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von Ernst Marischka
Note: 6.5
Die Deutschmeister ist ein Meilenstein des nostalgischen österreichischen Films, der es versteht, Geschichte in eine rhythmische und visuell faszinierende Operette zu verwandeln, die gleichzeitig unterhält und dem Zuschauer eine Flucht aus dem Alltag ermöglicht.
Liebe und Musik
Die Deutschmeister, der im August 1955 in die Kinos kam, ist eine weitere romantische Musikkomödie aus dem stets unterhaltsamen und blühenden Genre des nostalgischen österreichischen Films der Nachkriegszeit. Der Regisseur und Drehbuchautor, der Oscar-Nominierte Ernst Marischka, nimmt hier wieder eine Geschichte auf, die er bereits 1934 für den Film Frühjahrsparade von Géza von Bolváry geschrieben hatte, und schafft damit einen perfekten Vorläufer der berühmten Sissi-Trilogie, die kurz darauf das Talent von Romy Schneider – auch hier an der Seite ihrer Mutter Magda – endgültig etablieren sollte. Das Ergebnis ist ein schönes Werk, bereichert durch eine singende Besetzung mit echten Stars wie unter anderem Susi Nicoletti, Hans Moser, Gunter Philipp und Paul Hörbiger.
Die Deutschmeister ist also der klassische Sonntagnachmittagsfilm, wenn es regnet und man sich neunzig Minuten lang beschäftigen muss. Angenehm, vorhersehbar und unterhaltsam, folgt dieser Film von Marischka den Abenteuern der jungen und lebhaften Constanze „Stanzi“ Hübner (Schneider junior), die aus einem Bergdorf in die Stadt kommt, um ihre Tante Therese (Schneider senior) – eine Bäckerin mit einem Laden direkt am Ring – zu besuchen. Auf einem Maskenball wird Stanzi für eine Gräfin gehalten, was eine Reihe von Missverständnissen auslöst.
So verliebt sich Stanzi in Willi Jurek (gespielt von Siegfried Breuer Jr.), einen jungen Musiker der Deutschmeister-Blaskapelle. Als Willi und seiner Einheit wegen unerlaubten Verlassens der Kaserne eine Strafe droht, beschließt das Mädchen, ihm zu helfen: Sie versteckt die Partitur seiner neuen Komposition, das Deutschmeistermarsch, in einem Salzstangerl, das für den Tisch von Kaiser Franz Joseph bestimmt ist, der gerade den anderen Kaiser, Wilhelm II. von Preußen, zu Besuch empfängt. Sie können sich sicher vorstellen, wie diese Geschichte ausgehen wird.
Die Deutschmeister, der im selben Jahr wie Der Österreichische Staatsvertrag erschien, fängt den Zeitgeist jener Epoche perfekt ein – jene Sehnsucht nach Entspannung und Unbeschwertheit, die die Nachkriegszeit fast spontan mit sich brachte. Es ist in der Tat kein Zufall, dass die oben erwähnte Reihe romantischer Komödien und Musikfilme gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit ihren größten Erfolg hatte.
Indem sich Die Deutschmeister in die idyllische und tröstliche Nostalgie des Wien der Jahrhundertwende flüchtet, bietet er auch die Gelegenheit, – auf sehr freie und fiktionalisierte Weise – die Geschichte des Musikers Wilhelm August „Willi“ Jurek zu erzählen, der tatsächlich zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert lebte und den Marsch des 4. kaiserlichen Infanterieregiments „Deutschmeister“ komponierte, der Marischkas Film seinen Titel gibt.
Aus künstlerischer und formaler Sicht gleicht der Film den Mangel an dramatischer Tiefe durch das mitreißende Charisma von Romy Schneider aus, die – wie bereits erwähnt – von einer hervorragenden Besetzung von Charakterdarsteller:innen unterstützt wird – darunter ihre Mutter Magda und die Legende Hans Moser über alles – und passt perfekt zur prächtigen Musik von Robert Stolz sowie zu den berühmten farbenfrohen historischen Kostümen. Im Gegensatz zu den hier so hochgelobten Salzstangerl (die wie lange Zylinder aus Brot aussehen und mit großen Salzkörnern bestreut sind) wirkt Die Deutschmeister jedoch kitschig und übersüßt. Und doch ist es gerade dieser märchenhafte Charakter, der den Film zu einem Meilenstein des nostalgischen österreichischen Films gemacht hat – einem Film, der die Geschichte in eine rhythmische und visuell faszinierende Operette verwandelt und die Aufgabe, die ihm seit jeher zugedacht ist, perfekt erfüllt: Unterhalten und gleichzeitig aus der Realität entfliehen zu lassen. Gut gemacht.
Titel: Die Deutschmeister
Regie: Ernst Marischka
Land/Jahr: Österreich / 1955
Laufzeit: 106’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm, Musikfilm
Cast: Romy Schneider, Magda Schneider, Siegfried Breuer Jr., Gretl Schörg, Susi Nicoletti, Adrienne Gessner, Hans Moser, Paul Hörbiger, Gunther Philipp, Josef Meinrad, Wolfgang Lukschy, Fritz Imhoff, Heinz Conrads, Richard Eybner, Karl Schwetter, Wolfgang Jansen
Buch: Ernst Marischka, Gustav Holm
Kamera: Bruno Mondi
Produktion: Erma-Film
