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SYNTAGMA

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von VALIE EXPORT

Note: 8

In Syntagma von VALIE EXPORT ist der Körper der Frau und seine Beziehung zur Realität, die ihn umgibt, der Hauptdarsteller. Der Körper, der sich immer wieder an verschiedene Kontexte, an verschiedene Formen anpasst. Der Körper, der nur dank des Kinos die Möglichkeit hat, sich zu „befreien“, viele neue und unerwartete Deklinationen zu finden, ein neues Selbst zu entdecken.

Doppelgänger

Film und seine zahllosen Möglichkeiten. Der menschliche (und insbesondere der weibliche) Körper in der Gesellschaft, in der wir leben. Und wieder ein starker, sehr starker Feminismus und die Ablehnung jeglicher Form von Kapitalismus. Das sind die Themen, die die Linzer Künstlerin und Filmemacherin VALIE EXPORT in ihren Arbeiten immer wieder aufgreift. Das gilt auch für den experimentellen Kurzfilm Syntagma aus dem Jahr 1984, der für ihr gesamtes künstlerisches Werk besonders emblematisch ist.

In Syntagma finden wir alle Themen, die der Regisseurin am Herzen liegen, und natürlich die ständige Suche nach neuen Filmsprachen und neuen Wegen zum Verständnis der siebten Kunst selbst. Das Konzept des Expanded Cinema, das sie zusammen mit der Entstehung der gleichnamigen Bewegung entwickelt hat, findet hier seine Erfüllung ausschließlich auf der Kinoleinwand (im Gegensatz zu anderen Situationen, in denen man auch von echten künstlerischen Performances sprechen könnte). Und trotz der Tatsache, dass all dies in einem „begrenzten“ Raum stattfindet, erscheint das Endergebnis komplexer und vielschichtiger denn je. Aber sehen wir uns doch einmal an, worum es konkret geht.

In Syntagma werden uns also Momente des normalen Alltags einer Frau (gespielt von Irmilin Hofer) gezeigt. Die Protagonistin ist in ihrem Haus, geht die Straße entlang, steigt die Treppe hinunter. Gleichzeitig wird ihr Bild ständig auf anderen Oberflächen reproduziert, es erscheint uns auf einem Spiegel, es wird auf eine weiße Wand projiziert, es wird uns durch ein Foto gezeigt, das sie in der gleichen Position zeigt, in der sie sich befindet. Diese geheimnisvolle Figur begegnet also ständig sich selbst, ihrem Doppelgänger.

Die zahlreichen Möglichkeiten des Kinos spielen hier eine ausgesprochen zentrale Rolle. Durch den häufigen Einsatz von Splitscreens sehen wir, wie sich die Realität plötzlich in zwei Teile aufspaltet. Auf einem kleinen Fernsehgerät liegt ein weißes Tuch, auf das das Bild der Protagonistin projiziert wird. Doch in Syntagma spielt nicht nur das Kino, sondern die Kunst in all ihren Formen eine zentrale Rolle. Die Fotografie beispielsweise bietet uns, wie bereits erwähnt, feine optische Täuschungen durch sich überlagernde Körper, der eine in Farbe, der andere in Schwarz-Weiß. Und wenn wir die Protagonistin neben ihrem eigenen schwarz-weiß gedruckten Bild in einer unnatürlichen Pose auf der Treppe eines Gebäudes sehen, kommt auch die Architektur ins Spiel.

Und so kommen wir auf den anfänglichen Diskurs zurück, in dem sich VALIE EXPORT vor allem für eine kontinuierliche und tiefgreifende Überlegung über den menschlichen Körper interessiert. In Syntagma ist der Hauptdarsteller gerade der Körper der Frau, der oft nackt gezeigt wird, immer zusammen mit Fotografien, die ihn darstellen, und seiner Beziehung zu der ihn umgebenden Realität. Der Körper, der sich immer wieder an verschiedene Kontexte, an verschiedene Formen anpasst. Der Körper, der nur dank des Kinos die Möglichkeit hat, sich zu „befreien“, viele neue und unerwartete Deklinationen zu finden, ein neues Selbst zu entdecken.

Titel: Syntagma
Regie: VALIE EXPORT
Land/Jahr: Österreich / 1984
Laufzeit: 20’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Irmilin Hofer
Buch: VALIE EXPORT
Kamera: Fritz Köberl
Produktion: VALIE EXPORT

Info: Die Seite von Syntagma auf iMDb; Die Seite von Syntagma auf der Webseite der sixpackfilm