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IM HAUS DER ALTEN AUGUSTIN

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von Gerald Pribek

Note: 8

Was uns bei Im Haus der alten Augustin sofort auffällt, sind die außergewöhnlichen Atmosphären, die typisch für das Kino der 1980er Jahre sind, von dem wir oft noch eine starke Nostalgie verspüren. Auf der Diagonale 2024.

Eine beunruhigende Vergangenheit

Im Rahmen des vielfältigen Programms der Diagonale 2024 sticht vor allem ein Spielfilm hervor, der sich stark an das, was in der Vergangenheit geschaffen wurde, orientiert, aber auch eine eigene Identität findet. Die Rede ist von Im Haus der alten Augustin, dem Erstlingswerk des Regisseurs und Schauspielers Gerald Pribek, das in dieser Ausgabe der Diagonale sogar eine besondere Erwähnung der Jury erhielt.

Im Haus der alten Augustin ist also ein faszinierender psychologischer Horrorfilm, der im Jahr 1986 in Österreich spielt. Der junge Künstler Albin (gespielt von Gerald Pribek selbst) ist in Ida (Lisa-Carolin Nemec) verliebt, kann sich aber nicht mit ihrem Vater, dem strengen Dr. Hampapa (Clemens Aap Lindenberg), vertragen, der seine Tochter gerne mit einem Jungen mit konkreteren Zukunftsaussichten zusammen hätte. Ida verlässt Albin nach mehreren Streitereien, doch als die beiden eines Abends wieder zueinander zu finden scheinen, treffen sie in der Nähe eines Nachtclubs zufällig auf einen bizarren Naturalisten, der das Mädchen schon seit langem zu kennen scheint. Als er jedoch auf mysteriöse Weise Selbstmord begeht, werden die Dinge plötzlich kompliziert und neue erschreckende Wahrheiten kommen ans Licht.

Was uns an Im Haus der alten Augustin sofort auffällt, sind die außergewöhnlichen Atmosphären, die typisch für das Kino der 1980er Jahre sind, an das wir uns oft noch mit großer Sehnsucht erinnern. Gerald Pribek seinerseits hat es verstanden, an das anzuknüpfen, was in der Vergangenheit von großen Meistern der Filmgeschichte wie, um nur einige Beispiele zu nennen, John Carpenter und David Lynch geschaffen wurde, und macht diesen ersten Spielfilm zu einem Werk, das uns von Anfang an an die Hand nimmt in eine Welt, die in der Tat verstörend und höchst beunruhigend ist, aber auch eine magnetische Anziehungskraft hat.

Die beiden jungen Protagonist:innen küssen sich im Saal eines kleinen Kinos. Der Film ist gerade zu Ende und es ist Zeit, nach Hause zu fahren. Ida muss bald zurückkehren, sonst wird ihr Vater wütend sein. In Im Haus der alten Augustin erleben wir unmittelbar alte Gefühle wieder, die uns nur die großen Kultfilme der Vergangenheit vermitteln konnten, doch gleichzeitig wird der Spielfilm, indem er uns brutale Todesfälle und eine verstörende Vergangenheit zeigt, langsam entschieden aktuell, indem er sich mit Themen befasst, die gestern wie heute reale Schatten innerhalb der Gesellschaft darstellen, in der wir leben.

Nach einer bereits zufriedenstellenden Karriere als Schauspieler hat Gerald Pribek also gezeigt, dass er auch hinter der Kamera gut zurechtkommt. Wir hatten dies bereits in dem Kurzfilm Am Erdbeerstand (2020) bemerkt, und mit diesem interessanten Im Haus der alten Augustin hat sich der Regisseur durch lebendige und pulsierende Bilder, in denen die Schatten oft die Oberhand über das Licht und die Farben der Kunstwerke gewinnen, offiziell als einer der Namen in der österreichischen Filmszene erwiesen, die man in Betracht ziehen sollte. Mal sehen, welche schönen Überraschungen er uns in Zukunft noch bescheren wird!

Titel: Im Haus der alten Augustin
Regie: Gerald Pribek
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 108’
Genre: Horrorfilm, Thriller
Cast: Lisa-Carolin Nemec, Gerald Pribek, Birgit Linauer, Clemens Aap Lindenberg, Thomas Erlmoser, Christina Dungl, Günter Tolar, Tobias Ofenbauer, Sir Tralala
Buch: Gerald Pribek
Kamera: Dmytro Yamkovyi
Produktion: Gerald Pribek

Info: Die Seite von Im Haus der alten Augustin auf der Webseite der Diagonale