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von Bernhard Wenger
Note: 7.5
Intelligent, manchmal urkomisch und absolut gnadenlos zeigt uns Pfau – Bin ich echt? eine Welt, in der jeder Aspekt des Alltagslebens bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant wird, so dass kein Raum für Spontaneität und echte Gefühle bleibt. Bei den 81. Filmfestspielen von Venedig, Sektion Settimana Internazionale della Critica.
In einer „künstlichen“ Welt
Wenn man allein lebt, wenn es niemanden gibt, der einen zu wichtigen Veranstaltungen begleiten kann, oder wenn man einfach nur jemanden braucht, um mit seinem Partner das Streiten zu üben, dann gibt es eine spezielle Agentur, die für jede Gelegenheit die richtige Begleitung bietet. Zu dieser einzigartigen Agentur gehört Matthias (gespielt von Albrecht Schuch), der Protagonist des Spielfilms Pfau – Bin ich echt?, der vom jungen Regisseur Bernhard Wenger inszeniert wurde und bei den 81. Filmfestspielen von Venedig im Rahmen der Settimana Internazionale della Critica uraufgeführt wurde.
Matthias ist also einer der besten Mitarbeiter der besagten Agentur und macht seinen Job seit Jahren tadellos. Doch wie wird er Beruf und Privatleben jemals vereinen können, da er es mittlerweile gewohnt ist, ständig eine vorgegebene Rolle zu spielen? Welche Auswirkungen könnte sein Verhalten auf die Beziehung zu seiner Freundin (Julia Franz Richter) haben? Und vor allem: Welche Probleme könnte er bekommen, wenn einem Familienmitglied eines seiner Kund:innen die Konsequenzen seiner Arbeit nicht gefallen?
Intelligent, manchmal urkomisch und geradezu gnadenlos zeigt uns Pfau – Bin ich echt? eine Welt, in der jeder Aspekt des Alltags bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant wird, so dass kein Raum für Spontaneität und echte Gefühle bleibt. Alles muss perfekt und problemlos ablaufen. Genauso wie die künstliche Intelligenz einiger Geräte (die allerdings oft nicht funktionieren) dafür sorgt, dass selbst die einfachsten Handlungen automatisch ausgeführt werden können. Menschen und sogar Haustiere werden gemietet, damit man sich nicht mehr einsam fühlt. Und so tritt ein ständiges Gefühl der Leere sofort in den Vordergrund.
Bernhard Wenger behandelt hier Themen, die durchaus wichtig und auch recht dramatisch sind, wenn man bedenkt, dass die von ihm inszenierte Welt in naher Zukunft fast sicher Realität werden wird. Und doch wird uns in Pfau – Bin ich echt? alles auf ironische und paradoxe Weise gezeigt, was das große Talent des Regisseurs im Umgang mit Komik und der Schaffung der richtigen Situationen offenbart, auch dank einer ausgezeichneten Besetzung, zu der neben den exzellenten Albrecht Schuch und Julia Franz Richter auch Anton Noori, Maria Hofstätter und Branko Samarovski gehören, alle perfekt in ihren Rollen und in der Lage, die subtilsten und unterschiedlichsten Emotionen zu vermitteln, ohne dabei jemals zu übertreiben.
Menschen „mieten“, um eine Leere zu füllen, lässt uns sofort an Yorgos Lanthimos‘ Alpis denken. Ruben Östlund und sein The Square hingegen kommen uns in den Sinn, wenn wir unseren Protagonisten bei einer Gala-Veranstaltung in einer Art „revolutionären“ und unerwarteten Performance sehen. Und dann, beim Betreten des Hauses eines älteren Herrn, erscheinen einige an der Wand hängende Trophäen als deutlicher Verweis auf Ulrich Seidl und seinen hervorragenden Im Keller. Pfau – Bin ich echt?, Wengers erster Spielfilm nach zahlreichen Kurzfilmen, knüpft also stark an vergangene Werke an, zeigt aber gleichzeitig eine ausgeprägte Persönlichkeit und ein Talent, das zwar noch in der Entwicklungsphase steckt, aber auf dem besten Weg ist, in der zeitgenössischen Geschichte des österreichischen (und weltweiten) Films eine wichtige Spur zu hinterlassen. Und wer weiß, wie viele schöne Überraschungen er uns in Zukunft noch bescheren wird.
Titel: Pfau – Bin ich echt?
Regie: Bernhard Wenger
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2024
Laufzeit: 90’
Genre: Filmkomödie, Drama, Satire-Film, Groteskfilm
Cast: Albrecht Schuch, Anton Noori, Julia Franz Richter, Salka Weber, Theresa Frostad Eggesbø, Maria Hofstätter, Branko Samarovski, Tilo Nest
Buch: Bernhard Wenger
Kamera: Albin Wildner
Produktion: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion, CALA Filmproduktion
