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von Reza Rasouli
Note: 7.5
In Night of Passage spielt gerade die menschliche Komponente eine grundlegende Rolle. Niemand ist wirklich unschuldig, jeder ist gleichzeitig Opfer und Täter, von einem grausamen und skrupellosen System gezwungen, sich zu „entmenschlichen“. Beim Vienna Shorts 2025.
Auf dem Weg nach einer besseren Zukunft?
Jeden Tag lesen wir in der Zeitung zahlreiche Geschichten über Migrant:innen, deren Reisen oft tragisch enden. Doch wie viele von uns fragen sich wirklich, was diese Menschen empfinden, wenn sie sich solch schwierigen Herausforderungen stellen, ihr Leben von einem Tag auf den anderen ändern müssen, ihre Angehörigen sterben sehen, während sie versuchen, sich zu retten, einfach nur ein besseres Leben zu führen? In seinem Kurzfilm Night of Passage, der bereits den Preis für den Besten Kurzspielfilm bei der Diagonale 2025 gewonnen hat und beim Vienna Shorts 2025 präsentiert wird, inszeniert der iranische Regisseur Reza Rasouli genau eine solche Situation und lässt uns hautnah miterleben, was drei Menschen in einem entscheidenden Moment ihres Lebens durchmachen.
So verfolgen wir in Night of Passage die Geschichte von drei Freund:innen – zwei Männern und einer Frau –, die aus dem Iran versuchen, an Bord eines illegal Migranten transportierenden Lieferwagens die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei zu erreichen. Ihre Reise nimmt jedoch eine unerwartete Wendung, als die drei aus dem Fahrzeug geworfen werden. Die einzige Lösung besteht nun darin, auf den nächsten Lieferwagen zu warten und in der Zwischenzeit zu versuchen, sich etwas zu essen zu besorgen und einen Platz zum Schlafen zu finden, ohne von jemandem bemerkt zu werden. Was wird als Nächstes passieren?
Mit einem besonderen Fokus auf die Emotionen und Empfindungen der drei Protagonist:innen und insbesondere auf die Angst, Furcht, aber auch die körperliche Anstrengung, die sie während ihres Missgeschicks erleben, zeichnet sich Night of Passage vor allem durch sein rasantes Tempo aus, das durch einen meisterhaften Schnitt und ein gelungenes Spannungscrescendo noch verstärkt wird.
Tagsüber ist es bekanntlich immer sehr schwierig, sich zu verstecken und unbemerkt zu bleiben, aber nachts, obwohl es einfacher ist, nicht bemerkt zu werden, wird es immer schwieriger, eventuelle Schwierigkeiten zu bewältigen, wichtige Entscheidungen zu treffen und zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist und was nicht. Gerade die Dunkelheit der Nacht, die den Menschen gegenüber jeder möglichen Situation „blind“ macht, symbolisiert die Dunkelheit eines Zustands, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt, die Dunkelheit der Seele, den Verlust aller Hoffnung und aller Menschlichkeit.
Ja, denn in Night of Passage spielt tatsächlich die menschliche Komponente eine grundlegende Rolle. Niemand ist wirklich unschuldig, jeder ist gleichzeitig Opfer und Täter, von einem grausamen und skrupellosen System gezwungen, sich zu „entmenschlichen“. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Reza Rasouli seine Protagonist:innen ohne Vorurteile beobachtet und sie mitfühlend auf ihrem Weg begleitet, wodurch er eine große Kenntnis der menschlichen Seele (und natürlich des Mediums Film selbst) beweist. Sein Film Night of Passage ist daher ein Beweis für ein Talent, das uns auch in Zukunft große Überraschungen bescheren wird. Und wer weiß, wie viele weitere Geschichten uns noch wie ein Schlag in die Magengrube treffen werden.
Titel: Night of Passage
Regie: Reza Rasouli
Land/Jahr: Österreich / 2025
Laufzeit: 19’
Genre: Drama
Cast: Arshia Pakdel, Moné Sharif, Ali Tavakol
Buch: Reza Rasouli
Kamera: Konstantin Johann
Produktion: Filmakademie Wien
