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von Michael Kofler
Note: 7
In Zweitland ist das starke Gefühl der Klaustrophobie, das uns vermittelt wird, besonders prägnant. Klaustrophobie und Ohnmacht aufgrund eines Kontextes, aus dem es praktisch unmöglich scheint, einen Ausweg zu finden.
Zerbrochene Träume
Es gibt Erstlingsfilme, die sofort große Sensibilität und eine ausgezeichnete Kenntnis des Mediums Film offenbaren. Filme, die wie selten zuvor die menschliche Seele erforschen, ihre subtilsten Facetten erfassen und gleichzeitig gefährliche Klischees vermeiden. Einer dieser Filme ist zweifellos Zweitland von Michael Kofler, der uns die Geschichte einer Familie in einem für Südtirol historisch bedeutsamen Moment erzählt.
Zweitland spielt nämlich im Jahr 1961 in einem kleinen Dorf in Südtirol. Der junge Paul (gespielt von Thomas Prenn) träumt davon, so schnell wie möglich umzuziehen, um an der Kunstakademie in München Malerei zu studieren. Die Dinge nehmen jedoch eine unerwartete Wendung, da gerade in diesen Jahren der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) häufige Terroranschläge vor allem gegen die italienischen Sicherheitskräfte organisiert, um wieder Teil Österreichs zu werden (in Italien war es seit der Zeit des Faschismus sogar verboten, in der Region Deutsch zu sprechen).
Paul ist ein mutiger und idealistischer Junge. Gerade weil er zur Minderheit der deutschen Muttersprachler:innen gehört, hat er Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, und ist sowohl seinem Freund Hans (Fabian Mair Mitterer) als auch seiner Familie sehr verbunden. Als Hans jedoch von der italienischen Polizei verhaftet wird und sein Bruder Anton (Laurence Rupp) wegen der Organisation eines Anschlags gesucht wird, muss der junge Mann seine Träume aufgeben und sich um seine Schwägerin (Aenne Schwarz) – die ebenfalls stark und mutig ist, aber aufgrund dieser Situation nicht mehr arbeiten kann – und seinen kleinen Neffen kümmern. Wird sich jemals etwas ändern?
Zweitland versteht es also, die Essenz einer historischen Epoche, die nur wenige aus nächster Nähe kennen (mit Ausnahme derjenigen, die natürlich an diesen Orten leben oder gelebt haben), voll und ganz zu erfassen und die Atmosphäre der damaligen Zeit mit eindrucksvollen Schauplätzen, die oft weit entfernt von den Großstädten liegen, und mit überwiegend nachts gedrehten Szenen gut darzustellen. In diesem Sinne ist das starke Gefühl der Klaustrophobie, das uns beim Anschauen des Films vermittelt wird, besonders prägnant. Klaustrophobie und Ohnmacht aufgrund eines Kontextes, aus dem es praktisch unmöglich scheint, einen Ausweg zu finden (besonders eindrucksvoll sind in diesem Zusammenhang die Verhöre durch die italienische Polizei).
Wie bereits erwähnt, liegt die wahre Stärke von Zweitland jedoch in der Charakterisierung der Figuren und ihrer großen Menschlichkeit. Tatsächlich ist keiner von ihnen völlig schuldig oder unschuldig, aber gleichzeitig können wir uns sofort in die Protagonist:innen hineinversetzen. Und manchmal können wir sogar überrascht – und bewegt – von den unerwarteten Solidaritätsbeziehungen sein, die sich entwickeln. Mit seinem ersten Spielfilm hat Michael Kofler also großes Talent und Feingefühl bewiesen, indem er eine heikle und äußerst komplexe Geschichte inszeniert hat. Und obwohl er insgesamt eine rein klassische Struktur beibehalten hat, ist es ihm gelungen, seinem Werk eine eigene, ausgeprägte Persönlichkeit zu verleihen.
Titel: Zweitland
Regie: Michael Kofler
Land/Jahr: Deutschland, Italien, Österreich / 2025
Laufzeit: 112’
Genre: Drama, Historienfilm
Cast: Thomas Prenn, Aenne Schwarz, Laurence Rupp, Francesco Acquaroli,
Buch: Michael Kofler
Kamera: Felix Wiedemann
Produktion: Starhaus Filmproduktion, Helios Sustainable Films, KGP Filmproduktion
