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ANFANG 80

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von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl

Note: 7.5

Frisch und zart wie eine Frühlingsbrise, aber auch zutiefst dramatisch und bewegend, ist Anfang 80 eine Hymne an die Liebe und die Freiheit. Eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Seelen, die sich mit dem unausweichlichen Vergehen der Zeit konfrontieren müssen.

Frei zu lieben

Viele behaupten, dass das Leben im Alter von fünfzig Jahren beginnt. Manche glauben sogar, dass man erst ab dem siebzigsten Lebensjahr endlich so leben kann, wie man es sich immer gewünscht hat. Aber ist die Gesellschaft wirklich bereit zu akzeptieren, dass ältere Menschen so leben können, wie sie es für richtig halten, oder betrachtet sie sie als fast unsichtbare Wesen, die einfach am Leben gehalten werden, ohne selbst Entscheidungen treffen zu dürfen? Der Spielfilm Anfang 80 von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl aus dem Jahr 2011, produziert von der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion und ausgezeichnet mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen, bietet dazu viele Denkanstöße und eine ebenso zarte wie schmerzhafte Geschichte.

Rosa (gespielt von Christine Ostermayer) und Bruno (Karl Merkatz) sind ein junges, verliebtes Paar. Ein Paar, das sich nichts sehnlicher wünscht, als frei und glücklich zu leben. Doch beide sind mittlerweile in den Achtzigern, Rosa ist unheilbar krank und Bruno ist seit vielen Jahren mit Herta (Erni Mangold) verheiratet. Die beiden trafen sich zufällig und wussten von da an, dass sie für immer zusammen sein wollten. Brunos Kinder und Rosas Nichte sind jedoch mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden: Rosa ist pflegebedürftig und soll deshalb in einem Pflegeheim leben, während Bruno seine Frau nach so vielen gemeinsamen Jahren nicht verlassen sollte. Werden die beiden endlich frei sein?

Frisch und zart wie eine Frühlingsbrise, aber auch zutiefst dramatisch und bewegend, ist Anfang 80 eine Hymne an die Liebe und die Freiheit. Eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Seelen, die sich mit dem unausweichlichen Vergehen der Zeit konfrontieren müssen. Eine mutige Geschichte, die keine Angst vor Vorurteilen, vor Menschen hat. Nicht einmal vor dem Tod. Unter kluger Vermeidung jeglicher Rhetorik haben uns die beiden Regisseur:innen also einen viszeralen, emotionalen Spielfilm geschenkt, der uns nicht unbedingt bewegen will, der uns aber dank einer scheinbar einfachen und minimalistischen Inszenierung Momente reiner Schönheit, reiner Poesie schenkt.

Nicht mehr junge Arme berühren und streicheln sich in einem Hotelzimmer oder in einer kleinen Wohnung weit weg von allem und jedem. Hände bedecken das Sonnenlicht, während die Gedanken frei laufen. Während einer Busfahrt können die schönsten Erinnerungen wach werden. Die Musik ist stark minimalistisch, oft braucht es nicht viele Worte, damit die volle Kraft der inszenierten Geschichte beim Zuschauer ankommt. Anfang 80 macht diese kleinen, wertvollen Momente zu seinem Arbeitspferd, auch und vor allem dank der exzellenten Leistungen von Christine Ostermayer und Karl Merkatz, nie übertrieben in ihrer Mimik, immer maßvoll und glaubwürdig.

Interessant ist auch, wie es den beiden Regisseur:innen gelungen ist, durch die unterschiedlichsten Reaktionen der Figuren auf die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonist:innen alle Facetten der menschlichen Seele auf die Kinoleinwand zu bringen. Während nämlich, wie bereits erwähnt, viele die beiden in jeder Hinsicht behindert haben (auch wenn sie sich später als durchaus bereit erwiesen haben, die Situation zu überdenken), gibt es auch diejenigen, die immer bedingungslos auf ihrer Seite standen und sich der tiefen Liebe, die sie verbindet, bewusst waren (Brunos Freund Karl, gespielt von Branko Samarovski). Und alles wird durch tiefgründige und niemals banale Dialoge gut wiedergegeben, der wahre Mehrwert dieses interessanten Anfang 80.

So ist es kein Zufall, dass dieser Spielfilm einer der größten Erfolge von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl ist. Als er entstand, hatte Michael Haneke Liebe noch nicht gedreht, was aber nicht dazu führte, dass sein Film den Erfolg von Hiebler und Ertl überschattete. Und so entstand gut dreizehn Jahre später eine Art „zweites Kapitel“, 80 Plus. Das ist aber natürlich eine andere Geschichte.

Titel: Anfang 80
Regie: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl
Land/Jahr: Österreich / 2011
Laufzeit: 90’
Genre: Drama, Liebesfilm
Cast: Christine Ostermayer, Karl Merkatz, Erni Mangold, Branko Samarovski, Susi Stach, Joseph Lorenz, Claudia Martini, Tanja Petrovsky, Julia Jelinek, Romana Martinu, Anton Noori, Margarete Tiesel, Inge Maux, Claus Philipp, Georg Zillner, Martin Oberhauser, Marlon Ertl
Buch: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl
Kamera: Wolfgang Thaler
Produktion: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Info: Die Seite von Anfang 80 auf iMDb; Die Seite von Anfang 80 auf der Webseite der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion