eine-fahrt-durchs-otztal-1931-karl-kofinger-recensione-review-kritik

EINE FAHRT DURCHS ÖTZTAL

      Kommentare deaktiviert für EINE FAHRT DURCHS ÖTZTAL

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Karl Köfinger

Note: 7

In Eine Fahrt durchs Ötztal stehen neben den malerischen Landschaften und den besuchten Dörfern vor allem die Menschen und die Tourist:innen selbst im Mittelpunkt, die durch wichtige Großaufnahmen oder Aufnahmen, in denen sie bei ihren Tätigkeiten zu sehen sind, noch aufgewertet werden.

Tirol entdecken

Zu den fast völlig vergessenen Pionieren des österreichischen Films gehört unbedingt der Wiener Karl Köfinger. Tatsächlich widmete er seine gesamte Karriere, vor allem in den 1920er und 1930er Jahren, der Produktion spezieller touristischer Dokumentarfilme, die auch für den Vertrieb ins Ausland bestimmt waren. Dazu gehört auch Eine Fahrt durchs Ötztal aus dem Jahr 1930, der kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische wieder dem Publikum präsentiert wurde.

Eine Fahrt durchs Ötztal ist daher Teil der Dokumentationsreihe Mit dem Postkraftwagen durch Österreichs Alpenwelt, die Köfinger im Auftrag der Österreichischen Post realisiert hat und deren Ziel es ist, kurze Reisen innerhalb der verschiedenen Bundesländer Österreichs an Bord von speziellen Postfahrzeugen zu dokumentieren. Und genau auf diesen Fahrzeugen wurde die Kamera bei den langen Fahrten über die Alpen platziert. Eine Praxis, die zu dieser Zeit weit verbreitet war. Man denke nur an den viel bekannteren Dokumentarfilm Österreichische Alpenbahnen. Eine Fahrt nach Mariazell. (1910), bei dem die Kamera sogar auf einer Lokomotive platziert wurde.

Auch in Eine Fahrt durchs Ötztal sehen wir also eine Gruppe von Tourist:innen, die von der malerischen Stadt Innsbruck zum Ötztaler Bahnhof aufbricht, um sich mit einer anderen Gruppe von Tourist:innen zu treffen und in Richtung aller Dörfer des schönen Tiroler Tals weiterzufahren.

In seinen Dokumentarfilmen versuchte Karl Köfinger trotz der Notwendigkeit, sich so „objektiv“ wie möglich zu halten, und trotz eines insgesamt rudimentären Regieansatzes ohne jegliche Virtuosität, immer wieder seinen persönlichen Stil einzubringen, sei es durch eine leichte Ironie im Hintergrund oder durch eine besondere Aufmerksamkeit für die Bewohner:innen der besuchten Orte, für ihre Gesichter, für ihre Gesten. Und so merkt man auch in diesem kurzen und wertvollen Film Eine Fahrt durchs Ötztal, der 1931 gedreht wurde und nur elf Minuten dauert, diesen üblichen Ansatz des Pioniers des österreichischen Films. Neben den stimmungsvollen Landschaften und Dörfern, die besucht werden, können wir auch eine besondere Aufmerksamkeit für die Menschen und die Tourist:innen selbst erkennen, die durch wichtige Großaufnahmen oder Aufnahmen, in denen wir sie bei ihren Aktivitäten sehen, noch aufgewertet werden.

Also nicht einfach Dokumentarfilm, sondern vor allem reines Kino, das uns die Schönheit Österreichs und ihre Wahrnehmung durch jene zeigt, die das Privileg haben, sie jeden Tag zu beobachten. Das war das Kino von Karl Köfinger. Und dass sich heute nur noch wenige Menschen an ihn und seine Werke erinnern, wird ihm absolut nicht gerecht. Eine Fahrt durchs Ötztal ist daher eines der vielen Kapitel, die er der Erkundung seines Landes gewidmet hat. Ein wertvolles Dokument einer Epoche, in der man die Bedeutung und die zahlreichen Möglichkeiten dieser neuen Erfindung namens Kino zunehmend verstand.

Titel: Eine Fahrt durchs Ötztal
Regie: Karl Köfinger
Land/Jahr: Österreich / 1931
Laufzeit: 11’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Karl Köfinger
Kamera: Karl Köfinger
Produktion: Ing. Köfinger-Film

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria