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HACKING AT LEAVES

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von Johannes Grenzfurthner

Note: 7.5

Hacking at Leaves ist ein wahres visuelles und auditives Erlebnis, das sich durch eine Inszenierung, in der paradoxe und oft höchst urkomische Momente im Mittelpunkt stehen, als viel komplexer und vielschichtiger erweist, als es auf den ersten Blick scheint. Auf der Diagonale 2024.

Vergangenheit und Gegenwart

Die Geschichte der Vereinigten Staaten erzählt, wie es keiner von uns erwartet. Und in der Tat wissen wir in dem Moment, in dem wir uns einen Film von Johannes Grenzfurthner ansehen, nicht wirklich, was uns erwartet. Ja, denn der vielseitige und mutige österreichische Regisseur hat sich nie gescheut, mit allen Möglichkeiten der siebten Kunst zu spielen oder mit neuen Filmsprachen zu experimentieren, um Geschichten zu inszenieren, die zwar bizarr, aber auch hochaktuell sind. Das gilt auch für Hacking at Leaves, sein jüngstes Werk, das im Rahmen des Programms der Diagonale 2024 uraufgeführt wurde.

Wie bereits erwähnt, wird uns also in Hacking at Leaves die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika aus einer ganz besonderen Perspektive präsentiert. Johannes Grenzfurthner selbst – gekleidet in einen gelben Anzug – verbindet sich über einen Monitor mit einem mysteriösen „Uncle Sam“. In einer ausgesprochen unkonventionellen Inszenierung wird die Geschichte auf der Kinoleinwand zum Leben erweckt. Ein gekonnter Schnitt verleiht dem Ganzen ein hektisches Tempo. Interviews, Dokumente, aktuelles Filmmaterial und alte Fotos nehmen uns mit auf eine Reise, die in der Zeit des amerikanischen Kolonialismus beginnt und bis in die Gegenwart und sogar zur jüngsten Pandemie führt.

Der Kolonialismus. Die berühmte Macht – und Arroganz – des amerikanischen Volkes. Die Lebensbedingungen der amerikanischen Ureinwohner. Mit einer solchen Vergangenheit ist es nicht verwunderlich, dass in jüngster Zeit jemand wie Donald Trump Präsident geworden ist. Und so wird in Hacking at Leaves die amerikanische Geschichte sofort zur Universalgeschichte. Und auch wir fühlen uns auf die eine oder andere Weise sofort involviert, fast (indirekt) verantwortlich, mit unserem oft allzu ’naiven‘ Verhalten.

Hacking at Leaves ist also, wie jedes andere Werk von Johannes Grenzfurthner, in jeder Hinsicht der Film, den man nicht erwartet. Ein wahres Seh- und Hörerlebnis, das sich durch eine Inszenierung, in der oft paradoxe und oft höchst komische Momente im Mittelpunkt stehen, als viel komplexer und vielschichtiger erweist, als es auf den ersten Blick scheint. So wie bei den Spielfilmen Masking Threshold (2021) und Razzennest (2022), um nur einige Beispiele zu nennen. Johannes Grenzfurthner weiß genau, was er dem Zuschauer vermitteln will, und er tut dies, indem er die Möglichkeiten des Kinos selbst voll ausschöpft und seinen Filmen jedes Mal eine andere und einzigartige Form gibt. Fiktion und Dokumentation schaffen so in diesem einzigartigen und wertvollen Hacking at Leaves eine magnetische Harmonie.

Titel: Hacking at Leaves
Regie: Johannes Grenzfurthner
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 108’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Johannes Grenzfurthner
Kamera: Florian Hofer, Daniel Hyde, Günther Friesinger
Produktion: monochrom OG

Info: Die Seite von Hacking at Leaves auf iMDb; Die Seite von Hacking at Leaves auf der Webseite der Diagonale