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24 STUNDEN

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von Harald Friedl

Note: 7

Obwohl 24 Stunden uns eine nicht immer idyllische Realität zeigt und gleichzeitig ein System kritisiert, in dem der Mensch nicht immer als solcher betrachtet wird, hat er sich oft als äußerst poetisch und empfindlich erwiesen. Auf der Diagonale 2024.

Sadinas Routine

In Österreich kümmern sich täglich rund 60.000 rumänische Pfleger:innen um ältere oder kranke Menschen. Gleichzeitig scheint die österreichische Pflegereform die Arbeitsbedingungen dieser Menschen zu vernachlässigen. Und diese Arbeitsbedingungen erlauben es ihnen oft nicht, ein eigenes Leben zu führen oder sich um ihre Angehörigen zu kümmern. Eine dieser Pflegerinnen ist Sadina, die aus der rumänischen Stadt Vulcan stammt und jede Woche nach Bad Vöslau in Österreich fährt, um sich um die ältere, an Demenz leidende Elisabeth zu kümmern. Ihre außergewöhnliche Geschichte erzählt der Regisseur Harald Friedl in seinem Dokumentarfilm 24 Stunden, der auf der Diagonale 2024 Premiere hatte.

Der Tag ist fast zu Ende. Sadina war gerade bei ihren Eltern zu Besuch. Ihre Mutter weint bei dem Gedanken, dass sie wieder abreisen muss. Sadina tröstet sie, bittet sie, nicht zu weinen, sonst falle ihr die Abreise noch schwerer. Die Nacht vergeht viel zu schnell in ihrer kleinen Wohnung, und im Morgengrauen muss die Frau bereits den Bus nehmen, der sie gemeinsam mit ihren Kolleg:innen nach Bad Vöslau bringen wird. Bad Vöslau ist ein kleiner Kurort, der bei Tourist:innen sehr beliebt ist, doch Sadina hat es noch nie geschafft, ihn zu besichtigen, obwohl sie schon seit langem dort arbeitet. Elisabeth ist sehr pflegebedürftig und manchmal ist es schwierig, Zeit zu finden, um eine Zigarette zu rauchen.

In 24 Stunden zeigt uns Harald Friedl daher ihren Alltag durch eine einfache und direkte Inszenierungsweise, ohne jemals in die uns gezeigte Realität „einzugreifen“. Am Morgen läuft alles nach einem genauen Ritual ab. Elisabeth zögert immer, wenn sie gewaschen werden muss. Es ist nicht immer leicht, sich in sie hineinzuversetzen, da sie aufgrund ihrer Demenz oft mürrisch ist. Doch in 24 Stunden mangelt es nicht an Momenten der Heiterkeit und Zärtlichkeit. Die Kamera des Regisseurs zeigt uns die komplexe Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen und bietet uns oft wertvolle Nahaufnahmen und Details von Händen, die sich berühren.

Ja, denn dieser kleine, wertvolle 24 Stunden zeigt uns einerseits eine Realität, die nicht immer idyllisch ist, und kritisiert ein System, in dem der Mensch nicht immer als solcher betrachtet wird, andererseits ist er aber auch oft sehr poetisch und empfindlich. Die ältere Elisabeth ist trotz ihres schwierigen Charakters zweifelsohne liebenswert. Sadina hingegen ist eine geduldige Frau, die nie die Hoffnung aufgegeben hat, eines Tages ihren Traum vom Fallschirmspringen zu verwirklichen. Genau wie in den Videos, die sie sich nachts in ihrem Zimmer anschaut, während Elisabeth schläft. Ihre Routine scheint nie zu enden. Sadina arbeitet rund um die Uhr. Wird der Tag kommen, an dem ein Gesetz ihr endlich bessere Arbeitsbedingungen verschafft? Das können wir heute nicht wissen. Das Wichtigste ist jedoch, nie die Hoffnung aufzugeben, eines Tages frei und glücklich fliegen zu können.

Titel: 24 Stunden
Regie: Harald Friedl
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 100’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Harald Friedl
Kamera: Helmut Wimmer
Produktion: Mischief Films

Info: Die Seite von 24 Stunden auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von 24 Stunden auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von 24 Stunden auf der Webseite der Mischief Films