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CORPUS HOMINI

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von Anatol Bogendorfer

Note: 7

In Corpus Homini wird uns alles auf die möglichst natürliche Weise gezeigt. Jede Phase des menschlichen Lebens bringt unweigerlich bestimmte Bedürfnisse und Situationen mit sich. Und so wird schließlich auch jedes Tabu endgültig aufgegeben. Auf der Diagonale 2024.

Alle Lebensphasen

Viele werden sich an den Dokumentarfilm De Humani Corporis Fabrica von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel aus dem Jahr 2022 erinnern, in dem der menschliche Körper selbst durch die direkte Beobachtung von Operationen, Autopsien und Besuchen in verschiedenen Pariser Krankenhäusern genau analysiert wurde. Tatsächlich hat der menschliche Körper mit seinen unzähligen Facetten schon immer nicht nur diejenigen fasziniert, die sich beruflich um ihn „kümmern“ müssen. Im Falle des Dokumentarfilms Corpus Homini von Anatol Bogendorfer, der auf der Diagonale 2024 uraufgeführt wurde, sehen wir zum Beispiel, im Gegensatz zu dem Film von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel, wie der menschliche Körper in den Vordergrund gestellt wird, wobei vier grundlegende Aspekte, die jeden Menschen betreffen, konkret betrachtet werden: Die Geburt, das tägliche Leben mit all seinen natürlichen Problemen, die Sexualität und der Tod.

Die lange Reise von Corpus Homini führt also durch nicht weniger als vier Gebiete Österreichs. Im Salzkammergut begleitet die Hebamme Elisabeth zahlreiche Frauen vor und während der Geburt und sorgt dafür, dass sie sich bei dieser wichtigen Herausforderung stets wohl fühlen. Verena hingegen lebt in Vorarlberg, wo sie als Hausärztin arbeitet. Jeden Tag trifft sie Dutzende von Patientinnen und Patienten und versucht, sich deren Probleme anzuhören und sie auch psychologisch zu helfen. Julia lebt in Wien und kümmert sich nach einer Ausbildung vor allem um die sexuellen Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen, wobei sie ihre Tätigkeit auf ihren Social Media-Kanälen als etwas ganz Natürliches präsentiert. Harald und Kateryna schließlich betreiben ein Beerdigungsunternehmen in Niederösterreich und sind es gewohnt, mit Sorgfalt und Einfühlungsvermögen jenen zu helfen, die sich eine teure Beerdigung nicht leisten können.

So beobachtet Anatol Bogendorfers Kamera in Corpus Homini jeden seiner Protagonist:innen mit Zuneigung und Ehrfurcht, zeigt uns oft Nahaufnahmen und Details, ohne jemals aufdringlich oder exzessiv zu sein. Ein einfacher und direkter Regieansatz zeigt uns intime Gespräche zwischen Ärztinnen und Patient:innen, die junge Julia, die sich auf einen Videodreh vorbereitet, während sie vor der Kamera noch zu nervös ist, aber auch Leichen, die vor einer Beerdigung gewaschen und gekleidet werden.

In Corpus Homini wird uns alles auf die möglichst natürliche Weise gezeigt. Jede Phase des menschlichen Lebens bringt unweigerlich bestimmte Bedürfnisse und Situationen mit sich. Und so wird schließlich auch jedes Tabu endgültig aufgegeben. Insgesamt ist dieser wichtige Dokumentarfilm von Anatol Bogendorfer also in jeder Hinsicht eine wahre Hymne an das Leben. Ein reichhaltiges und farbenfrohes Fresko aller Phasen unseres Daseins.

Titel: Corpus Homini
Regie: Anatol Bogendorfer
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 95’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Anatol Bogendorfer
Kamera: Christian Dietl
Produktion: BOXA FILM

Info: Die Seite von Corpus Homini auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Corpus Homini auf der Webseite der BOXA FILM