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FRIEDL

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von Christiana Perschon

Note: 6.5

Christiana Perschon durfte nur eine Frage stellen, eine einzige Frage. Doch Friedl schafft es, viel mehr zu sagen, ohne interviewt zu werden, mit diesem Porträt, das zu einer intimen Begegnung zwischen verschiedenen, aufeinander abgestimmten Generationen wird. Auf dem Vienna Shorts 2024.

Zwei Künstlerinnen

Nein, es handelt sich nicht um ein Interview. Und Dauer hat damit nichts zu tun. Friedl vom Gröller, feministische Künstlerin und Fotografin mit Verbindungen zum Wiener Aktionismus, macht das der Regisseurin des Kurzfilms, Christiana Perschon, klar: Kein Interview, sondern eine kurze, aber intensive Reise in ihre künstlerische Welt. Als Teil eines größeren Projekts, einer Reihe von Porträts älterer Künstlerinnen, läuft Friedl – präsentiert im Rahmen vom Vienna Shorts 2024 – in seinen knappen drei Minuten dank einer starren Kamera und einer Off-Stimme schnell, ganz im Sinne von Friedls (geb. Bondy, ehemals verheiratete Kubelka) Gedanken: Ich will nicht gefilmt werden, sondern selber filmen.

Friedl vom Gröller, geboren in London als Tochter österreichischer Emigranten, ist Fotografin, Filmemacherin und bildende Künstlerin mit einer großen Vorliebe für Stummfilme und Themen rund um die Betonung von Zeitlichkeit, Serialität und den Körper. Christiana Perschon, geboren im schönen Baden, ist Künstlerin, Kuratorin und Regisseurin von Kurz- und Dokumentarfilmen. Friedl ist Teil einer Porträtreihe, die älteren Künstlerinnen gewidmet ist. Hier kümmerte sie sich um die Regie, das Drehbuch, den Schnitt und die Produktion. Die komplette Realisierung, in Kürze.

Kurzer generationsübergreifender Dialog zwischen Meisterinnen der bildenden Kunst, beginnt Friedl mit dem obigen fettgedruckten Satz, indem er die Figur, die gleichnamige Protagonistin, und vor allem ihr Credo vorstellt: Die Bedeutung der Stille für Bilder. Mehr noch, Friedl erhebt und verherrlicht sogar den Stummfilm als die ideale Wahl, um Bilder zum Sprechen zu bringen und sie vom Ton zu befreien, der ihrer Meinung nach zu dominant ist. Es ist ihr künstlerisches Credo, eine Hymne an die Geschichten in Bildern, bei denen die auf das Thema gerichtete Kamera entscheidend ist. Klugerweise beruhigt Perschons Werk die Protagonistin, die es, wie erwähnt, vorzieht, die Kamera und den Film zu benutzen und nicht im Mittelpunkt zu stehen, eine Form des Widerstands gegen die Blicke der anderen.

Zigarette im Mund, Schwarz-Weiß-Bilder und eine passende Filmmusik obendrauf – ein ideales Trait d’Union zwischen den Gedanken der Künstlerin – und Friedl macht die von Mia Wallace in Pulp Fiction gehasste Stille zwischen den Antworten zum Äther der „interessantesten Stille“, weil sie das Ergebnis des Denkens in einem Dialog ist. Ein Dialog, der im Film Friedl sehr gut gelingt, wenn man an den großen Plan der Regisseurin denkt, die seit Jahren darauf bedacht ist, die Denk- und Arbeitsweisen einer älteren Generation von in Wien lebenden Künstlerinnen einzufangen, eine Art Enzyklopädie der visuellen Performance, die immer wieder konsultiert werden kann.

Christiana Perschon durfte nur eine Frage stellen, eine einzige Frage. Dennoch gelingt es Friedl, ohne interviewt zu werden, viel mehr zu sagen, mit diesem Porträt, das zu einer intimen Begegnung zwischen verschiedenen Generationen wird, die aufeinander abgestimmt sind. Zuhören und zuschauen: Die Künstlerin entscheidet, was sie vor die Kamera stellen will, und der Kurzfilm führt perfekt aus, was die Voraussetzung von vom Gröller ist, die sich nur ungern interviewen lässt, nun aber Teil einer großen Decoupage ist, die die Regisseurin, Künstlerin und „visuelle Porträtistin“ aus Baden, aber mit Wohnsitz in Wien, geschaffen hat.

Titel: Friedl
Regie: Christiana Perschon
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 3’
Genre: Dokumentarfilm, Experimentalfilm
Buch: Christiana Perschon
Kamera: Christiana Perschon
Produktion: Christiana Perschon

Info: Die Seite von Friedl auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Friedl auf der Webseite der sixpackfilm; Die Seite von Friedl auf der Webseite vom Vienna Shorts