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HANA, DUL, SED …

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von Brigitte Weich

Note: 7.5

Hana, dul, sed … ist ein Dokumentarfilm, der mit Kontrasten spielt. Der Kontrast zwischen dem Grau einer Stadt, Pjöngjang, und den Farben der traditionellen Kleidung. Der Kontrast zwischen der Kälte eines langweiligen Alltags und einem liebevollen Gespräch mit lebenslangen Freundinnen. Brigitte Weich hat uns ein intelligentes, fesselndes und zuweilen sogar bewegendes Werk geschenkt.

Vier Meisterinnen

Ri Jong-hi, Ra Mi-ae, Jin Pyol-hi und Ri Hyang-ok. Vier Namen, an die sich heute wahrscheinlich nur noch wenige erinnern. Vier Sportlerinnen, die zu ihrer Zeit Geschichte schrieben. Vor allem aber vier Frauen, die ihrer Leidenschaft folgten und damit eine ganze Nation stolz machen konnten. Im Jahr 2003 gewann die nordkoreanische Frauenfußballmannschaft den Asien Cup. Damit wurden die vier Sportlerinnen zusammen mit ihrer Mannschaft zu wahren Berühmtheiten. Doch wie lange dauerte diese glorreiche Zeit? Und vor allem, wie hat sich alles verändert, nachdem sie sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren konnten? Ihre außergewöhnliche Geschichte wurde von der Filmemacherin Brigitte Weich in ihrem Dokumentarfilm Hana, dul, sed … erzählt, der 2009 gedreht wurde und dem kürzlich der Film … ned, tassot, yossot … folgte, der in einem weiteren Artikel behandelt wird.

Hana, dul, sed … – eins, zwei, drei – das wiederholen unsere Athletinnen ständig während ihrer Trainingseinheiten. Ein Training, das viele Stunden und große Anstrengungen erfordert. Ein Training, das aber auch große Befriedigung bringen kann. Ausgehend vom Sieg der nordkoreanischen Frauenfußballmannschaft im Jahr 2003 gibt uns dieser interessante Dokumentarfilm von Brigitte Weich dank zahlreicher Interviews und Archivaufnahmen nicht nur einen Einblick in das Leben von vier außergewöhnlichen Frauen, sondern auch in die Welt des Fußballs in einem Land, in dem seit vielen, vielen Jahren eine strenge Diktatur herrscht.

Die Statue von Kim Jong-il wirkt auf der Kinoleinwand imposant und majestätisch. Zu ihren Füßen scheinen uns die zahlreichen Menschen, die sich auf der Straße drängen, winzig zu sein. Der von allen verehrte General wird auch von den vier Protagonistinnen bei Interviews oft erwähnt. Er ist (auch) stolz darauf, dass die Sportlerinnen sich so sehr für ihren Beruf anstrengen. Er ist es, dem sie nach ihrem Sieg geschrieben haben. Er ist derjenige, der die Bedeutung des Sports und der Sporterziehung in seinem Land propagiert.

Und genau in diesem Sinne ist der starke Kontrapunkt in Hana, dul, sed … deutlich. Eine scheinbare Freiheit, eine Illusion von Freiheit, entpuppt sich als noch flüchtiger, als unsere vier Protagonistinnen aus dem Team geworfen werden, nachdem sie sich, wie bereits erwähnt, nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Was ist dann zu tun? Wie kann man noch einmal alles neu beginnen? In Nordkorea muss jede Frau auch eine gute Hausfrau sein. Sie ist auch für diesen Beruf ausgebildet worden. Aber während es unter unseren ehemaligen Sportlerinnen diejenigen gibt, die sich für eine Heirat entscheiden (auch mit Hilfe von Heiratsagenturen, die dort sehr verbreitet sind), gibt es auch diejenigen, die sich dafür entscheiden, im Sport zu bleiben und als Trainerin oder Schiedsrichterin zu arbeiten.

Die Zeitgeschichte einer Nation (und ihre Beziehungen zum Ausland, die hier nur in Spielberichten angedeutet werden) durch die persönlichen Geschichten von vier ungewöhnlichen Frauen. Hana, dul, sed … ist ein leichter, aber manchmal auch sehr dramatisch Dokumentarfilm, der mit Kontrasten spielt. Der Kontrast zwischen dem Grau einer Stadt, Pjöngjang, und den Farben der traditionellen Kleidung, die von der Bevölkerung getragen wird, um die siegreiche Mannschaft zu feiern. Der Kontrast zwischen einer glorreichen Vergangenheit und einer Gegenwart, in der man manchmal den Eindruck hat, ein Leben zu führen, das sich gar nicht so anfühlt, als sei es das eigene. Der Kontrast zwischen der Kälte eines langweilig gewordenen Alltags und einem liebevollen Gespräch mit lebenslangen Freundinnen und Freunden. Brigitte Weich hat all diese Elemente meisterhaft behandelt und uns ein intelligentes, fesselndes und zuweilen sogar bewegendes Werk geschenkt. In … ned, tassot, yossot … werden wir sehen, was in den letzten Jahren sonst noch passiert ist.

Titel: Hana, dul, sed …
Regie: Brigitte Weich
Land/Jahr: Österreich / 2009
Laufzeit: 98’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Brigitte Weich
Kamera: Judith Benedikt
Produktion: Ri Filme

Info: Die Webseite von Hana, dul, sed …; Die Seite von Hana, dul, sed … auf iMDb; Die Seite von Hana, dul, sed … auf der Webseite der Austrian Film Commission