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von Helin Çelik
Note: 8.5
Mit Habā hat Helin Çelik einen äußerst wichtigen und notwendigen kleinen Film gedreht. Ein Werk, das nicht unbemerkt bleiben kann und das uns gleichzeitig Bilder von reiner, schmerzhafter Schönheit schenkt. Auf der Viennale 2024.
Auf der Suche nach Sahar
Frauenmorde, Ehrenmorde und Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen sind leider seit langem Realitäten, die in der Welt und der Gesellschaft, in der wir leben, fest verwurzelt sind. Realitäten, über die immer häufiger gesprochen wird, für die es aber sehr schwierig zu sein scheint, eine endgültige Lösung zu finden. Obwohl in den letzten Jahren viele Filme zu diesem Thema gedreht wurden, bleibt je nach dem gewählten Regieansatz immer noch Zeit, ein Werk zu schaffen, das auf seine eigene Weise etwas bewirken kann. Dies ist zum Beispiel bei Habā der Fall, dem jüngsten Kurzfilm der Regisseurin Helin Çelik, der bei der Viennale 2024 uraufgeführt wurde.
In Habā fällt uns daher sofort die angstvolle Stimme von Sahar auf, einer jungen Frau von zweiundzwanzig Jahren, die der Regisseurin am Telefon anvertraut, dass sie große Angst um ihr eigenes Leben hat. Die Kinoleinwand ist völlig schwarz. Die Stimme der Frau steht im Mittelpunkt des Geschehens. Dann wird das Telefonat plötzlich unterbrochen. Wie wird es nun weitergehen? Und so begibt sich Helin Çelik auf der Suche nach der auf mysteriöse Weise verschwundenen Sahar auf eine lange Reise durch die Wüste, aber auch an einsame Strände, deren Weite sofort ein Gefühl der Verwirrung vermittelt, während sie gleichzeitig mit denjenigen spricht, die die junge Protagonistin kennengelernt haben.
In Habā vermittelt daher ein feines Schwarz-Weiß zusammen mit kurzen Szenen aus dem ägyptischen Film Doa al Karawan (Henry Barakat, 1959) und Umgebungen, in denen, abgesehen von Füßen, die auf Sand laufen, oft keine Spur von der Anwesenheit von Menschen zu sein scheint, gut, was die Regisseurin uns mitteilen wollte, in einem Werk, das eine minimalistische und gleichzeitig bis ins kleinste Detail durchdachte Inszenierung zu seiner Stärke gemacht hat.
Geräusche und Stimmen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Wovor haben wir Angst? Vor Gewalt, vor dem Tod natürlich, aber auch vor dem, was wir nicht kennen und was wir nur spüren, aber nie sehen können. Helin Çelik weiß das und weiß das Off entsprechend zu nutzen, damit die Geschichte, die uns in diesem wertvollen Habā in Bildern erzählt wird, uns mit ihrer ganzen visuellen und kommunikativen Kraft erreichen und wie ein Schlag in den Magen treffen kann.
Sahar ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Und doch scheint ihre Essenz (wie auch die Essenz vieler anderer Frauen, die wie sie nicht mehr Teil unserer Welt sind) nun ein Teil der Umgebungen zu sein, fast so, als hätte ihr (kurzes) Leben auf seine Weise den Stand der Dinge für immer verändert. Was gewesen ist, kann nicht mehr ausgelöscht werden. Und doch hat die Erinnerung die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich bestimmte Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen können. In Habā wollte uns die Regisseurin also genau dies vermitteln. Und sie hat dies durch einen kurzen Film getan, der äußerst wichtig und notwendig ist. Durch ein Werk, das nicht unbemerkt bleiben kann und das uns gleichzeitig Bilder von reiner, schmerzhafter Schönheit schenkt.
Titel: Habā
Regie: Helin Çelik
Land/Jahr: Österreich, Spanien / 2024
Laufzeit: 23’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Helin Çelik
Kamera: Raquel Fernández Núñez
Produktion: Helin Çelik, Rebeca Sánchez López
