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von Kurdwin Ayub
Note: 7
Der freie Gesang von Sommerurlaub (Vaginale VII) wird fast zu einer Möglichkeit, ein völlig unpassendes Kleidungsstück abzuschütteln, um das Gefühl der physischen und psychischen Gefangenschaft zu überwinden. Beim Vienna Shorts 2025.
Endlich frei?
Der 2011 gedrehte Sommerurlaub (Vaginale VII), ein intensiver Kurzfilm aus der Serie Vaginale von Kurdwin Ayub, der anlässlich des Vienna Shorts 2025 im Rahmen einer Hommage an die mutige Filmemacherin erneut gezeigt wurde, beeindruckt sowohl durch das, was er zeigt, als auch vor allem durch das, was er repräsentiert. Der Kontrast zwischen dem, was im Kurzfilm gezeigt wird, und dem, was nicht gezeigt wird, besteht darin, dass die Regisseurin sich nicht an die gängigen Normen des Feminismus hält und dies auf ironische, manchmal unbeholfene, aber sicherlich intelligente Weise hervorhebt.
Ayub ist also Protagonistin einer leidenschaftlichen, aber stellenweise auch schmerzhaften und in gewisser Weise quälenden Performance. Sie tritt in einem Raum auf, der wie ein Hotelzimmer aussieht, und singt in einem Playback zu den Klängen der Soul-Legende Lorraine Ellison, gekleidet wie eine Braut. Tatsächlich wurde Sommerurlaub (Vaginale VII) zwar während der Sommerferien im Irak gedreht, aber im Haus der Eltern der Regisseurin und nicht in einem Hotel. Und die Rollläden, die vielleicht geschlossen wurden, um zu verbergen, was man draußen sehen könnte, haben denselben Effekt wie das Brautkleid, das Ayub trägt: Sie passen nicht zu dem Mädchen, sondern scheinen sie vielmehr einzusperren.
Und so wird der freie Gesang von Sommerurlaub (Vaginale VII) fast zu einer Möglichkeit, dieses völlig unpassende Kleidungsstück abzuschütteln, um das Gefühl der physischen (seit drei Wochen im Haus der Eltern) und mentalen (durch traditionelle weibliche Normen) Gefangenschaft zu überwinden. Ayub kann dies nicht akzeptieren, sie fühlt sich in dieser ihr nicht passenden Rolle unwohl und inszeniert ihr intellektuelles Unbehagen mit einer rein körperlichen Performance. Fühlst du dich in deiner Welt eingeengt? Schalte die Kamera ein und leg die dir von der Gesellschaft auferlegten Rollen ab, wie eine Art postmoderner Heiliger Franziskus.
Kurdwin Ayub, Autorin der Serie Vaginale, deren siebter Teil Sommerurlaub (Vaginale VII) ist, behandelt in ihren Filmen verschiedene aktuelle Themen wie Geschlechterrollen, Identität, Migration, Jugendkultur und das hektische moderne Leben. Und sie tut dies, wie auch in dem hier vorgestellten Film, mit einer authentischen und ganz persönlichen Herangehensweise, einer Art spielerischer Analyse. So wirken der im Wind flatternde Vorhang, das normale Kinderzimmer und die Braut in ihrem deutlich zu großen Kleid völlig deplatziert, ebenso wie der glänzende, pompöse Soul-Soundtrack, der im Kontrast zu den Schatten der Rollläden steht und von ihr, von uns und von all denen, die sich in der Rolle, die ihnen von anderen zugeschrieben wird, unwohl fühlen, erzählt.
Titel: Sommerurlaub (Vaginale VII)
Regie: Kurdwin Ayub
Land/Jahr: Österreich / 2011
Laufzeit: 4’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Kurdwin Ayub
Buch: Kurdwin Ayub
Kamera: Kurdwin Ayub
Produktion: Kurdwin Ayub
