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WELCOME HOME BABY

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von Andreas Prochaska

Note: 7.5

Mit Welcome Home Baby hat Andreas Prochaska einen Spielfilm geschaffen, der viel komplexer, vielschichtiger und symbolträchtiger ist, als es zunächst scheint, und der keine Angst davor hat, zu wagen und zu experimentieren. Auf der Berlinale 2025, Sektion Panorama.

Eine Vergangenheit, die nie vergangen ist

Welche Folgen können unbearbeitete Traumata, eine problematische Vergangenheit, der scheinbare Mangel an Wurzeln haben? Wie schmerzhaft kann der Weg sein, um solche Traumata zu überwinden, die eigenen Ängste zu überwinden, sich selbst zu finden? Um sich mit diesen komplexen Themen auseinanderzusetzen, hat sich der Regisseur Andreas Prochaska für das Genre des Thrillers entschieden und uns den Spielfilm Welcome Home Baby geschenkt, der auf der Berlinale 2025 seine Weltpremiere als Eröffnungsfilm der Sektion Panorama feierte.

In Welcome Home Baby finden wir daher viele Elemente, die dem Regisseur aus Wien am Herzen liegen (insbesondere im Hinblick auf seine früheren Erfahrungen im Bereich Horror), aber gleichzeitig sehen wir, wie die psychologische Komponente eine grundlegende Rolle spielt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht also die Ärztin Judith (gespielt von Julia Franz Richter), die seit Jahren mit ihrem Ehemann Ryan (Reinout Scholten van Aschat) in Berlin lebt und ins ihr Heimatsdorf in Österreich reisen muss, da sie nach dem Tod ihres Vaters das Haus ihrer Eltern geerbt hat. Judith hat ihre Familie jedoch nie kennengelernt und hat keine Erinnerungen daran, als sie dort als Kind lebte. Vielleicht könnte ihr nur die rätselhafte Haushälterin Paula (eine überraschende Gerti Drassl) helfen, etwas mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Aber warum kann sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr weggehen, nachdem sie dort angekommen ist? Und warum scheinen die Dorfbewohner:innen zu wissen, was sie aus ihrem eigenen Leben machen soll?

In Welcome Home Baby wird das Unbehagen, das die Protagonistin bereits bei ihrer Ankunft in ihrem alten Zuhause empfindet, daher auch von uns sofort wahrgenommen. Gemeinsam mit ihr bauen wir nach und nach ein Puzzle zusammen, dessen tausend Teile zerbrochen sind, gemeinsam mit ihr fühlen wir uns verwirrt, verstört, verängstigt. Gemeinsam mit ihr stellen wir uns Fragen und suchen nach Antworten, wobei wir verzweifelt versuchen, aus einer unheimlichen und klaustrophobischen Umgebung, in der unsere Geschichte bereits geschrieben zu sein scheint, ohne dass wir die Möglichkeit haben, ihren Verlauf zu ändern, zu entkommen.

Visuell magnetisch und fesselnd zeigt uns Welcome Home Baby die Ereignisse ausschließlich aus Judiths Perspektive und nähert sich durch Albträume, Halluzinationen und zeitliche Ellipsen dem Thema Trauma, Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft und sogar einer nie wirklich erlebten Mutter-Tochter-Beziehung, die zur Angst vor der Mutterschaft selbst führt.

Wasser und Feuer schenken Leben und töten zugleich. Seltsam unscharfe Fotos lassen die Anwesenheit fremder Wesen erahnen. Plötzliche Erwachen in einer Badewanne voller Blut wirken besonders real. Beunruhigende Figuren scheinen die Vergangenheit (und die Zukunft) besser zu kennen als jeder andere. Gleichzeitig mangelt es jedoch nicht an fast urkomischen Momenten, insbesondere in Bezug auf die Figur Paula, die sich Tante nennen lässt, aber – seien wir ehrlich – niemand als Verwandte haben möchte. In Welcome Home Baby ist es Andreas Prochaska gelungen, all diese Elemente in einem Spielfilm zu vereinen, der viel komplexer, vielschichtiger und symbolischer ist, als es zunächst scheint, und der keine Angst davor hat, zu wagen und zu experimentieren. Und je näher wir dem Ende kommen, desto mehr beeindrucken uns fast abstrakte Bilder mit magnetischem Charme, die uns mit ihrer ganzen visuellen und kommunikativen Kraft überwältigen.

Titel: Welcome Home Baby
Regie: Andreas Prochaska
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2025
Laufzeit: 115’
Genre: Thriller
Cast: Julia Franz Richter, Reinout Scholten van Aschat, Gerti Drassl, Maria Hofstätter, Gerhard Liebmann, Linde Prelog, Inge Maux, Erika Mottl
Buch: Andreas Prochaska, Daniela Baumgärtl, Constantin Lieb
Kamera: Carmen Treichl
Produktion: Lotus Film, Senator Film Produktion

Info: Die Seite von Welcome Home Baby auf iMDb; Die Seite von Welcome Home Baby auf der Website der Berlinale; Die Seite von Welcome Home Baby auf der Website der Lotus Film