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von Isa Willinger
Note: 7.5
No Mercy ist eine lange und spannende Reise durch viele Jahre Filmgeschichte, die sich ganz auf Filme von Frauen konzentriert und gleichzeitig wichtige und aktuelle Themen behandelt. Auf der Viennale 2025.
Viele Stimmen, viele Perspektiven
Die sowjetische (später ukrainische) Regisseurin Kira Muratova (1934 – 2018) war schon immer ein Idol für die Filmemacherin Isa Willinger, die nach Abschluss ihres Filmstudiums unbedingt sie treffen wollte und dafür sogar nach Odessa reiste, um endlich mit ihr sprechen zu können. Für Muratova war es nicht einfach, „freies“ Kino zu machen, Themen zu behandeln, die oft als „problematisch“ angesehen wurden, sich, kurz gesagt, frei zu fühlen, sich durch Bilder, die mittlerweile zu Recht in die Filmgeschichte eingegangen sind, auf der Kinoleinwand auszudrücken. Muratova zufolge sind es zudem gerade Frauen, die die brutalsten Filme drehen. Ausgehend von dieser Aussage entwickelte Willinger also den spannenden Dokumentarfilm No Mercy, der bei der Viennale 2025 seine Österreichpremiere feierte.
No Mercy ist also eine lange und spannende Reise durch viele Jahre Filmgeschichte, die sich, wie wir uns gut vorstellen können, genau auf das von Frauen geschaffene Kino konzentriert. Autorinnen wie Ana Lily Amirpour, Catherine Breillat, Céline Sciamma, Alice Diop, aber auch Monika Treut und Virginie Despentes, um nur einige Beispiele zu nennen, treten nacheinander auf der Kinoleinwand auf und tragen durch Interviews und Ausschnitte aus ihren berühmtesten Filmen dazu bei, das von Muratova seinerzeit geäußerte Konzept zu vertiefen und gleichzeitig auch wichtige und aktuelle Themen wie Gewalt gegen Frauen und die Tatsache, dass mittlerweile viel zu oft vom „weiblichen Blick” die Rede ist, sowohl im Filmbereich als auch in anderen Bereichen, zu behandeln.
Mit einer besonders dynamischen Inszenierung und einem rasanten Rhythmus, der Off-Stimme der Regisseurin, die uns ihre Geschichte erzählt, und einer präzisen elliptischen Struktur, erwies sich No Mercy sofort als äußerst klarer und intelligenter Dokumentarfilm, als ein ausgesprochen aktueller und auch ganz dringlicher Film, der gekonnt gefährliche Klischees vermeidet und sich unter zahlreichen anderen Produktionen, die sich alle auf ihre Weise mit dem Thema Frauen in der Gesellschaft, in der wir leben, befassen, vor allem durch seine eigene, ausgeprägte Persönlichkeit auszeichnet.
Isa Willinger ihrerseits hat es verstanden, ein universelles Thema (bzw. viele Themen) mit Meisterschaft und Reife anzugehen, ausgehend von ihrer persönlichen Geschichte, ohne jedoch zuzulassen, dass starke Emotionen das gesamte Werk überlagern (besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Parallelen zwischen ihrer eigenen Geschichte und der von Muratova). Und angesichts der semantischen (und visuellen) Kraft der jeweils diskutierten und analysierten Themen könnte dieser interessante Film No Mercy sogar mit einer Achterbahnfahrt verglichen werden. Ein notwendiger und unverzichtbarer Dokumentarfilm, der uns viele Denkanstöße liefert und nach dem Anschauen zweifellos Anlass zu zahlreichen Debatten geben kann.
Titel: No Mercy
Regie: Isa Willinger
Land/Jahr: Deutschland, Österreich / 2025
Laufzeit: 104’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Isa Willinger
Kamera: Bernadette Paaßen, Siri Klug, Doro Götz
Produktion: Tondowski Films, FlairFilm, ZDF, ORF
