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von Tone Fink
Note: 8
vers.augt stellt den Akt des Schauens in den Vordergrund. In diesem Sinne ist es unmöglich, nicht an das Auge des Zuschauers und vor allem ganz allgemein an das Kino selbst zu denken, das uns jedes Mal die unterschiedlichsten Vorführungen bieten kann.
Eine Liebeserklärung an das Leben
Der Regisseur und Zeichner Tone Fink arbeitet seit Jahren mit Hubert Sielecki zusammen, der ebenfalls ein Meister der Animation und des Experimentalfilms ist. Tatsächlich hat Sielecki häufig Finks Werke produziert und sich dabei oft auch um bestimmte technische Aspekte gekümmert. Unter diesen ist beispielsweise der 2011 entstandene Animationskurzfilm vers.augt besonders erwähnenswert, der uns ein äußerst fesselndes Spektakel bietet.
Zu Beginn von vers.augt sehen wir also zunächst ein Auge. Dieses Auge öffnet und schließt sich, seine Pupille bewegt sich hektisch hin und her. Was schaut es sich wohl an? Zwei Fische schwimmen im Meer, nähern sich einander und küssen sich; dann verändern sich ihre Körper langsam und verwandeln sich mal in einen Buddha, mal in zwei Vögel, die miteinander spielen, mal in zwei Liebende, die einen befreienden Tanz vollführen. Und weiter: Eine Frau macht Yoga und verwandelt sich erneut in den zuvor erwähnten Buddha – auf ihre Weise schafft sie Leben. In diesem Sinne scheinen also auch die Geschlechtsorgane, die ebenfalls ein wechselndes Aussehen haben, eine bizarre Choreografie mit Tieren zu improvisieren, bis wir schließlich ein Kalb sehen, das von einer Kuh gesäugt wird.
vers.augt stellt also gerade den Akt des Schauens in den Vordergrund (dasselbe Auge, das wir zu Beginn des Films gesehen haben, taucht von Zeit zu Zeit weiterhin auf der Kinoleinwand auf, stets in seinen wechselnden Formen). In diesem Sinne ist es unmöglich, nicht an das Auge des Zuschauers und vor allem ganz allgemein an das Kino selbst zu denken, das uns jedes Mal die unterschiedlichsten Spektakel bietet. Und es ist gerade unser geliebtes Kino, das es uns ermöglicht, alle Grenzen zu überwinden, alle Barrieren einzureißen, der Fantasie freien Lauf zu lassen und alle Tabus zu überwinden.
Bei der Realisierung dieses vers.augt hat Tone Fink diese Freiheit daher zu seinem Markenzeichen gemacht und einen regelrechten Tanz inszeniert, der in seiner Gesamtheit als eine echte Liebeserklärung an das Leben in all seinen Formen betrachtet werden könnte. Eine subtile und stets elegante Erotik, aber auch ein gewisser Humor, der uns von Anfang bis Ende begleitet, haben sich in diesem Sinne als die richtigen Mittel erwiesen, um die Figuren, die uns auf der Kinoleinwand frei erscheinen, äußerst lebendig und pulsierend wirken zu lassen.
Apropos Figuren: Wie im Kino von Tone Fink üblich, zeichnet sich auch dieser vers.augt durch zweidimensionale Zeichnungen und sanfte Pastelltöne aus, die in ihrer ständigen Veränderung fast an das Kino von Isao Takahata erinnern, sich aber gleichzeitig durch eine ganz eigene, ausgeprägte Persönlichkeit auszeichnen. Um das wahre Wesen von vers.augt voll und ganz zu würdigen, muss man es sich also einfach gemütlich machen und sich immer wieder von dem überraschen lassen, was auf der Kinoleinwand erscheint. Und wir werden sicherlich nicht enttäuscht sein.
Titel: vers.augt
Regie: Tone Fink
Land/Jahr: Österreich / 2011
Laufzeit: 5’
Genre: Animationsfilm
Buch: Tone Fink
Kamera: Hubert Sielecki
Produktion: Animotions Film Vienna
