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von Paul Horn und Harald Hund
Note: 7.5
In Dropping Furniture kommt die „Vergangenheit“ auf ganz „unkonventionelle“ Weise auf die Kinoleinwand. Die Gegenstände, die die beiden Regisseure aus sieben Metern Höhe fallen lassen, zerbrechen beim Aufprall auf den Boden in tausend Stücke. Das Endergebnis ist fast eine Art Choreografie mit visuell fesselnder Wirkung, an deren Ende uns die beiden ursprünglich leeren Räume wunderbar farbenfroh erscheinen.
Es regnet!
Sich von einer unangenehmen Vergangenheit befreien, aber gleichzeitig den Sinn der eigenen Existenz für immer verlieren. Befreiende Gesten, die es uns zugleich nicht erlauben, uns wirklich von dem zu befreien, was gewesen ist. In dem interessanten experimentellen Kurzfilm Dropping Furniture, der 2008 von Paul Horn und Harald Hund gedreht wurde, finden wir diese starken Widersprüche in einer Inszenierung wieder, die uns überrascht, die uns manchmal sogar beunruhigt, uns aber auch unterhält und uns gleichzeitig einen wertvollen kathartischen Effekt vermittelt. Aber schauen wir uns genauer an, wovon wir sprechen.
Dropping Furniture beginnt also mit einer starren Einstellung auf einen völlig leeren Raum. Zunächst herrscht absolute Stille. Dann hören wir im Hintergrund allmählich gedämpfte, undeutliche Geräusche. Plötzlich wird uns der Raum aus einer anderen Perspektive gezeigt, immer noch mit einer starren Kamera, von der aus wir durch die Tür auch einen zweiten angrenzenden Raum sehen können. Und dann, nach einigen Sekunden, geschieht etwas Unerwartetes: In Zeitlupe fallen von der Decke Kronleuchter, Sessel mit Plüschtieren darauf, Sofas und zahlreiche andere Einrichtungsgegenstände herab, die an ein bürgerliches Wohnzimmer im eher altmodischen Stil denken lassen.
Dropping Furniture ist also, rein visuell und akustisch betrachtet, ein besonders feiner Kurzfilm, der bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Die Zeitlupe macht das Ganze noch spektakulärer, und gleichzeitig trägt ein sorgfältiges Sounddesign (von Andreas Hamza) mit gedämpften Geräuschen, in der Ferne bellenden Hunden und sogar einem klingelnden Telefon dazu bei, das Gefühl der Entfremdung zu verstärken, das wir bereits in den ersten Sekunden empfinden.
Was uns beim Anschauen von Dropping Furniture jedoch am meisten beeindruckt, ist, wie die „Vergangenheit“ auf ganz „unkonventionelle“ Weise auf die Kinoleinwand gelangt. Die Gegenstände, die von den beiden Regisseuren aus einer Höhe von sieben Metern fallen gelassen werden, zerbrechen in tausend Stücke, sobald sie auf dem Boden aufschlagen. Das Endergebnis ist fast eine Art Choreografie mit visuell magnetischer Wirkung, an deren Ende uns die beiden ursprünglich leeren Räume wunderbar farbenfroh erscheinen, wenn auch mit großem Durcheinander in ihrem Inneren. Die Vergangenheit kann endlich losgelassen werden. Aber können wir uns jemals wirklich von ihr befreien, oder werden ihre Spuren unseren Lebensraum noch lange, lange Zeit einnehmen?
Diesbezüglich kommen am Ende dieses kleinen, interessanten Dropping Furniture unweigerlich weitere Überlegungen auf. Wenn unsere Vergangenheit nun einmal unseren Hintergrund, unsere Herkunft darstellt, könnten wir dann, wenn wir uns davon „befreien“, den Sinn unserer Existenz oder, schlimmer noch, unserer Identität verlieren? Paul Horn und Harald Hund wollen uns darauf keine endgültigen Antworten geben, sondern uns mit dem, was sie inszeniert haben, überraschen und uns vor allem (auch mit einem gewissen, willkommenen Humor) interessante Denkanstöße liefern, wobei sie uns gleichzeitig große Interpretationsfreiheit lassen.
Titel: Dropping Furniture
Regie: Paul Horn, Harald Hund
Land/Jahr: Österreich / 2008
Laufzeit: 5’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Paul Horn, Harald Hund
Kamera: Oliver Schneider, Ludwig Löckinger
Produktion: Hund & Horn
