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THE LIFE OF SEAN DELEAR

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von Markus Zizenbacher

Note: 7.5

The Life of Sean DeLear will uns keineswegs ein persönliches Drama zeigen. Im Gegenteil, es handelt sich um eine spritzige, lebendige, heitere, ironische und selbstironische Dokumentation. Eine wahre Hymne ans Leben, an ein Leben, für das man so hart gekämpft hat. Auf dem Frameline Film Festival 2024.

Porträt einer Legende

Eine Reise durch die Atmosphäre von Los Angeles der 1990er und 2000er Jahre. Ein wahres visuelles und auditives Erlebnis, das uns an die Hand nimmt, um uns in eine Welt zu entführen, die wir so sehr lieben, und die uns aus einer neuen, interessanten Perspektive gezeigt wird. Die Rede ist von The Life of Sean DeLear, dem ersten Langdokumentarfilm des österreichischen Regisseurs Markus Zizenbacher, der auf dem Frameline Film Festival 2024 uraufgeführt wurde.

Sean DeLear (1964 – 2017) zog 2010 nach Wien. Bei dieser Gelegenheit lernten er und Zizenbacher sich kennen. Nach dem frühen Tod des Künstlers und Musikers wurde also sein Leben anhand von Erzählungen, Interviews und Archivbildern (viele davon wurden damals von DeLear selbst gefilmt, seine legendären Video-Tagebücher), die wie viele Puzzleteile verwendet wurden, auf magische Weise auf der Kinoleinwand „zusammengesetzt“. So entstand The Life of Sean DeLear, der nicht nur eine Hommage an ihn, sondern auch ein authentisches Porträt einer Welt mit magnetischem Charme, die es verdient, (noch) besser verstanden zu werden, sein soll.

Es ist der 27. August, der Geburtstag von Sean DeLear. Die Kamera bewegt sich hektisch durch die Straßen von Los Angeles, bevor wir zur Party ankommen, und bietet uns dabei oft schiefe Einstellungen. Der Wunsch, das eigene Leben in vollen Zügen zu leben, sich endlich frei zu fühlen, nachts durch die Straßen einer Stadt zu laufen, in der man endlich man selbst sein kann, ist schon in diesen ersten Bildern spürbar. Und so entwickelt sich dieser interessante The Life of Sean DeLear, der zwar chronologisch das Leben des Protagonisten erzählt, vor allem auf zwei Ebenen (die Vergangenheit und natürlich die Gegenwart, in der viele ihn erinnern wollen), innerhalb einer starken narrativen Struktur.

Der junge Sean hatte eine enge Beziehung zu seinem Vater, der zu früh starb. Gleichzeitig fühlte er sich aber von seiner Mutter und seinem Bruder nie wirklich verstanden, in einer Familie, in der die Religion immer eine zentrale Rolle gespielt hat. Aber wie schwierig muss das Leben für einen jungen schwarzen queeren Mann gewesen sein, der sich zum ersten Mal weit weg von zu Hause, in einer großen Stadt und völlig mittellos wiederfand? Dennoch gelang es unserem Protagonisten, sich zu etablieren, eine echte Stilikone zu werden und sein Talent als Künstler zu beweisen.

The Life of Sean DeLear gibt uns also ein authentisches Porträt des Künstlers – von allen liebevoll SeanDe genannt – sowie einen Einblick in eine Welt, in der es trotz der fesselnden Musik, der verrückten Nächte und der schillernden Farben auch an Schatten nicht mangelt (HIV war damals noch weit verbreitet). Und wenn man das strahlende, lächelnde Gesicht des Protagonisten vor der Kamera sieht, bemerkt man unweigerlich auch eine gewisse Melancholie. Dennoch will uns The Life of Sean DeLear keineswegs ein persönliches Drama zeigen. Im Gegenteil, wir haben es mit einem spritzigen, lebendigen, heiteren, ironischen und selbstironischen Dokumentarfilm zu tun. Eine wahre Hymne ans Leben, an ein Leben, für das man so hart gekämpft hat. Genauso wie seine Jugendtagebücher, die kürzlich in dem Buch I Could Not Believe It, das noch heute oft gelesen wird, veröffentlicht wurden.

Titel: The Life of Sean DeLear
Regie: Markus Zizenbacher
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 82’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Markus Zizenbacher
Kamera: Markus Zizenbacher, Aleksey Lapin
Produktion: Markus Zizenbacher

Info: Die Seite von The Life of Sean DeLear auf iMDb: Die Seite von The Life of Sean DeLear auf der Webseite der sixpackfilm