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von Mo Harawe
Note: 8
Intim, persönlich, außerordentlich heikel und mit einem besonderen Fokus auf familiäre und zwischenmenschliche Beziehungen, zeichnet sich The Village next to Paradise vor allem durch eine große Regiereife aus, die in einem äußerst realistischen Ansatz die richtige Lösung findet, um die Wechselfälle der drei Protagonist:innen zu inszenieren. Bei der Viennale 2024.
Es war einmal, in einem kleinen Dorf…
Es gibt ein kleines Dorf in Somalia, von dem nur wenige Menschen wissen. Ein Dorf, das ständig von US-Killerdrohnen bedroht wird. Ein Dorf, in dem die jungen Leute keine Zukunft zu haben scheinen und aus dem viele so schnell wie möglich wegwollen. Ein Dorf, das gleichzeitig von seinen Bewohner:innen, von denen viele jeden Tag um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen, sehr geliebt wird. Dieses Dorf heißt Paradise und hier spielt The Village next to Paradise, der erste Spielfilm von Regisseur Mo Harawe, der Teil des Programms der Viennale 2024 ist und bereits bei den Filmfestspielen von Cannes 2024 in der Sektion Un certain Regard seine Weltpremiere hatte.
Der Protagonist von The Village next to Paradise ist also Mamargade (gespielt von Ahmed Ali Farah), der mit seinem Sohn Cigaal (Ahmed Mohamud Saleban), einem außerordentlich intelligenten Kind, und seiner Schwester Araweelo (Anab Ahmed Ibrahim), die sich gerade hat scheiden lassen und versucht, ihr Leben neu aufzubauen, indem sie einen neuen unabhängigen Job beginnt, zusammenlebt. Mamargade hat schon immer prekäre Jobs gehabt, und als die Schule seines Sohnes geschlossen werden muss, beschließt er, ihn auf ein Internat zu schicken, wo er eine gute Ausbildung erhalten kann. Dies ist jedoch sehr teuer und seine Arbeit wird nicht immer genügen.
Intim, persönlich, außerordentlich heikel und mit einem besonderen Fokus auf familiäre und allgemein zwischenmenschliche Beziehungen, zeichnet sich The Village next to Paradise vor allem durch eine große Regiereife aus, die in einem äußerst realistischen Ansatz die richtige Lösung findet, um die Wechselfälle der drei Protagonist:innen zu inszenieren. Der junge Cigaal ist ein kluges Kind mit einer lebhaften Fantasie (genau wie seine Mutter, die viele Jahre zuvor bei einem Autounfall ums Leben kam). Er hat immer viele seltsame Träume, die er gerne seinem Vater oder seinen Mitschülern erzählt. Es ist jedoch sehr wichtig, dass diese Fantasie und sein Wunsch zu träumen nie sterben, auch wenn das Leben für ihn immer schwieriger wird.
Mamargade seinerseits hatte kein einfaches Leben. Dennoch hat er nie seine gute Laune und seine Hoffnung, dass sich die Dinge eines Tages ändern könnten, verloren. Genauso wie seine Schwester, obwohl die nationalen Gesetze gegenüber unverheirateten Frauen, die sich selbständig machen wollen, sehr streng sind. Zusammen mit einer zärtlichen und manchmal schmerzhaften Familiengeschichte zeigt uns The Village next to Paradise also in erster Linie die Situation eines Landes, in dem die Rechte der Menschen selbst oft nicht geschützt sind, in dem eine sorgenfreie Zukunft ein fast unerreichbarer Traum zu sein scheint, in dem aber auch die Widerstandsfähigkeit eine der grundlegenden Eigenschaften seiner Bewohner:innen ist.
Mo Harawe hat uns also einen äußerst reifen und bewegenden Spielfilm geschenkt, bei dem es die warmen Farben der Umgebungen und die intensiven Großaufnahmen der Protagonist:innen sind, die uns sofort in die Geschichte eintauchen lassen. An Überraschungen mangelt es beim Anschauen dieses wertvollen The Village next to Paradise nicht. Und auch an Momenten von großer emotionaler Wirkung mangelt es nicht. Es ist immer Zeit, erwachsen zu werden. Das Wichtigste ist jedoch, dass man nie vergisst zu träumen.
Titel: The Village next to Paradise
Regie: Mo Harawe
Land/Jahr: Österreich, Frankreich, Deutschland, Somalia / 2024
Laufzeit: 133’
Genre: Drama
Cast: Axmen Cali Faarax, Canab Axmed Ibraahin, Ahmed Mohamoud Salleban, Axmed Cabdillahi Ducaale, Maxamed Xaaji Cabdi Faarax, Maxamed Axmed Maxamed, Maxamed Maxamuud Jaamac
Buch: Mo Harawe
Kamera: Mostafa El Kashef
Produktion: FreibeuterFilm
