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DIE JUNGE STADT

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von Albert Quendler

Note: 7

In Die junge Stadt werden uns alle wichtigen Neuerungen für Kinder, die in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien umgesetzt wurden, vorgestellt. Restauriert vom Filmarchiv Austria und präsentiert auf dem Kanal Filmarchiv On.

Glücklich aufwachsen

Die Dokumentarfilme des Regisseurs Albert Quendler sind, wie man weiß, keineswegs traditionelle Dokumentarfilme, obwohl sie oft gerade von Fernsehsendern produziert wurden. Ja, denn tatsächlich hat der Regisseur aus Villach in seinen Werken stets einen stark poetischen und manchmal kontemplativen Regieansatz bevorzugt und uns die jeweils gezeigten Realitäten wie echte Märchen erzählt. Das Gleiche gilt für den Dokumentarfilm Die junge Stadt, den er 1954 gedreht hat und der kürzlich vom Filmarchiv Austria restauriert und auf dem Kanal Filmarchiv On präsentiert wurde.

In Die junge Stadt werden uns also alle wichtigen Neuerungen gezeigt, die in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien umgesetzt wurden. Zuvor gab es nämlich, wie uns zu Beginn des Dokumentarfilms gezeigt wird, keine geeigneten Orte, an denen Kinder unbeschwert aufwachsen, lernen und spielen konnten. Nun war die Lage anders. Und die kurzen Momente, in denen uns die laufenden Bauarbeiten gezeigt werden, bilden gewissermaßen die Einleitung zu einem wahren Märchen, das sich gleich auf der Kinoleinwand entfalten wird.

Mit einer präzisen elliptischen Struktur beginnt Die junge Stadt also erst dann richtig, wenn uns eine moderne Klinik gezeigt wird, die ganz auf die Geburt von Kindern ausgerichtet ist. Ein Kind ist gerade zur Welt gekommen. Die Stimme der Schauspielerin Vilma Degischer (die bereits 1952 in Symphonie Wien mit Quendler zusammengearbeitet hatte) wendet sich direkt an das Neugeborene, heißt es in unserer Welt willkommen und begleitet es (und uns) während der gesamten Dauer des Films.

Und so zeigt uns Die junge Stadt – mit einer verträumten und entspannenden Musik, die eine weitere Hauptrolle spielt – indem er dem kleinen Protagonisten auf seinem Weg zum Erwachsenwerden treu (und im ideellen Sinne) folgt, wie Kindergärten, Grundschulen und sogar weiterführende Schulen, Parks und Spielplätze als Orte konzipiert sind, an denen Kinder so unbeschwert und frei wie möglich aufwachsen können – auch dank einer angemessenen Bildung, die ihnen beibringt, hervorragende Erwachsene zu werden. Die Stimme von Vilma Degischer spricht mit dem jungen Protagonisten, und während die Kamera viele Kinder beim Spielen im Freien beobachtet, wird jedes einzelne von ihnen sogar beim Namen genannt.

Wir sind uns einig: Die junge Stadt wirkt auf uns manchmal etwas zu lobpreisend, da er sich ausschließlich auf die positiven Aspekte all dieser Orte konzentriert. Abgesehen von den kurzen Anfangsszenen, in denen uns – in starkem Kontrast zum Rest des Films – die Straßen und beengten Wohnverhältnisse gezeigt werden, in denen die Kinder vor all diesen Neuerungen lebten, wird hier alles als idyllische Realität dargestellt, als gäbe es tatsächlich keinen besseren Ort zum Leben und Aufwachsen. Und doch funktioniert der Dokumentarfilm trotz allem, und er versteht es sogar, uns zu begeistern und zum Träumen zu bringen – gerade dank des besonderen Ansatzes, den Quendler gewählt hat. Das Kind ist jetzt erwachsen. In seinem Schlafzimmer schläft nun sein neugeborener Sohn. Und wir sind sicher, dass die Zukunft, die ihn erwartet, außerordentlich strahlend sein wird.

Titel: Die junge Stadt
Regie: Albert Quendler
Land/Jahr: Österreich / 1954
Laufzeit: 51’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Albert Quendler
Kamera: Elio Carniel, Fritz Haas, Hans Imber
Produktion: Austria Wochenschau

Info: Die Seite von Die junge Stadt auf iMDb; Die Webseite vom Filmarchiv Austria