This post is also available in:
von Verschiedene Autoren
Note: 7.5
Das Leben in der kleinen Stadt verläuft ruhig. Die Kamera mit ihren schlichten und essenziellen Einstellungen ist dabei stiller Zeuge. Und durch eine direkte Inszenierung ohne Virtuosität findet Im alten Feldkirch seine ideale Dimension. Restauriert vom Filmarchiv Austria und präsentiert auf dem Kanal Filmarchiv On.
Eine Perle Vorarlbergs
Um das Wesen eines Ortes wirklich zu verstehen, muss man zunächst den Alltag seiner Bewohner:innen betrachten – jenseits jeglicher Fokussierung auf Denkmäler, Kirchen oder Naturschönheiten. Und genau dies haben im Laufe der Jahre offenbar auch zahlreiche Filmemacher:innen und Dokumentarfilmer:innen erkannt, die immer häufiger genau jene Menschen, die die jeweils besuchten Orte tagtäglich lebendig und pulsierend machen, in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen wollten. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der kurze Dokumentarfilm Im alten Feldkirch aus dem Jahr 1936, der Teil des Projekts Alten Städtchen in Österreich ist und kürzlich vom Filmarchiv Austria restauriert und auf dem Kanal Filmarchiv On präsentiert wurde.
Feldkirch ist also nach Dornbirn die zweitgrößte Stadt Vorarlbergs, obwohl sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen und institutionellen Bedeutung nicht offiziell als die eigentliche Hauptstadt des Bundeslandes gilt. Im alten Feldkirch nimmt uns also an die Hand und nimmt uns mit auf eine kurze und interessante Reise in genau diese Welt, und in nur wenigen Minuten gelingt es dem Film perfekt, uns ein Bild davon zu vermitteln, wie die Einheimischen in der Zwischenkriegszeit ihre Tage verbrachten.
Und so beginnt dieser kleine, aber feine Film Im alten Feldkirch tatsächlich mit einer Panoramaaufnahme der Stadt aus der Vogelperspektive. Das Stadtzentrum ist besonders belebt. Die Gebäude sind gepflegt und elegant, und die Schattenburg gilt tatsächlich als die größte Sehenswürdigkeit des Ortes. Dann wird den Einwohner:innen von Feldkirch nach und nach immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die Kamera dringt in die Gassen der Altstadt vor, aber auch in die Innenhöfe von Privathäusern. Einige Passanten sind mit ihren alltäglichen Tätigkeiten beschäftigt, während es besonders interessant ist, einige Frauen in traditionellen Trachten zu beobachten, die aus ihren Häusern treten und miteinander plaudern.
Ja, denn wenn wir Im alten Feldkirch mit anderen Dokumentarfilmen vergleichen, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Österreich entstanden sind und ebenfalls darauf abzielen, die Schönheiten des Ortes zu zeigen und hervorzuheben, wird uns bewusst, dass hier der Mensch selbst oft als Protagonist in einer Realität behandelt wird, in der Straßen, Landschaften und Gebäude fast wie ein Rahmen wirken, um etwas weitaus Größeres zu beschreiben.
Das Leben in dieser kleinen Stadt verläuft ruhig. Die Kamera mit ihren einfachen und essenziellen Einstellungen ist dabei stiller Zeuge. Und gerade durch diese direkte, von jeglicher Virtuosität freie Inszenierung findet Im alten Feldkirch seine ideale Dimension. Es waren noch mehrere Jahre bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Niemand hätte sich damals vorstellen können, was schon bald geschehen würde. Und doch schien ein Nachmittag am Fluss schon an sich ein wertvolles Geschenk zu sein.
Titel: Alte Städtchen in Österreich
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1936
Laufzeit: 3’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Verschiedene Autoren
