{"id":10080,"date":"2020-11-01T17:54:00","date_gmt":"2020-11-01T15:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cinema-austriaco.org\/2020\/11\/01\/3-30pm\/"},"modified":"2021-04-28T01:42:59","modified_gmt":"2021-04-27T23:42:59","slug":"3-30pm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/2020\/11\/01\/3-30pm\/","title":{"rendered":"3.30PM"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">von <a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/regisseur\/ludwig-wust-de\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a><\/h2>\n\n<h3 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\">Note: 8<\/h3>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>Auch in diesem kleinen und feinen <strong>3.30PM<\/strong> beh\u00e4lt Ludwig W\u00fcst die zentralen Themen und Konstanten seines Kinos bei. Und so spielen auch hier Realismus und Minimalismus eine zentrale Rolle. <\/em><\/h3>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vergangenheit und Gegenwart<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach vielen Jahren in eine Stadt zur\u00fcckkehren, in der man gelebt hat. Einen langj\u00e4hrigen Freund zu treffen und eine Beziehung wiederzuentdecken, die trotz der Entfernung und des Vergehens der Zeit immer lebendig und aufrichtig geblieben ist. Sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen und mit einer ungewissen und sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Gegenwart zurechtkommen. Der Spielfilm <strong>3.30PM<\/strong> &#8211; der dritte Teil der Heimatfilm-Trilogie des vielseitigen unabh\u00e4ngigen Filmemachers <a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/2019\/03\/27\/interview-mit-ludwig-wust\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a> nach <strong><a class=\"rank-math-link\" href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/2019\/03\/23\/das-haus-meines-vaters\/\">Das Haus meines Vaters<\/a><\/strong> (2012) und <strong><a class=\"rank-math-link\" href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/2019\/02\/21\/aufbruch\/\">Aufbruch<\/a><\/strong> (2018), der bei der <em><strong><a class=\"rank-math-link\" href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/2020\/10\/22\/viennale-2020-2\/\">Viennale 2020<\/a><\/strong><\/em> seine \u00d6sterreich-Premiere gefeiert hat &#8211; entspricht ganz dem Kanon, der die bisherige Filmografie des Regisseurs gepr\u00e4gt hat. Der Film greift damit einige bereits in der Vergangenheit behandelte Konzepte auf und aktualisiert den Diskurs \u00fcber die Gegenwart, \u00fcber den Mangel an Sicherheit, \u00fcber das Vergehen der Zeit und \u00fcber die eigene Identit\u00e4t.        <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin und Anthony sind seit langem befreundet und treffen sich nach f\u00fcnfzehn Jahren in Wien wieder. Martin ist ein arbeitsloser Schauspieler, der in der \u00f6sterreichischen Hauptstadt lebt. Zun\u00e4chst ahnungslos, dass sein Freund ihn mit einer versteckten Kamera filmt, begleitet er ihn an einen Ort, der ihm sehr am Herzen liegt. Anthony ist Musiker und lebt seit Jahren in den Vereinigten Staaten. Diese R\u00fcckkehr in die Vergangenheit wird auch f\u00fcr ihn von gro\u00dfer Bedeutung sein.   <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Realismus und Minimalismus, die schon immer die Schl\u00fcsselw\u00f6rter von W\u00fcsts Filmografie waren, sind in <strong>3.30PM<\/strong> bedeutungsvoller denn je. Die beiden Schauspieler m\u00fcssen mit einer Mikrokamera umgehen und gleichzeitig die Dialoge improvisieren, dabei aber genauen Vorgaben folgen. Ganz nach dem Kanon von Dogma21, der direkt von der ber\u00fchmten Dogma 95-Bewegung inspiriert ist, die vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren in D\u00e4nemark entstand. Und das Kino selbst spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Begegnungen zwischen den beiden Protagonisten werden aus der Ferne beobachtet, niemand wei\u00df, was passieren wird. Die st\u00e4ndigen Fragen zur ungewissen Gegenwart f\u00fchren unweigerlich zu einer schmerzhaften Vergangenheit, die nur darauf wartet, wieder durchlebt zu werden, um endlich neu beginnen zu k\u00f6nnen. Und eine genaue Uhrzeit, n\u00e4mlich 3:30 Uhr nachmittags, bekommt eine ganz zentrale Bedeutung. Um 3.30 Uhr nachmittags hat Martin als Kind realisiert, dass er von seiner Mutter verlassen wurde. Eine Uhr, die identisch ist mit der, die fr\u00fcher in seinem Haus hing, erinnert f\u00fcr immer an diesen Moment.        <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcckkehr nach Hause, an den eigenen Geburtsort, nimmt auch in <strong>3.30PM<\/strong> eine zentrale Bedeutung ein. Und selbst Orte werden vom Regisseur als reale Charaktere behandelt: Martin und Anthony treffen sich zun\u00e4chst an einer Art Nicht-Ort, an einer Art \u00dcbergangsort. Eine riesige Baustelle trennt einen historischen Stadtteil Wiens von einem neueren Baugebiet &#8211; einer sogenannten Smart City -, in der von der Vergangenheit keine Spur geblieben zu sein scheint und in der wir uns aber auch noch nicht in der Gegenwart befinden. In dieser Art Vorh\u00f6lle erforschen die beiden Protagonisten ihr eigenes Leben, als w\u00e4re all dies eine Art notwendiges Vorritual, bevor sie sich endg\u00fcltig mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Eine Vorh\u00f6lle, in der bestimmte Gewissheiten und Bezugspunkte pl\u00f6tzlich verschwinden k\u00f6nnen &#8211; wie zum Beispiel die Schlucht, in der sich eine \u00e4ltere obdachlose Frau aufhielt &#8211; und in der man, wenn man auch nur f\u00fcr einen Moment auf den Horizont schaut, leicht erkennen kann, woher man kommt oder in welche Richtung man geht.     <\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in diesem kleinen und feinen <strong>3.30PM<\/strong> beh\u00e4lt Ludwig W\u00fcst die Hauptthemen und Konstanten seines Kinos bei. Auch hier spielen Realismus und Minimalismus eine zentrale Rolle. Mehr ist nicht n\u00f6tig, um zum Kern der Sache zu kommen. Mehr braucht es nicht f\u00fcr ein Kino, das endlich frei von jedem Element ist, das den Zuschauer von seiner zentralen Botschaft ablenken k\u00f6nnte. Ein Kino, das wir genau aus diesen Gr\u00fcnden immer mehr m\u00f6gen.     <\/p>\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titel: <strong>3.30PM<\/strong><br\/>Regie: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/regisseur\/ludwig-wust-de\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a> <br\/><\/strong>Land\/Jahr: <strong>\u00d6sterreich \/ <a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/jahr\/2020-de\/\" class=\"rank-math-link\">2020<\/a><\/strong><br\/>Laufzeit: <strong>74\u2019<br\/><\/strong>Genre: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/filmgenre\/dramen\/\" class=\"rank-math-link\">Drama<\/a><\/strong><br\/>Cast: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/schauspieler\/andrew-brown-de\/\" class=\"rank-math-link\">Andrew Brown<\/a>, <a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/schauspieler\/markus-schramm-de\/\" class=\"rank-math-link\">Markus Schramm<\/a>, <a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/schauspieler\/roswitha-soukup-de\/\" class=\"rank-math-link\">Roswitha Soukup<\/a><\/strong><br\/>Buch: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/drehbuchautor\/ludwig-wust-de\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a><\/strong><br\/>Kamera: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/kamera\/ludwig-wust-de\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a><\/strong><br\/>Produktion: <strong><a href=\"https:\/\/cinema-austriaco.org\/de\/produktion\/ludwig-wust-de\/\" class=\"rank-math-link\">Ludwig W\u00fcst<\/a><\/strong><\/p>\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Info: Die <a href=\"https:\/\/www.viennale.at\/de\/film\/330pm\" class=\"rank-math-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seite<\/a> von 3.30PM auf der Webseite der Viennale; Die <a href=\"https:\/\/ludwigwuest.works\/330pm_de\" class=\"rank-math-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seite<\/a> von 3.30PM auf der Webseite von Ludwig W\u00fcst<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in diesem kleinen und feinen 3.30PM beh\u00e4lt Ludwig W\u00fcst die zentralen Themen und Konstanten seines Kinos bei. 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