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von Lisa Polster
Note: 7.5
Film manifestiert sich in Bürglkopf in einer seiner dringendsten und kraftvollsten Formen und zeigt uns fast ungefiltert, was wir nicht sehen können. Preis für den Besten Dokumentarfilm und den Besten Erstlingsfilm bei der Diagonale 2025.
In den Tiroler Alpen…
Es gibt einen Ort in Tirol, in der Nähe der Kitzbüheler Alpen, an dem viele Menschen leben und darauf warten, zu erfahren, was ihr Schicksal sein wird. Dieser Ort liegt mitten in der Natur, in den Bergen und auf 1300 Metern Höhe. Das Panorama ist zweifellos spektakulär. Aber während viele Tourist:innen in die Nähe dieses Ortes fahren, um Ski zu fahren oder einfach einen ruhigen Urlaub zu verbringen, gibt es Menschen, die nicht wissen, wann sie nach Hause zurückkehren können, und die verzweifelt und völlig isoliert vom Rest der Welt leben. Dieser Ort ist in der Tat das Rückkehrzentrum Bürglkopf, von dem uns die Regisseurin Lisa Polster in ihrem mutigen Dokumentarfilm Bürglkopf, der bei der Diagonale 2025 uraufgeführt wurde, erzählt hat. Dort erhielt der Film sowohl den Preis für den Besten Dokumentarfilm als auch den Preis für den Besten Erstlingsfilm.
Und so wird uns von Anfang an klar, dass uns Bürglkopf eine höchst kontroverse Realität zeigen wird. Während uns die Kamera an Bord eines Autos den langen Weg dorthin zeigt, hören wir das Telefongespräch der Regisseurin mit den örtlichen Behörden, die ihr erklären, dass es absolut verboten ist, Aufnahmen im genannten Rückkehrzentrum zu machen. Aber was gibt es da zu verbergen? Warum will niemand verraten, wie die verschiedenen bürokratischen Abläufe jedes Mal durchgeführt werden, damit die zahlreichen Flüchtlinge endlich ihren Platz in der Welt finden können?
Mit einem einfachen und essentiellen Regieansatz zeigt uns Lisa Polster in Bürglkopf atemberaubende Panoramen, aber auch einen traurigen Alltag, der manchmal kein Ende zu haben scheint. Und durch die zahlreichen Aussagen der jeweils befragten Flüchtlinge wird uns bewusst, wie sich eine für viele fast idyllische Umgebung in eine wahre Hölle verwandeln kann. In einer Art goldenem Käfig, aus dem es unmöglich scheint, herauszukommen.
Mehr braucht es nicht, damit die Botschaft in Bürglkopf laut und deutlich ankommt. Die Kraft der Bilder bildet einen starken Kontrapunkt zu den Erzählungen der Protagonist:innen. Und während es im Dorf mittlerweile so aussieht, als hätten sich die Menschen diese Realität fast schon vergessen, kann ein kurzer Anruf mit den Liebsten den Tag irgendwie besser machen.
Denjenigen, die sich um das Schicksal dieser Menschen kümmern, zufolge sollte jeder der Flüchtlinge nur maximal zwei Wochen im Bürglkopf bleiben und in der Zwischenzeit die Ruhe dieser Orte genießen. Es gibt jedoch auch Berichte, dass einige fast zwei Jahre dort geblieben sind. Niemand darf jedoch Nachforschungen anstellen (im Film können wir nämlich nur flüchtig das besagte Gebäude in der Ferne sehen). Und so manifestiert sich Film in Bürglkopf in einer seiner dringendsten und kraftvollsten Formen und zeigt uns fast ungefiltert, was wir nicht sehen können, in einem Dokumentarfilm, über den viel gesprochen werden sollte.
Titel: Bürglkopf
Regie: Lisa Polster
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2025
Laufzeit: 78’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Lisa Polster, Maira Vazquez Leven
Kamera: Jasmin Schwendinger
Produktion: Lisa Polster, Konrad Schlaich, Lena Zechner
