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LA PIVELLINA

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von Tizza Covi und Rainer Frimmel

Note: 8.5

La Pivellina ist eine zeitgenössische Fabel, die sich heute genauso ereignen könnte, wie sie sich gestern ereignet haben könnte. Eine zeitlose Fabel, die in einer Welt spielt, in der die Zeit selbst leider völlig begrenzt zu sein scheint.

Eine unerwartete Begegnung

Die Zirkuswelt und alles, was sie darstellt, haben die Regisseur:innen Tizza Covi und Rainer Frimmel schon immer fasziniert. Die beiden Autor:innen, die gewohnt sind, in Bildern von Welten zu erzählen, die dazu bestimmt sind, auf die eine oder andere Weise für immer zu verschwinden, sprachen zum ersten Mal 2009 über dieses Thema, als sie den Spielfilm La Pivellina drehten. Es handelt sich dabei um das erste Kapitel einer Trilogie, die genau der Zirkuswelt gewidmet ist und die 2009 bei den Filmfestspielen von Cannes in der Sektion Directors‘ Fortnight präsentiert wurde und der Der Glanz des Tages (2012) und Mister Universo (2016) folgten.

Ein besonderes Merkmal, das diese Trilogie (aber auch alle anderen Spielfilme von Covi und Frimmel) auszeichnet, ist ein extremer Realismus, dank dessen wir uns sofort als Teil der Welten fühlen, die sie mit Zuneigung und Ehrfurcht erzählen, und nicht mehr wissen, wo die Realität endet und die Fiktion beginnt. Das Gleiche gilt für La Pivellina, in dem uns eine Gruppe von Laienschauspiele:innern (denen wir auch in den folgenden Filmen der Trilogie begegnen werden) an der Hand in ihre Welt führt, durch eine zarte und heikle Geschichte, in der es an wichtigen moralischen Dilemmata nicht mangelt.

Alles beginnt im Stadtteil San Basilio in Rom. Patti (Patrizia Gerardi) ist eine Frau in den Fünfzigern, die in einem Zirkus arbeitet und in einem Wohnwagen lebt. Eines Tages trifft sie auf der Suche nach ihrem Hund zufällig ein kleines, etwa zweijähriges Mädchen, das allein auf dem Spielplatz zurückgelassen wurde. Ihre Mutter hat sie dort ausgesetzt, aber wie sie in einem Brief geschrieben hat, will sie sie bald zurückholen. Patti beschließt, das Kind mitzunehmen, und nach und nach beginnen alle in ihrer Umgebung, sich für sie zu interessieren, auch ihr Mann Walter (Walter Saabel), der zunächst die Polizei rufen will, und der junge Tairo (Tairo Caroli), der als Kind ebenfalls von seinen Eltern verlassen wurde und mit den beiden Protagonist:innen zusammenlebt. Nach und nach scheint sich alles zum Guten zu wenden. Aber wie lange kann dieses flüchtige Glück andauern?

La Pivellina ist also eine zeitgenössische Fabel, die sich heute genauso ereignen könnte, wie sie sich gestern ereignet haben könnte. Eine zeitlose Fabel, die in einer Welt spielt, in der die Zeit leider völlig begrenzt zu sein scheint. Die junge Asia ist zum Maskottchen des Zirkus geworden und fühlt sich dank der Fürsorge von Patti, Tairo und Walter in dieser neuen Umgebung wohl und würde am liebsten für immer dort bleiben. Doch es gibt zahlreiche Schwierigkeiten, denen sich die Bewohner:innen täglich stellen müssen. Vor allem die wirtschaftliche Not und der Mangel an Arbeit, die immer an der Tagesordnung sind. So viel Schönheit neben der brutalen Realität einer Welt, von der nur wenige behaupten können, sie wirklich zu kennen.

Und so zeigt uns die Kamera von Tizza Covi und Rainer Frimmel in La Pivellina all dies ohne Filter. Getreu den Theorien von Cesare Zavattini haben die beiden Regisseur:innen eine gelungene Lösung gefunden, um ihre Geschichten unglaublich lebendig und pulsierend auf die Kinoleinwand zu bringen und uns neben witzigen und manchmal sogar urkomischen Momenten (wie zum Beispiel, wenn Patti ihren kleinen Hund ausschimpft, weil er weggelaufen ist), kraftvolle und bewegende Szenen zu bieten. So wie es geschieht, wenn niemand weiß, wie lange die junge Asia in der Welt bleiben kann, die ihr so sehr am Herzen liegt.

Titel: La Pivellina
Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel
Land/Jahr: Italien, Österreich / 2009
Laufzeit: 101’
Genre: Drama
Cast: Patrizia Gerardi, Tairo Caroli, Asia Crippa, Walter Saabel, Tailor Intruglio, Pierino Atzeni, Gigliola Crippa, Mirco Crippa
Buch: Tizza Covi
Kamera: Rainer Frimmel
Produktion: Vento Film

Info: Die Seite von La Pivellina auf iMDb; Die Seite von La Pivellina auf der Webseite der Austrian Film Commission