Marisa“) sowie in der Kunsthalle Graz (David Reumüller) zu erleben waren. Quer durch Graz luden sie genauso wie mit dem Schauspielhaus Graz produzierte Virtual-Reality-Höhle Wunderland von Kurdwin Ayub im Foyer des Annenhof Kinos, Anna Pauls Markstandintervention „Von Nüssen lernen“ am Kaiser Josef Markt sowie die exklusiven Videoinstallationen in der Tiefgarage des Augarten Art Hotels und bei KULTUM. dazu ein, tiefer in das Programm der Diagonale’23 einzutauchen.

Mit der Retrospektive Marisa Mell Ein Weltstar aus Grazverlängert das Filmarchiv Austria die filmische Hommage der Diagonale’23 aktuell bis nach Wien: Das Filmprogramm ist noch bis zum 23. April im Metro Kinokulturhaus zu sehen.

Zentral im Festivalprogramm verankert fanden sich 2023 die Reihe Zur Person sowie die historischen Specials FINALE und Aktion! Action! Bernhard Frankfurter und seine Filme. Das Filmprogramm von Zur Person widmete sich dem außerordentlichen Filmschaffen von Goran Rebić und wurde von vertiefenden Gesprächen, dem Werkstattgespräch „Ich bin Geschichte – Filmen zwischen den Zeiten“ (moderiert von der neuen Leitung der Berlinale-Sektion Forum) sowie einer Listening Session gerahmt. Vom 14. bis zum 26. April zeigt das Metro Kinokulturhaus in Wien eine Retrospektive zu Ehren von Goran Rebić.

Das gemeinsame Special von Diagonale, Filmarchiv Austria, Österreichischem Filmmuseum und ORF-Archiv widmete sich der Frage, wie es in der österreichischen Filmkultur mit ihrem Hang zum Abgründigen, Doppelbödigen und Fatalen um das Finale bestellt ist. FINALE führte in vollen Kinosälen vom Westernthemenpark über die Zombieapokalypse bis hin zur Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich und versammelte Archivperlen von Regisseur*innen wie Florian Flicker, Michael Glawogger, Jörg Kalt, Käthe Kratz, Marvin Kren, Georg Lhotsky, Sabine Marte, Andreas Prochaska, Viktoria Schmid und Brigitte Weich.

Das zweite und von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien verantwortete Special Aktion! Action! umfasste vier Programme, die das unbändige Interesse Bernhard Frankfurters an gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Soziotopen anschaulich machen und dem Initiator des hochdotierten und nunmehr jährlich bei der Diagonale von der Stadt Graz vergebenen Carl-Mayer-Drehbuchpreises auch jene Anerkennung entgegenbrachten, die ihm zu Lebzeiten oft verwehrt geblieben ist.

Mit der Reihe In Referenz verschränkte, vermittelte und erweiterte die Diagonale auch in diesem Jahr Schwerpunkte rund um ihr Festivalprogramm. So wurde 2023 der Wettbewerb, die Reihe Zur Person und das historische Special über Protagonist*innen und korrespondierende Filme verknüpft: Marisa Mell traf auf Marlis Moitzi, Goran Rebić (Zur Person) auf Mehdi Charef. Reinhard Jud traf über den Carl-Mayer-Drehbuchpreis auf Bernhard Frankfurter (historisches Special). Und Ludwig Wüst lud zur Erkundung seines eng verzweigten Filmschaffens. Das Festival als Knotenpunkt, der diesmal etwa auch in Form der Schau „Magic Marisa“ hell ins Graz Museum ausstrahlte.

Österreichs höchstdotierte Filmpreise – Diagonale’23

Insgesamt wurden im Rahmen der Diagonale Preise im Wert von rund € 195.000 an Filmschaffende verliehen. Bei der festlichen Preisverleihung am 26. März wurden im Orpheum Graz 19 Filmpreise vergeben, darunter die mit je € 21.000 dotierten Großen Diagonale-Preise des Landes Steiermark für den besten Kinospielfilm und den besten Kinodokumentarfilm des Festivals sowie der Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz.

Neben den Hauptpreisen vergaben hochkarätig besetzte internationale Jurys zudem die von der VdFS – Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden gestifteten und von den Gewerksverbänden ausgerichteten Auszeichnungen für herausragende Leistungen in den Bereichen Schauspiel, Bildgestaltung, Schnitt, Szenen- und Kostümbild sowie Sounddesign. Zum allerersten Mal wurde in diesem Jahr der Preis für die beste Filmkomposition der Austrian Composers Association verliehen. Herausragende Produktionsleistungen wurden von der VAM – Verwertungsgesellschaft für Audiovisuelle Medien gewürdigt.

Ausgezeichnet als bester österreichischer Spielfilm des Festivals wurde Vera von Tizza Covi und Rainer Frimmel (AT 2022), mit dem das vielfach preisgekrönte Duo sein Kino einmal mehr zur Menschlichkeit erhebt. Die Auszeichnung war bereits die fünfte für Tizza Covi und Rainer Frimmel in einer Hauptkategorie der Diagonale. Im vergangenen Jahr war dem Duo zudem die Filmreihe Zur Person mitsamt einer umfassenden Fotoschau bei Camera Austria gewidmet.

Der Große Diagonale-Preis Dokumentarfilm ging an den bildstarken, feinfühligen und unnachsichtigen dokumentarischen Essay Souls of a River von Chris Krikellis (DE/GR/AT 2022). Die Editorin des Dokumentarfilms Lisa Zoe Geretschläger wurde außerdem mit dem Preis für die beste künstlerische Montage bedacht.

Den Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz gewann die freudvoll-kämpferische Gesellschaftsutopie C-TV (Wenn ich Dir sage, ich habe Dich gern …) von Eva Egermann und Cordula Thym (AT 2023), in der ein plüschiger Talkshowhost Menschen mit Behinderung empfängt, die Einblick in ihren Alltag und ihre künstlerische wie politische Arbeit geben.

Den Preis für den besten Kurzspielfilm des Festivals erhielt Cornetto im Gras von David Lapuch (AT 2023). Als bester Nachwuchsfilm, vergeben von der Jugendjury des Landes Steiermark, wurde Land der Berge von Olga Kosanović (AT/DE 2023) ausgezeichnet. Der Diagonale-Preis Kurzdokumentarfilm des KULTUM. ging an Wankostättn von Karin Berger (AT 2023). Der beste Kurzspielfilm wurde von Leni Gruber (Regisseurin, AT), Florian Pochlatko (Regisseur, AT) und Pia Reiser (Filmjournalistin FM4, AT) ausgewählt. In der Sektion Kurzdokumentarfilm jurierten Lisa Heuschober (Kuratorin und Kulturarbeiterin, AT), Valérie Pelet (Regisseurin, AT) und Hans-Walter Ruckenbauer (praktischer Philosoph, Universität Graz, Kurator von ZEITKUNST am UZT, AT).

Die Diagonale-Schauspielpreise für einen bemerkenswerten Auftritt in einem Wettbewerbsfilm der Diagonale’23 in Kooperation mit der VdFS gingen an Pia Hierzegger für Family Dinner (R: Peter Hengl, AT 2022) sowie an Gerhard Liebmann für Eismayer (R: David Wagner, AT 2022).

Der Publikumspreis der Kleinen Zeitung wurde am Nachmittag des 26. März im Schubertkino verliehen: Als beliebtester Film der Diagonale’23 wurde Katharina Mücksteins Dokumentarfilm Feminism WTF (AT 2023) ausgezeichnet. Bereits bei der Eröffnung wurde Margarethe Tiesel mit dem Großen Diagonale-Schauspielpreis in Form eines Kunstwerks von Xenia Hausner für ihre Verdienste um die österreichische Filmkultur gewürdigt.

Zum sechsten Mal wurde im Rahmen der Diagonale der Franz-Grabner-Preis in den Kategorien Kino- und Fernsehdokumentarfilm vergeben. Die Auszeichnung in der Kategorie Fernsehdokumentarfilm erhielt Weg Damit Die Kunst der Entsorgung von Karin Berghammer (AT 2022). Als bester Kinodokumentarfilm setzte sich Lass mich fliegen von Evelyne Faye (AT 2022) durch.

Außerdem wurden in Graz die Carl-Mayer- und Thomas Pluch Drehbuchpreise verliehen. Mit einem Gesamtwert von € 44.500 zählen die Carl-Mayer- und die Thomas Pluch Drehbuchpreise zu den wichtigsten filmischen Auszeichnungen des Landes. In den Hauptkategorien geehrt wurden Franziska Pflaum und Thomas Mraz sowie Marie Kreutzer.

Die Diagonale’24 findet vom 4. bis 9. April und erstmals unter der Leitung von Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh in Graz statt.

Info: Die Webseite der Diagonale