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THE OTHER WAY AROUND

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von Anna Vasof

Note: 7.5

In The other Way around will Anna Vasof in erster Linie auf völlig innovative Weise über die Welt sprechen, in der wir leben, über das, was unsere Gesellschaft geworden ist oder wird, und uns gleichzeitig neue Perspektiven, neue Betrachtungsweisen unseres eigenen Alltags anbieten. Auf dem Vienna Shorts 2024.

Neue Perspektiven

„Fernsehen schafft das Vergessen, Film hat immer Erinnerungen geschaffen“, sagte der großartige Jean-Luc Godard. Wie könnten wir ihm widersprechen? Vor allem im Zuge der Pandemie hat sich ein Prozess beschleunigt, bei dem Streaming-Plattformen eine immer zentralere Rolle in unserem Alltag spielen – zum Nachteil der Kinos. Was erwartet uns in der Zukunft? Und ganz allgemein: Was wird aus uns werden, wenn Objekte und Maschinen den Menschen endgültig „abgelöst“ haben? Dieser komplexen Frage widmet sich der interessante Kurzfilm The other Way around von Regisseurin Anna Vasof, der im Rahmen vom Vienna Shorts 2024 in der Sektion ÖW – „Österreich Wettbewerb“ präsentiert wird.

Wie wir bereits in Issues with my other Half (2022) gesehen haben, ist Anna Vasof besonders fasziniert von all den Möglichkeiten des Spiels mit Bildern, die uns Film (und Schnitt) bietet. In The other Way around sehen wir daher eine Reihe von kurzen Szenen, in denen alltägliche Gegenstände auf völlig neuartige Weise verwendet werden, indem sie sich oft an die Stelle von Händen und Füßen setzen und diese als Objekte selbst verwenden.

Schon der Beginn von The other Way around gibt uns einen interessanten Denkanstoß: Die Regisseurin selbst sitzt vor dem Fernseher. Auf dem Bildschirm erscheint das Logo einer bekannten Streaming-Plattform. Dann passiert plötzlich etwas, was wir nicht erwarten: Eine Hand mit einer Fernbedienung erscheint auf dem Bildschirm, richtet sie in Richtung der Protagonistin, die sich „ausschaltet“ und auf dem Schreibtisch, an dem sie sitzt, zusammenbricht. Aber das ist noch nicht alles. In den folgenden Momenten sehen wir nämlich Fische, die zum Fangen von Angeln benutzt werden, Gabeln, die gegessen werden, zwei Personen, die eine Hängematte halten, auf der ein Ast liegt, eine Hand mit vielen Stiften statt Fingern, die vergeblich versucht, etwas auf ein Tablet zu zeichnen, und eine Brille mit Augen statt Gläsern.

The other Way around ist all dies und noch viel mehr. Und während er sich als spielerischer und unterhaltsamer Kurzfilm präsentiert, entpuppt er sich als weitaus ernster und komplexer, als es zunächst scheint. Ja, denn Anna Vasof will in ihrem höchst experimentellen und visuell fesselnden Werk in erster Linie auf völlig innovative Weise über die Welt sprechen, in der wir leben, über das, was unsere Gesellschaft geworden ist oder wird, und uns gleichzeitig neue Perspektiven, neue Betrachtungsweisen unseres eigenen Alltags bieten und uns so dazu anregen, gegen ein System zu rebellieren, das versucht, unser Leben auf eine immer übermächtigere Weise zu verwalten.

Das ist also der rote Faden, der die Filme von Anna Vasof verbindet. Es handelt sich um ein hochpolitisches, äußerst aktuelles und mutiges Kino, das den Zuschauer kritisch und aktiv werden lassen will. Und ist dies nicht vielleicht eine der Hauptaufgaben unseres geliebten Films? Anna Vasof scheint dies gut verstanden zu haben. Ihr kleiner und wertvoller The other Way around setzt einen Diskurs fort, der vor einiger Zeit begonnen hat, und offenbart dabei eine starke, sehr starke Persönlichkeit.

Titel: The other Way around
Regie: Anna Vasof
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 7’
Genre: Animationsfilm, Experimentalfilm
Cast: Anna Vasof
Buch: Anna Vasof
Kamera: Anna Vasof
Produktion: Anna Vasof

Info: Die Seite von The other Way around auf der Webseite vom Vienna Shorts; Die Seite von The other Way around auf der Webseite der sixpackfilm