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FRÄULEIN LILLI

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von Hans Behrendt, Max Neufeld und Robert Wohlmuth

Note: 7

Fräulein Lilli ist eine unterhaltsame Verwechslungskomödie, in der vor allem Franziska Gaal auffällt, die hier in ihrem letzten in Europa gedrehten Film vor ihrer Auswanderung in die Vereinigten Staaten zu sehen ist. Ihre Lilli ist ein besonders lebhaftes, kluges und unkonventionelles Mädchen. Restauriert vom Filmarchiv Austria und präsentiert auf dem Kanal Filmarchiv On.

Kleine, in Vergessenheit geratene Juwelen

Wie wir alle wissen, brachte das Aufkommen des Nationalsozialismus zahlreiche dramatische Veränderungen mit sich, vor allem im Leben der Bürger:innen. Dies betraf auch die Filmwelt, in der zahlreiche Künstler:innen – oft aufgrund ihrer jüdischen Herkunft – zur Emigration gezwungen wurden und keine Möglichkeit mehr hatten, in Deutschland oder Österreich zu arbeiten. Vor dem Krieg gab es jedoch auch diejenigen, die beschlossen, sich gegen diese Situation aufzulehnen, und noch vor dem Anschluss eine neue Produktionsfirma gründeten. Es handelte sich in diesem Fall um eine unabhängige Produktionsfirma, die ausschließlich von Emigranten geführt wurde. Die Rede ist von der Opus Film, einer Tochtergesellschaft der Projektograph Film von Oskar Glück, deren erster und bedeutendster produzierter Film Fräulein Lilli war, der 1936 entstand, kürzlich vom Filmarchiv Austria restauriert und auf dem Kanal Filmarchiv On dem Publikum präsentiert wurde.

Fräulein Lilli ist also ein Film mit einer ganz besonderen Entstehungsgeschichte, an dessen Realisierung nacheinander gleich drei Regisseure beteiligt waren, nämlich Hans Behrendt, Max Neufeld und Robert Wohlmuth – vor allem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten während der Dreharbeiten, in die häufig auch die Hauptdarstellerin Franziska Gaal verwickelt war. Wie man sich gut vorstellen kann, wurde der Film zudem zunächst in Deutschland gerade wegen der Herkunft der an ihm beteiligten Personen verboten und erst 1949 dort verliehen, ohne jedoch den erhofften Erfolg zu erzielen. Seine historische Bedeutung und sein künstlerischer Wert sind jedoch unbestreitbar. Aber schauen wir uns einmal genauer an, worum es hier eigentlich geht.

Die in Fräulein Lilli inszenierte Geschichte handelt also von der jungen Lilli (Gaal), die seit einiger Zeit arbeitslos ist und mit ihrer Mutter und ihren Brüdern zusammenlebt. Eines Tages begibt sich das Mädchen in ein Juweliergeschäft und schafft es mit List, dort eine Anstellung zu bekommen. Wenige Tage später bricht sie gemeinsam mit ihrem Chef nach Monte Carlo auf, um sich als reiche Dame auszugeben und einige wertvolle Schmuckstücke zu verkaufen. Dort kommt es jedoch zu einigen unerwarteten Ereignissen: Lilli verliebt sich in den jungen Fredy Scott (gespielt von Hans Jaray), die Schmuckschatulle wird gestohlen und eine Reihe von Missverständnissen verkompliziert die Situation noch weiter. Wie wird das Ganze enden?

Fräulein Lilli ist also eine unterhaltsame Verwechslungskomödie, in der vor allem Franziska Gaal hervorsticht, die hier in ihrem letzten in Europa gedrehten Film vor ihrer Auswanderung in die Vereinigten Staaten zu sehen ist. Ihre Lilli ist, genau wie viele der Figuren, die sie im Laufe der Jahre gespielt hat, ein besonders lebhaftes, kluges und unkonventionelles Mädchen. Sie ist es (natürlich zusammen mit einer besonders sorgfältig ausgewählten Besetzung und einem unterhaltsamen, gut geschriebenen Drehbuch), die dafür sorgt, dass der gesamte Spielfilm auf der Kinoleinwand besonders gut funktioniert. Ebenso haben eine überwiegend klassische Regie, die auf unnötige Virtuosität verzichtet, und mitreißende Musik dazu beigetragen, dass dieser Fräulein Lilli zu einem kleinen, wertvollen Juwel der österreichischen Filmgeschichte geworden ist.

Es ist daher schade, dass dieser Film mit so vielen Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen hatte und daher seinerzeit nicht die Anerkennung fand, die er verdient hätte. Auch wenn es sich um ein eher klassisches Werk handelt, muss man dennoch anerkennen, dass dieser Fräulein Lilli insgesamt ein Werk von hoher Qualität ist. Und die Zeit hat ihm schließlich doch noch gerecht werden lassen.

Titel: Fräulein Lilli
Regie: Hans Behrendt, Max Neufeld, Robert Wohlmuth
Land/Jahr: Österreich / 1936
Laufzeit: 84’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm, Musikfilm
Cast: Franziska Gaal, Hans Jaray, Szöke Szakall, Karl Ehmann, Richard Eybner, Karl Paryla, Dario Medina, Anny Burg, Benno Smytt, Viktor Franz, Wilhelm Schich, Grit von Elben
Buch: László Vadnay, István Bekeffy, Siegfried Geyer
Kamera: Willy Goldberger, Ernst Mühlrad
Produktion: Opus Film

Info: Die Seite von Fräulein Lilli auf iMDb; Die Webseite vom Filmarchiv Austria