when-i-went-to-visit-the-boys-2024-besuch-im-burgenland-schlosser-recensione-review-kritik

BESUCH IM BUBENLAND

      Kommentare deaktiviert für BESUCH IM BUBENLAND

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Katrin Schlösser

Note: 7

Mit einem einfachen und wesentlichen Regieansatz zeigt uns Besuch im Bubenland eine kleine ländliche Realität und bietet uns so eine kurze und spannende Reise in eine zeitlose Welt. Auf der Diagonale 2024.

Es war einmal im Burgenland…

Wie verändert sich das Leben in einer Welt, in der Globalisierung und Technologie heute an der Tagesordnung sind? Heutzutage scheint es nur noch wenige Menschen zu geben, die sich kategorisch weigern, sich an neue Rhythmen und neue Lebensweisen anzupassen. Davon weiß die Filmemacherin Katrin Schlösser etwas: In ihrem Dokumentarfilm Besuch im Bubenland, der auf der Diagonale 2024 seine Weltpremiere feierte, zeigt sie uns einen kleinen Ort im Herzen Burgenlands, an dem die Zeit (definitiv?) stehen geblieben zu sein scheint.

Um Besuch im Bubenland zu drehen, reiste die Filmemacherin daher in den kleinen Bezirk Jennersdorf, wo einige Menschen beschlossen haben, zu bleiben, und viele von ihnen sich noch immer ausschließlich der Landbewirtschaftung oder der Viehzucht widmen. Es sind die im Titel des Dokumentarfilms erwähnten „Buben“, oft einsame und introvertierte Männer, die manchmal stolz auf ihr Leben sind und niemals woanders hinziehen könnten. Schon gar nicht in eine Großstadt.

Die Kamera von Katrin Schlösser lässt jeden von ihnen einfach seine Geschichte erzählen. Jemand fühlt sich nicht fotogen genug, um vor die Kamera zu treten. Jemand anderes zeigt lustlos seine Routine. Was dabei herauskommt, ist ein manchmal verblasstes Fresko einer Welt, die unweigerlich dazu bestimmt zu sein scheint, für immer zu verschwinden. Doch auch wenn sich eine ständige Melancholie wie ein roter Faden durch den Dokumentarfilm zieht, fehlt es in Besuch im Bubenland nicht an heiteren Momenten und manchmal sogar an urkomischen Situationen. Wie zum Beispiel, wenn ein junger Mann, der es gewohnt ist, nur für das Wochenende in sein Dorf zurückzukehren, erzählt, wie monoton sein Leben in der Stadt mit seiner Freundin ist, oder wenn einer der Protagonisten vor der Kamera über seine eigene Männlichkeit spricht.

Und gerade der Begriff der Männlichkeit wird in Besuch im Bubenland häufig erwähnt. Der aufmerksame und witzige Blick einer Frau – Katrin Schlösser – beobachtet amüsiert, aber auch äußerst respektvoll ihre Protagonisten, die ihrerseits ständig das Bedürfnis zu verspüren scheinen, ihr Mannsein in einer kleinen Realität zu bestätigen, in der (scheinbar) nur sehr wenige Frauen leben.

Zugleich werden die tiefen inneren Wunden, die jede der interviewten Personen in sich trägt, deutlich. Viele von ihnen mussten aufgrund des Krieges ohne Eltern aufwachsen, manche haben sogar keinen Kontakt mehr zu ihren eigenen Kindern. Trotzdem scheint das Leben in dem kleinen Bezirk Jennersdorf noch ruhig zu verlaufen. Als ob diese wertvolle und prekäre Gelassenheit dazu bestimmt wäre, ewig zu dauern. Und vielleicht braucht es auch gar nichts anderes, um wirklich glücklich zu sein. Mit einem einfachen und wesentlichen Regieansatz zeigt uns Besuch im Bubenland all dies und schenkt uns so eine kurze und spannende Reise in eine kleine, zeitlose Welt.

Titel: Besuch im Bubenland
Regie: Katrin Schlösser
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 92’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Katrin Schlösser
Kamera: Katrin Schlösser
Produktion: KGP Filmproduktion

Info: Die Seite von Besuch im Bubenland auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Besuch im Bubenland auf der Webseite der sixpackfilm; Die Seite von Besuch im Bubenland auf der Webseite der KGP Filmproduktion