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ADRIENNE GESSNER – NICHT NUR „FRAU LOTHAR“

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Adrienne Gessner, vielseitige Schauspielerin, die sich jeder Rolle perfekt anpassen konnte und viele Jahre lang Mitglied des Wiener Burgtheaters war, war mehr als vierzig Jahre lang die Ehefrau des berühmten Schriftstellers und Theaterregisseurs Ernst Lothar.

Österreich, Frankreich, USA und wieder Österreich

Wenn wir an die österreichische Schauspielerin Adrienne Gessner denken, denken wir auch an den berühmten Schriftsteller und Theaterregisseur, ehemaligen Leiter des Theaters in der Josefstadt in Wien, Ernst Lothar (1890 – 1974), ihren Ehemann und Lebenspartner für mehr als vierzig Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1974. Lothars Roman Die Zeugin. Pariser Tagebuch einer Wienerin (1951) ist eindeutig von ihr, ihrer Liebesbeziehung und ihren Wechselfällen nach dem Beginn des Nationalsozialismus inspiriert. Sie war seine treue Begleiterin, nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch während ihres „Exils“ zunächst in Frankreich und dann in den Vereinigten Staaten. Aber wer war eigentlich unsere Adrienne Gessner?

Adrienne wurde am 23. Juli 1896 in Maria Schutz geboren und stammte aus einer Künstlerfamilie: Ihr Vater Gustav Geiringer war Komponist und Gesangspädagoge, ihre Mutter und ihre Schwester, Christine und Margarete von Bukovics, waren beide Schauspielerinnen. Genau wie sein Großvater mütterlicherseits Karl und seine Tante Camilla. Kein Wunder also, dass das Mädchen schon immer an der Kunstwelt interessiert war. Und so begann sie bald ein Schauspielstudium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, bevor sie bereits 1916 an den Münchener Kammerspielen ihr Theaterdebüt gab.

Nachdem sie ihr Talent sofort bewiesen hatte, begann Adrienne Gessner, durch Europa zu reisen und an den wichtigsten Theatern in Stuttgart, Salzburg und natürlich Wien zu spielen. Bald begann sich auch die Filmwelt für sie zu interessieren und 1931 spielte sie in ihrem ersten Film mit: Die große Liebe, dem einzigen in Österreich gedrehten Spielfilm des berühmten Otto Preminger. In diesen glanzvollen Jahren ihrer Karriere lernte sie Ernst Lothar kennen, der damals (und bis 1937), wie bereits erwähnt, gemeinsam mit seinem Kollegen Max Reinhardt das Theater in der Josefstadt in Wien leitete. Die beiden heirateten 1933, doch ihr anfängliches Glück wurde durch den Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im Jahr 1938 schnell unterbrochen. Aufgrund von Lothars jüdischer Herkunft mussten die beiden ihre Heimat sofort verlassen.

Wir wissen nicht genau, ob der Roman Die Zeugin. Pariser Tagebuch einer Wienerin wirklich von ihrer Geschichte inspiriert wurde. Für Adrienne Gessner und Ernst Lothar lief es ganz sicher anders als für Franzi und Pierre. Doch bei der Beschreibung ihrer großen Liebe möchten wir glauben, dass der Schriftsteller wirklich von seiner Beziehung zu Gessner inspiriert wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris zog das Paar jedoch in die Vereinigten Staaten, wo Adrienne weiterhin schauspielern konnte und sogar am Broadway spielte. Der Wunsch, nach Europa zurückzukehren, war jedoch immer noch sehr stark, und sobald der Krieg vorbei war, konnten die beiden endlich nach Wien zurückkehren.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wurde Adrienne Gessners Karriere sowohl im Film als auch im Theater in Österreich und im Ausland produktiver denn je. Zu den Spielfilmen, in denen sie mitwirkte, zählen beispielsweise Der Engel mit der Posaune (Regie: Karl Hartl, 1948, nach dem Roman Der Engel mit der Posaune von Lothar selbst), Ich Hab mich so an dich Gewöhnt (Eduard von Borsody, 1952), Prinzessin Olympia (Michael Curtiz, 1960, in dem die Schauspielerin auch neben Sophia Loren auftrat), Kronprinz Rudolfs letzte Liebe (Rudolf Jugert, 1956), Das Riesenrad (Géza von Radványi, 1961) und Geschichten aus dem Wienerwald unter der Regie von Maximilian Schell (1979), der letzte Spielfilm, in dem die Schauspielerin mitwirkte, bevor sie sich im letzten Teil ihrer Karriere ausschließlich dem Theater und kleinen Fernsehfilmen widmete.

Vielseitige Schauspielerin, die sich perfekt an jede Rolle anpassen konnte, langjähriges Mitglied des Wiener Burgtheaters, Trägerin des renommierten Max-Reinhardt-Rings und des Ehrenzeichens der Bundeshauptstadt Wien, widmete Adrienne Gessner die letzten Jahre ihres Lebens, bis zu ihrem Tod am 23. Juni 1987 in Wien im Alter von 90 Jahren, ihrer ersten Liebe, dem Theater. Ihr Ehrengrab, gemeinsam mit dem ihres Mannes, befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Wien. Ihr Name hat die österreichische Kulturszene jener Jahre so stark geprägt, dass sie noch heute von Millionen von Zuschauer:innen erinnert wird.

Info: Die Seite von Adrienne Gessner auf iMDb