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ASCHE

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von Elena Wolff

Note: 7.5

Asche ist bunt, schillernd, überwältigend. Elena Wolff weiß genau, was sie uns mitteilen will, und sie tut es mit Szenen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Auf der Diagonale 2024.

Im lebendigen Linz…

Dass die junge und talentierte Kabarettistin, Schauspielerin und Regisseurin Elena Wolff wirklich viel zu sagen hat, ist uns schon seit einiger Zeit aufgefallen. Das hat sie uns auch auf der Kinoeinwand gezeigt, als sie auf der Diagonale 2022 Para:Dies, ihren ersten Spielfilm als Regisseurin, präsentierte. Deshalb hat Asche, der auf der Diagonale 2024 seine Weltpremiere feierte und dort den Preis für die beste Bildgestaltung in einem Spielfilm gewann, sofort die Neugierde von Publikum und Kritiker:innen geweckt. Und in der Tat wurden diese Erwartungen nicht enttäuscht.

Mit Asche hat Elena Wolff nicht nur ihre große Sensibilität bei der Erforschung der menschlichen Seele bewiesen, sondern auch einen besonderen Mut, hochaktuelle Themen auf völlig innovative Weise zu behandeln und den Bildern eine große visuelle Wirkung zu verleihen. Aber sehen wir uns an, worum es in diesem Film konkret geht.

Drei Paare, ein einsamer junger Mann, viele Geschichten im dynamischen Linz. SIE (gespielt von Elena Wolff selbst) ist ein faszinierendes Model und Künstlerin. Ihr Künstlername ist Lulu, aber niemand weiß, wie sie wirklich heißt. Nicht einmal ihr Freund Simeon (ein immer exzellenter Thomas Schubert), ein etablierter Fotograf und klassisches Alpha-Mann, der auf andere Menschen und schon gar nicht auf seine Partnerin keine Rücksicht zu nehmen scheint. Felix ist gleichzeitig in Anna verliebt, aber es ist, als ob sie sich leer fühlt und sich stark danach sehnt, neue Realitäten zu entdecken, ihr Leben zu verändern. Elisa und Emilia hingegen sind zwei Künstlerinnen, die eine glückliche und harmonische Beziehung zu haben scheinen. Doch schon bald stellen sie fest, dass ihre beiden Persönlichkeiten nicht mehr zusammenpassen. Jakob schließlich ist wahnsinnig in Lulu verliebt, aber bisher hat er sie nur aus der Ferne beobachtet. Wird er sie jemals persönlich kennenlernen?

Das Patriarchat. Toxische Beziehungen. Tiefe Einsamkeit in einer lebendigen, kosmopolitischen Stadt. Der Wunsch, starke Gefühle zu empfinden, um sich endlich lebendig zu fühlen. Eine starke Kritik an der Gesellschaft, aber auch an der zeitgenössischen Kulturszene. Ein verzweifelter Wunsch nach Rache. In den Nachtclubs sind die Lichter mal blendend hell, mal so schwach, dass man sich nicht mehr sehen kann. Die Musik ist konstant, die Kleidung sticht sofort ins Auge. Die Körper sind wunderschön in ihrer Vielfalt. Es gibt viel Kokain. Asche ist bunt, schillernd, überwältigend. Elena Wolff weiß genau, was sie uns vermitteln will, und sie tut es mit Szenen, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Nicht nur semantisch, sondern auch visuell ist Asche ein Film, der sich von Anfang an gegen Situationen richtet, die in unserer Gesellschaft schon viel, viel zu lange etabliert sind. Und er tut dies ohne Angst vor Übertreibung, mit Bildern, die manchmal gothic, stark pulp und gelegentlich sogar splatterartig sind. Wenn man nachts durch den Park geht, kann man leicht auf eine Leiche stoßen. Aber das kann sich auch als eine überraschend angenehme Begegnung erweisen. Mit Asche hat uns Elena Wolff also ein wahres visuelles Erlebnis beschert. Ihr Talent und ihre Vielseitigkeit scheinen uns noch viele weitere schöne Überraschungen in der Zukunft zu versprechen. Und natürlich freuen wir uns darauf, sie zu entdecken.

Titel: Asche
Regie: Elena Wolff
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 90’
Genre: Filmkomödie, Drama, Chorfilm
Cast: Elena Wolff, Thomas Schubert, Selina Graf, Naomi Bah, Celine Meral, Simon Kluth, Nils Svenja Thomas, Til Schindler
Buch: Elena Wolff
Kamera: Nora Einwaller
Produktion: Elli Leeb

Info: Die Seite von Asche auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Asche auf der Webseite der sixpackfilm