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von Olga Kosanović
Note: 7.5
Noch lange keine Lipizzaner ist ein gut strukturiertes, besonders reifes und sehr kluges Werk, das sich durch sorgfältige Analysen und sogar urkomische Momente auszeichnet und sich nicht scheut, kontroverse und äußerst dringliche Themen anzusprechen.
In einer scheinbar perfekten Welt…
Österreich: Ein insgesamt wohlhabendes Land, in dem die Wasserqualität ausgezeichnet ist und der Lebensstandard im Durchschnitt höher ist als im Rest der Welt. Kurz gesagt, ein fast idyllisches Land, in dem die meisten alltäglichen Schwierigkeiten nur noch eine vage Erinnerung zu sein scheinen. Aber ist in Österreich wirklich alles so perfekt? Ist es wirklich so einfach, mit der Bürokratie umzugehen? Und vor allem: Ist es auch für diejenigen, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, wirklich so einfach? Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Dokumentarfilm Noch lange keine Lipizzaner der jungen serbischen Regisseurin Olga Kosanović, der uns eine Realität zeigt, die leider viele kennen.
Noch lange keine Lipizzaner ist also von einer persönlichen Begebenheit der Regisseurin (die auch in den Medien besonders bekannt wurde) inspiriert. Olga Kosanović hat, wie bereits erwähnt, serbische Wurzeln, ist aber in Österreich geboren und aufgewachsen. Dennoch hat sie noch nicht die österreichische Staatsbürgerschaft, da sie in Berlin studiert hat, im Rahmen des Erasmus-Programms in Prag war und seit ihrer Kindheit oft mit ihrer Familie in den Ferien bei ihren Großeltern in Serbien war. Nach Ansicht der österreichischen Bürokratie hat sie zu viele Tage im Ausland verbracht, um die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Aber ist dies wirklich sinnvoll?
Und so wurde das lange Abenteuer der Regisseurin (das am Ende der Dreharbeiten noch nicht abgeschlossen war) zu einem interessanten und fesselnden Dokumentarfilm, der uns mit Ironie und Intelligenz Schritt für Schritt zeigt, was man in einer solchen Situation zu bewältigen hat, und dabei auch eine sorgfältige und niemals banale Analyse der tatsächlichen Lage in Österreich vornimmt, wo 20 % der Bevölkerung (35 % allein in Wien) aus ähnlichen Gründen wie die Filmemacherin noch keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und wo aufgrund der zahlreichen Reaktionen derjenigen, die die Ereignisse um Kosanović in den Medien verfolgt haben, auch ein gefährlicher unterschwelliger Rassismus zu spüren ist.
Noch lange keine Lipizzaner zeigt uns also aus nächster Nähe viele Geschichten von ebenso vielen Menschen, die in Wien geboren und aufgewachsen sind (viele von ihnen sprechen übrigens sogar einen stark ausgeprägten Dialekt), aber aus einer Reihe (unverständlicher) Gründe nicht als vollwertige Österreicher:innen gelten können. Und so wird uns durch eine besonders dynamische und gut durchdachte Inszenierung einer der problematischsten Aspekte dieser österreichischen Realität in all seinen subtilen Facetten auf der Kinoleinwand präsentiert.
Interviews, fiktive Szenen, aber auch Animationssequenzen und viel, viel Ironie und Selbstironie machen Noch lange keine Lipizzaner zu einem gut strukturierten, besonders reifen und sehr klugen Werk, das durch sorgfältige Analysen und sogar urkomische Momente (bereits die Eröffnungsunterschrift, die das Publikum auffordert, während der österreichischen Nationalhymne aufzustehen, ist in diesem Sinne sehr bedeutungsvoll) keine Angst hat, kontroverse und äußerst dringliche Themen anzusprechen. Wird es der Regisseurin also jemals gelingen, ihre Situation zu lösen? Wichtig ist jedenfalls, niemals aufzuhören, von dem Tag zu träumen, an dem, wenn alles gelöst ist, endlich das Erreichte gefeiert werden kann.
Titel: Noch lange keine Lipizzaner
Regie: Olga Kosanović
Land/Jahr: Österreich / 2025
Laufzeit: 92’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Olga Kosanović
Kamera: Rupert Kasper
Produktion: April April Filme
