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ICH HAB DICH TANZEN SEHN

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von Sarah Pech

Note: 8

In Ich hab dich tanzen sehn spielt das Beobachten eine zentrale Rolle. Und so identifizieren wir Zuschauer uns sofort mit der jungen Margarita, die sich in der Dunkelheit der Nacht genauso wohlfühlt wie wir in der Dunkelheit eines Kinos. Auf dem Vienna Shorts 2024.

Nach dem Sonnenuntergang

Die Nacht birgt bekanntlich viele Geheimnisse in sich. Ebenso ist die Nacht selbst oft mit einer starken Symbolik durchdrungen. Erst in der Nacht, wenn man seine täglichen Aktivitäten beendet hat, kann man sich endlich entspannen, kann man sich endlich frei fühlen. Und vielleicht gibt es in der Zwischenzeit diejenigen, die noch einige Aufgaben zu erledigen haben, bevor sie sich ausruhen können. In der Dunkelheit der Nacht können die Lichter in den Häusern viele kleine Details aus dem Leben der Menschen enthüllen. Die 14-jährige Margarita (gespielt von Alice Ona Crepaz-Fuentes), die Protagonistin des Kurzfilms Ich hab dich tanzen sehn, der unter der Regie von Sarah Pech im Rahmen des Programms vom Vienna Shorts 2024, Sektion ÖW – „Österreich Wettbewerb“, präsentiert wird, weiß etwas davon.

Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende zu. Während die Straßenlaternen langsam angehen, informiert eine Stimme über einen Lautsprecher die Leute, dass das Schwimmbad bald geschlossen wird. Ein Gewitter ist im Anmarsch, doch schon bald klart das Wetter wieder auf. Die junge Margarita schlendert durch die engen Gassen eines kleinen Dorfes in Tirol. Das Mädchen genießt es, das Leben der Bewohner:innen zu beobachten, indem sie einfach durch die offenen Fenster späht.

In Ich hab dich tanzen sehn stehen die beleuchteten Fenster in starkem Kontrast zur Dunkelheit der Straßen und erinnern, mal aus der Ferne, mal im Detail betrachtet, fast an viele kleine Kinoleinwände, die uns immer wieder neue Geschichten aus dem normalen Alltag zeigen. Margarita verbringt den Abend allein, obwohl viele ihrer Freund:innen eine kleine Party im Freien organisiert haben. Doch die junge Frau scheint sich in dieser ungewöhnlichen Einsamkeit wohl zu fühlen. Die Geräusche der nächtlichen Landschaft begleiten sie auf dieser einzigartigen Reise. Nur kurz besucht einer ihrer Freunde sie, während sie mit dem Holzhacken beschäftigt ist. Was, wenn dieses ziellose Umherschweifen in Wirklichkeit die Erwartung von etwas Wichtigem ist?

Sarah Pech ihrerseits hat uns mit diesem wertvollen kleinen Ich hab dich tanzen sehn ein ästhetisch feines Werk geschenkt, das in seiner scheinbaren Einfachheit äußerst komplex ist. Bilder von großer visueller Wirkung schaffen einen starken Kontrast zwischen den Lichtern der Häuser und der Dunkelheit der Nacht, so dass man sofort an die Gemälde von Edward Hopper denkt. Der Akt des Beobachtens spielt dabei die perfekte Nebenrolle. Und so identifizieren wir Zuschauer:innen uns sofort mit der jungen Margarita, die sich in der Dunkelheit der Nacht genauso wohlfühlt wie wir in der Dunkelheit eines Kinos.

Eine Frau spricht am Telefon. Ein paar Stimmen plaudern. Und während sich eine Gruppe Jugendlicher beim Tanzen auf der Straße vergnügt, ist eine alte Frau damit beschäftigt, einen Tisch abzuräumen, während ein Mann gerade dabei ist, ein weiteres Bier zu trinken. So viele Bilder für so viele Geschichten, über die wir nicht viel wissen, über die wir aber frei phantasieren können und dabei viele neue erfinden. So wie es die junge Margarita tut. In Ich hab dich tanzen sehn finden Film und Film im Film eine schöne Harmonie. Und Sarah Pech hat eine gelungene Lösung gefunden, um diese Harmonie unglaublich lebendig und pulsierend zu machen.

Titel: Ich hab dich tanzen sehn
Regie: Sarah Pech
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2024
Laufzeit: 19’
Genre: Coming-of-age
Cast: Alice Ona Crepaz-Fuentes, Paul Metzler
Buch: Sarah Pech
Kamera: Eva Kirsch, Paul Stümke
Produktion: Sarah Pech

Info: Die Seite von Ich hab dich tanzen sehn auf der Webseite vom Vienna Shorts; Die Seite von Ich hab dich tanzen sehn auf der Webseite der Diagonale