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TRANSIT

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von Sebastian Freudenschuss

Note: 7

Transit von Sebastian Freudenschuss will uns in erster Linie dazu auffordern, aktiv zu werden und nicht zuzulassen, dass Kommerz und Kapitalismus unser Leben und unseren Alltag vollständig übernehmen. Auf dem Vienna Shorts 2024.

Zurück zu den Wurzeln

In der Welt, in der wir leben, ist der Kapitalismus leider immer stärker präsent. Aber ist es möglich, diesen Kapitalismus zu umgehen, während man in einem Umfeld lebt und arbeitet, in dem der Kapitalismus selbst an der Tagesordnung ist? Kann man überhaupt etwas Nichtkommerzielles schaffen, während man ständig mit allem Kommerziellen arbeitet? Diese komplexe Frage stellt sich der Protagonist des animierten Kurzfilms Transit, der von Sebastian Freudenschuss inszeniert wurde und im Rahmen vom Vienna Shorts 2024 in der Sektion AA – „Animation Avantgarde“ präsentiert wird.

Es ist Nacht. Ein junger Mann im Schlafanzug stürzt durch eine offene Tür, aus der ein Lichtstrahl austritt und die ebenfalls in der Leere schwebt, in die Unendlichkeit des Weltraums. Das Gesicht des Mannes wird uns in Großaufnahme gezeigt, dann teilt es sich auf magische Weise in zwei Hälften und enthüllt eine ziemlich kahle Umgebung. Was könnte das sein? Ein Büro? Ein Labor? Der Mann betritt diesen Raum, in dem mehrere Computer und verschiedene Gegenstände auf dem Boden liegen. Viele Türen öffnen sich und führen uns immer wieder in neue Räume. Alles scheint ungewiss, aleatorisch. Der Protagonist ist der einzige anwesende Mensch. Was ist aus all den anderen geworden? Und vor allem: Wie kann man sich aus dieser grauen, kalten Welt „befreien“, um endlich wieder mit sich selbst und dem, was wir ursprünglich waren, in Kontakt zu kommen?

In Transit vermittelt uns eine konstante Off-Stimme die Gedanken des Protagonisten. Gleichzeitig erinnern die farbenfrohen, zweidimensionalen Bilder mit fast schon Retro-Charakter an die von uns so geliebten Zeichentrickserien der 1980er Jahre. Ein visionärer und zugleich minimalistischer Regieansatz erwies sich als erfolgreiche Lösung, um eine Geschichte mit einer starken Traumkomponente zu inszenieren, die sich in ihrer stark abstrahierten Form bald als viel realistischer erweist, als es zunächst scheinen mag. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kommen in diesem bemerkenswerten kleinen Kurzfilm von Sebastian Freudenschuss zusammen und vermitteln eine sehr präzise Botschaft.

Transit will uns also in erster Linie dazu auffordern, aktiv zu werden und nicht zuzulassen, dass Kommerz und Kapitalismus unser Leben und unseren Alltag vollständig übernehmen. Die Lichter und Farben sind in der Dunkelheit des Raumes fast blendend und wollen uns irgendwie aus der Erstarrung „aufwecken“, in der wir schon so lange, zu lange leben. Und so entpuppt sich dieser interessante Kurzfilm von Sebastian Freudenschuss sehr bald als ein hochpolitischer und aktueller Film, der uns dazu auffordert, kritisch und aktiv gegenüber der Welt, in der wir leben, zu sein. Und ist dies nicht vielleicht eine der vielen Aufgaben unseres geliebten Films? Der Regisseur ist sich dessen sehr wohl bewusst, und indem er es uns vermittelt, zeigt er sich konkret und originell zugleich, wobei er ein Talent beweist, das uns in Zukunft sicher noch viele schöne Überraschungen bescheren wird.

Titel: Transit
Regie: Sebastian Freudenschuss
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 4’
Genre: Animationsfilm
Buch: Sebastian Freudenschuss
Kamera: Sebastian Freudenschuss
Produktion: Sebastian Freudenschuss

Info: Die Seite von Transit auf der Webseite vom Vienna Shorts