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THE FUTURE WILL NOT BE CAPITALIST

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von Sasha Pirker

Note: 7

Alles ist grau bei The Future will not be capitalist. Zement ist überall. Und wie reagiert der Mensch? In ihre hektischen Aktivitäten vertieft, scheinen die Arbeiter nicht einmal Zeit zu haben, miteinander zu kommunizieren.

Pariser Zement

Was wird aus der Gesellschaft, in der wir leben, werden? Und was am wichtigsten ist, wie werden die Bedingungen für die Arbeiter sein? Während die Regisseurin Elisabeth Scharang 2014 bei Kick out your Boss eine Zukunft vorausgesagt hatte, in der die Menschen endlich unter angenehmen und entspannenden Bedingungen arbeiten können, hatte die Regisseurin Sasha Pirker bereits 2010 beim Dokumentarfilm The Future will not be capitalist, der bereits bei den 67. Filmfestspielen von Venedig – Reihe Orizzonti – uraufgeführt wurde und nach der Absage der Diagonale 2020 ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete Reihe Filmmit Onlinefestival – aufgenommen wurde, eine ganz andere Situation vorausgesehen.

Wir sind in Paris. Hier entwarf der berühmte Architekt Oscar Niemeyer Ende der 1960er Jahre das Hauptquartier der Kommunistischen Partei, das damals viel Zuspruch in der Bevölkerung fand. Doch diese Partei, die anfangs von den Lehren von Karl Marx inspiriert war, nahm langsam immer mehr Konnotationen des Stalinismus an. Schon das Aussehen des hier gezeigten Gebäudes zeugt von dieser seltsamen und eigenartigen Realität.

Der Titel The Future will not be capitalist ist inspiriert von einem Interview aus dem Jahr 2008 mit Gérard Fournier, Verwaltungsleiter der Partei. Das, was der Mann während des Interviews sagt – hier mit einer fast mechanisch und unemphatisch wirkenden Stimme aufgenommen – steht in starkem Kontrast zu den Bildern, die wir auf der Leinwand sehen.

Das von Niemeyer konzipierte Gebäude ist harmonisch, aber auch – und vor allem – extrem beengt, grau, dunkel. Und es steht in starkem Kontrast zur Harmonie der Stadt Paris. Die Off-Stimme spricht von einem Ort, der ständig beleuchtet ist. Doch die Fenster sind zu schmal und es kommt kaum Licht durch. Ebenso erhellen Tausende von künstlichen Lichtern – die in ihrer Gesamtheit fast an einen Bienenstock erinnern – einen großen Konferenzraum mit einem Licht, das fast an das eines Krankenhauses erinnert und uns sofort ein unbehagliches Gefühl vermittelt.

Alles ist grau bei The Future will not be capitalist. Zement – oft freiliegend – ist überall. Und wie reagiert der Mensch? In ihre hektischen Aktivitäten vertieft, scheinen die Arbeiter nicht einmal Zeit zu haben, miteinander zu kommunizieren. Bau und Urbanisierung übernehmen den Menschen selbst und verschlingen ihn in ihren Mägen aus Glas und Kalk.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt es in Sasha Pirkers Kurzfilm (scheinbar) nicht. Und alles wird noch unterstrichen durch eine extrem minimalistische Regie. Eine Regie, die sich oft auf Details konzentriert – und sie uns manchmal in Form von abstrakten Kompositionen zeigt – und die perfekt das Gefühl der Befremdung vermittelt, das man beim Betreten dieses Niemeyer-Baus empfindet. Gleichzeitig wird die Realität aber auch mit einer gewissen Distanz beobachtet. Heute erhält die Partei nur noch 5% der Stimmen. Vielleicht erkennen die Menschen endlich, dass es an der Zeit ist, dem Menschen, seinem Wohlbefinden und seinen Bedürfnissen Raum zu geben. Und wenn wir optimistisch sein wollen, denken wir noch einmal an Kick out your Boss von Elisabeth Scharang. Ein offenes Fenster auf eine Welt, von der wir im Moment nur träumen können.

Titel: The Future will not be capitalist
Regie: Sasha Pirker
Land/Jahr: Österreich / 2010
Laufzeit: 20’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Sasha Pirker
Kamera: Johannes Hammel, Sasha Pirker
Produktion: Sasha Pirker

Info: Die Seite von The Future will not be capitalist auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von The Future will not be capitalist auf iMDb