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BOSNISCHER TOPF

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von Pavo Marinković

Note: 7

Bosnischer Topf ist ein unterhaltsamer, witziger und äußerst aktueller Spielfilm. Die Geschichte eines Mannes, eines würdigen Künstlers, die auch die Geschichte tausender anderer sein könnte, die wie er vor vielen, vielen Jahren gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Auf der Diagonale 2024.

Theater wird uns retten

Wie wir alle wissen, ist es nicht einfach, im Kunstbereich zu arbeiten. Doch während eine solche Karriere an sich schon problematisch sein kann, könnten die Dinge noch komplizierter werden, wenn man dringend eine Arbeit finden muss, um seine Aufenthaltsgenehmigung in einem fremden Land behalten zu können. Faruk (gespielt von einem exzellenten Senad Bašic), der Protagonist des Spielfilms Bosnischer Topf, den Pavo Marinković 2022 inszenierte und der im Rahmen des Programms der Diagonale 2024 präsentiert wurde, weiß etwas darüber.

Bosnischer Topf ist eine österreichisch-ungarische Koproduktion und erzählt die (manchmal bizarre) Geschichte von Faruk, einem ehemaligen Schriftsteller und Professor aus Sarajevo, der seit dem Jugoslawienkrieg in Graz lebt. Hier arbeitet er gelegentlich als Radiomoderator, doch aufgrund diverser Missverständnisse mit seinem Chef (Aleksandar Petrović) verliert er seinen Job. Als wäre das alles noch nicht genug, riskiert der Mann, nachdem er einen verspäteten Antrag auf Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung gestellt hat, aus Österreich abgeschoben zu werden. Um bleiben zu dürfen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dringend einen Job zu finden. Die Möglichkeit, eines seiner Jugendstücke in einem kleinen lokalen Theater auf die Bühne zu bringen, könnte daher eine gute Gelegenheit für ihn sein.

In Bosnischer Topf konzentriert sich also alles auf den magnetischen Protagonisten. Faruk ist ein mürrischer, introvertierter und sogar etwas misanthropischer Mann. Wenn er nicht arbeitet, verbringt er seine Tage meist in seiner kleinen Dachwohnung, nur ab und zu geht er hinaus, um eine Flasche Schnaps zu kaufen oder eine Nachbarin zu treffen, mit der er seit einiger Zeit eine Affäre hat. Es ist nicht leicht für ihn, „Kontakt zur Außenwelt“ aufzunehmen, mit einer neuen Theatertruppe zu interagieren und sogar seine eigenen Ideen zu verfolgen. Wird es ihm gelingen, in der Stadt zu bleiben, die seit so vielen Jahren sein Zuhause ist?

Bosnischer Topf zeigt zweifellos witzige und oft auch paradoxe Situationen. Gleichzeitig zieht sich aber auch eine gewisse Melancholie wie ein roter Faden durch den gesamten Spielfilm. Durch die Abenteuer und Missgeschicke des Protagonisten wird eine intelligente und niemals banale Kritik an der österreichischen Bürokratie und bestimmten Gesetzen geübt, die den Menschen als solchen nicht mehr zu berücksichtigen scheinen. Diese klaustrophobische Situation, aus der man manchmal nicht zu entkommen scheint, kontrastiert jedoch oft mit dem ruhigen Alltag in der Stadt Graz (besonders kontemplativ sind die Momente, in denen der Protagonist auf dem Heimweg mit der Straßenbahn aus dem Fenster schaut) und mit dem unbestrittenen Charme eines kleinen Theaters, in dem man bizarre Typen antrifft, in dem aber auch Ideen oft zu notwendigen Ausdrucksformen von Schönheit führen können.

Dank eines guten Drehbuchs und eines insgesamt geradlinigen Regieansatzes ohne jegliche Virtuosität erwies sich Bosnischer Topf als ein angenehmer, witziger und äußerst aktueller Spielfilm. Die Geschichte eines Mannes, eines würdigen Künstlers, die auch die Geschichte Tausender anderer sein könnte, die wie er vor vielen, vielen Jahren gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen.

Titel: Bosnischer Topf
Regie: Pavo Marinković
Land/Jahr: Österreich, Ungarn / 2023
Laufzeit: 104’
Genere: Filmkomödie, Drama
Cast: Senad Bašić, Andreas Kiendl, Birgit Stöger, Bruna Bebić, Admir Glamočak, Zlatko Burić, Julia Franz Richter, Igor Kovač, Aleksandar Petrović, Goran Grgić, Wolfram Berger, Stjepan Peric
Buch: Pavo Marinković
Kamera: Peter Roehsler
Produktion: Telefilm Zagreb, Nanook Film

Info: Die Seite von Bosnischer Topf auf iMDb; Die Seite von Bosnischer Topf auf der Webseite der Diagonale