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von Valeska Grisebach
Note: 7
Das geträumte Abenteuer nimmt uns an die Hand und führt uns in eine Welt, deren wahres Wesen nur wenige kennen, ist aber vor allem eine Hymne an den Mut der Frauen, wobei es gekonnt jegliche Klischees vermeidet. Auf der Viennale 2026.
In einem weit entfernten Land…
Es gibt einen Ort, der mittlerweile fast von allen vergessen wurde, an dem die Zeit in vielerlei Hinsicht stillzustehen scheint. Ein Ort an der Grenze zwischen gleich drei Ländern, an dem offenbar kein Gesetz gilt und an dem wichtige Rätsel der Vergangenheit nie gelöst wurden. Dieser Ort ist Svilengrad, eine kleine bulgarische Stadt in der Nähe von Griechenland und der Türkei. Hier hat die Regisseurin Valeska Grisebach beschlossen, ihren neuesten Spielfilm Das geträumte Abenteuer anzusiedeln, der bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 (wo er den Preis der Jury erhielt) seine Weltpremiere und bei der Viennale 2026 seine Österreichpremiere hatte.
Das geträumte Abenteuer erzählt uns also zunächst die Geschichte von Said (gespielt von Syuleyman Alilov Letifov), der sich eben nach Svilengrad begibt (wo er vor einigen Jahren gelebt hat), um einen Dieselhandel aufzubauen. Dort wird ihm jedoch sein Auto gestohlen, doch Veska (eine hervorragende Yana Radeva), eine alte Bekannte von ihm, die nun in der Gegend als Archäologin arbeitet, kommt ihm zu Hilfe. Irgendwann verschwindet Said jedoch auf mysteriöse Weise, und es ist gerade Veska, die versucht, ihn wiederzufinden, wobei sie hautnah wichtige lokale Machtkämpfe miterlebt, in die Bosse, Clans und Fehden aller Art verwickelt sind. Wie wird das Ganze enden?
Das geträumte Abenteuer zeichnet sich also vor allem durch eine Geschichte aus, die im Verlauf der Inszenierung immer komplexer wird, sich aber Zeit lässt und den Ort, an dem die gesamte Handlung spielt, praktisch wie eine weitere Figur behandelt.
Ja, denn angesichts des besonderen Regieansatzes von Valeska Grisebach lässt sich Das geträumte Abenteuer tatsächlich fast als ein rein europäischer Western betrachten. Ein Western, der sich jedoch schon bald von allen möglichen Klischees des Genres befreit und in dem lange Plansequenzen und Totalen sofort dazu beitragen, dass wir uns als Teil jener fernen Orte fühlen, die wir auf der Kinoleinwand sehen. Lange Schweigepausen wechseln sich ab mit nächtlichen Gesprächen unter Frauen oder zwischen Mitgliedern der verschiedenen Clans. Laienschauspieler:innen und ein bisweilen fast dokumentarischer Ansatz sorgen zudem dafür, dass das gesamte Werk an Charakter gewinnt. Gleichzeitig kommen wichtige Geheimnisse und Intrigen langsam ans Licht. Und dabei ist es vor allem der Mut einer Frau, nämlich von Veska, der fast schon die Rolle der absoluten Hauptfigur einnimmt.
Valeska Grisebach hat, kurz gesagt, erneut ihr vielseitiges Talent bewiesen. Mit ihrem bedeutenden Werk Das geträumte Abenteuer nimmt sie uns an die Hand und führt uns in eine Welt, deren wahres Wesen nur wenige kennen, doch vor allem ist es eine Hymne an den Mut der Frauen, die gekonnt jegliches Klischee vermeidet und uns eine Protagonistin schenkt, die einfach nur magnetisch ist. Und dies ist, wie wir wissen, immer ein äußerst wertvolles Geschenk.
Titel: Das geträumte Abenteuer
Regie: Valeska Grisebach
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich, Bulgarien, Österreich / 2026
Laufzeit: 167’
Genre: Abenteuerfilm, Drama
Cast: Yana Radeva, Syuleyman Letifov, Stoicho Kostadinov, Nikolay Shekerdjiev, Denislava Yordanova, Tiana Georgieva
Buch: Valeska Grisebach, Lisa Bierwirth
Kamera: Bernhard Keller
Produktion: Panama Film, Komplizen Film, Kazak Productions, Miramar Film, New Matter Films
