kat-rohrer-intervista-interview-interview-cinema-austriaco

INTERVIEW MIT KAT ROHRER

      Kommentare deaktiviert für INTERVIEW MIT KAT ROHRER

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

Auf der Diagonale 2024 präsentierte die Regisseurin Kat Rohrer den Spielfilm What a Feeling. Cinema Austriaco hatte die Gelegenheit, mit ihr zu sprechen und mehr über ihre Arbeit und ihre Karriere zu erfahren. Herausgegeben von Marina Pavido.

Marina Pavido: Wie kam es zu der Idee, What a Feeling zu machen?

Kat Rohrer: Proschat Madani, die Fa im Film spielt, und ich sind seit langem befreundet und hatten schon lange eine Figur im Kopf, aber noch keine Geschichte. Dann, im Jänner 2020, während ich auf einem Flug nach England schlief, kam mir endlich – und plötzlich – eine mögliche Geschichte in den Sinn. So etwas war mir noch nie passiert. Im Urlaub habe ich sie aufgeschrieben, in der Zwischenzeit habe ich an einem anderen Projekt gearbeitet und dann kam die Pandemie. Meine Freundin hatte mich gerade verlassen, ich habe viel Zeit alleine verbracht und dann hat mich meine Produzentin, Daniela Praher, gefragt, ob ich dieses neue Projekt entwickeln möchte. Also nutzte ich den Lockdown, um eine erste Version des Drehbuchs zu schreiben, wir begannen daran zu arbeiten, aber es dauerte einige Zeit, bis wir eine Finanzierung erhielten. Im Jänner 2023 kam dann endlich die Finanzierung und zwischen Mai und Juni haben wir gedreht. Alles ging sehr schnell.

M. P.: Marie Theres und Fa sind zwei sehr unterschiedliche Frauen. Könntest du uns mehr über ihre Charaktere erzählen?

K. R.: Fa ist ein freier Geist, der vom Leben begeistert ist, sich aber nur in bestimmten Situationen frei fühlt. Sie liebt ihre Familie sehr, vor allem ihre Mutter, und möchte sie vor allem beschützen. Marie Theres hingegen ist etwas konservativer, hält sich immer an die Regeln und hat einen gut strukturierten Alltag. Ihre Charaktere sind diametral entgegengesetzt, natürlich handelt es sich nicht um Liebe auf den ersten Blick, aber dennoch ziehen sich Gegensätze an.

M. P.: Wie verlief das Casting?

K. A.: Was Proschat betrifft, so war von Anfang an klar, dass sie die Rolle der Fa spielen würde. Sie oder niemand anders. Was die Rolle der Marie Theres angeht, habe ich sie mit Caroline (Peters) im Kopf geschrieben, aber ich wusste noch nicht, ob sie die Rolle annehmen würde. Aber dann hat meine Produzentin ihr das Drehbuch geschickt, sie fand es interessant und wir haben uns getroffen. Bevor ich sie jedoch für die Rolle der Marie Theres auswählte, wollte ich, dass sie Proschat kennenlernte, denn es war immer noch wichtig, dass die Chemie zwischen den beiden stimmte, damit das Projekt funktionieren konnte. Außerdem habe ich Caroline gesagt, dass Proschat auf jeden Fall die Rolle der Fa gespielt hätte. Und zum Glück hat die Chemie zwischen den beiden sofort gestimmt.

Was die anderen Figuren angeht, so kannte ich Anton Noori, der im Film den Bruder von Fa spielt, schon lange. Ich hatte ihn und Proschat schon zusammen getroffen und gemerkt, dass die beiden sich sehr gut verstehen, fast wie Bruder und Schwester.

Gohar (Nurbachsch), die die Rolle der Mutter von Fa spielt, ist eine Laiendarstellerin. Wir sind zur persischen Community in Wien gegangen, haben gesagt, wir brauchten eine Person in diesem Alter und haben ein kurzes Casting gemacht, bei dem auch Proschat anwesend war, denn auch hier war es wichtig, dass die Chemie zwischen ihr und derjenigen, die ihre Mutter gespielt hätte, stimmte. Und glücklicherweise war diese Chemie nach dem Treffen zwischen ihr und Gohar sofort spürbar.

M. P.: Dein Film behandelt heikle Themen wie die Wichtigkeit, sich selbst zu sein, und die Schwierigkeiten von Frauen in der Arbeitswelt. Was denkst du, wie stark ist Film heute, um bestimmte Botschaften zu vermitteln?

K. R.: Ich finde das sehr wichtig und ich glaube auch, dass wir Filmemacherinnen und Filmemacher eine gewisse Verantwortung haben. Die besten Filme sind für mich die, die mich zum Nachdenken anregen oder mich etwas Neues entdecken lassen, und ich glaube, dass wir auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben, wir müssen die Menschen in gewisser Weise zum Nachdenken anregen, genau wie diejenigen, die im Bereich des Theaters oder in einem anderen künstlerischen Bereich arbeiten.

M. P.: In deinem Film wird auch Wien viel Aufmerksamkeit gewidmet. Wie schwierig ist es heute deiner Meinung nach, selbst in einer großen, kosmopolitischen Stadt wie Wien sich selbst zu sein?

K. R.: Ich denke, das Problem mit Wien ist nicht, dass es eine große Stadt ist, sondern dass es nicht groß genug ist. Alle leben fast in einer Blase und in Wien ist es sehr schwierig, diese Blase zu „zerstören“, eben weil die Stadt zu klein ist. In Städten wie New York oder Rom wäre das einfacher. In diesen Blasen haben die Menschen immer Angst, zum Beispiel ihre Familie zu verletzen, oder sie sind immer von ihrem eigenen kulturellen Hintergrund beeinflusst. Vielleicht wäre es nur möglich, solche Blasen zu durchbrechen, indem man Wien verlässt. Es braucht Mut, denn nicht wir selbst zu sein, erlaubt es nicht einmal denen, die uns lieben, uns wirklich zu kennen.

M. P.: Was waren die Hauptschwierigkeiten bei der Produktion deines Films?

K. R.: Geld und Zeit. Wir hatten sehr wenig Zeit für die Dreharbeiten, nur sechsundzwanzig Tage, und obwohl wir ein gutes Budget hatten, wäre es besser gewesen, wenn es etwas höher gewesen wäre. Gleichzeitig hatten wir aber ein fantastisches Team, das hervorragend gearbeitet hat und auch alle Schwierigkeiten, die Geld und Zeit mit sich brachten, gemeistert hat.

M. P.: Könntest du uns ein paar lustige Ereignisse erzählen, die während der Dreharbeiten passiert sind?

K. R.: Die problematischste Szene war die mit den Badewannen voller Schlamm. In der kurzen Zeit, die uns für den Dreh zur Verfügung stand, haben wir hart gearbeitet, um die Konsistenz des Schlamms richtig hinzubekommen, wir haben die Anzahl der Takes geplant, die wir machen konnten, usw. Im Grunde haben wir an alles gedacht, damit sich die Schauspielerinnen wohl fühlten, und wir haben auch auf das Wetter geachtet, damit alles perfekt war. Und was passierte dann am Ende? Das Set war voll von Moskitos! Daran hatte niemand gedacht (lacht).

M. P.: Nach einigen Kurz- und Dokumentarfilmen ist What a Feeling dein erster Spielfilm. Wie bist du an diese neue Herausforderung herangegangen?

K. R.: Ich bin quasi „hinter der Bühne“ aufgewachsen, denn meine Tante war Theaterschauspielerin, daher fiel es mir sofort leicht, mich mit den Schauspielern in Verbindung zu setzen, ich bekam ein paar Ratschläge, wie ich das Set organisieren sollte, aber ich fühlte mich sofort wohl. Zuerst stellt man sich natürlich viele Fragen, man fühlt sich fast wie der Kapitän eines Schiffes, aber am Set lief dann alles ganz natürlich und lustig ab. Das lag auch an unserem fantastischen Team, das zu 70% aus Frauen besteht.

M. P.: Gibt es Filme oder Regisseurinnen und Regisseure, die während deiner Ausbildung besonders bedeutend gewesen sind?

K. R.: Ja, natürlich. Ich mag alle Filme von Robert Altman, mit all diesen Ensemblegeschichten. Dann mag ich Kenneth Branagh und seine Verfilmungen von Shakespeares Stücken sehr. Much Ado about Nothing, der in der Toskana gedreht wurde, ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsfilme. Was die Drehbuchautor:innen betrifft, so mag ich Aaron Sorkin und seine Art, Dialoge zu konstruieren, sehr. Ich habe mir immer gesagt, wenn ich mir einen Vater für meine Kinder aussuchen müsste, dann wäre es nur einer, der so schreiben kann wie er (lacht).

M. P.: Eine letzte Frage: Arbeitest Du derzeit an neuen Projekten?

K. R.: Ja, im Moment entwickle ich eine Serie, den Pilot schreibe ich selbst, aber ich hoffe, dass ich mit jemand anderem weitermachen kann. Dann wird eine andere Serie von anderen geschrieben, aber ich würde gerne die Regie übernehmen, und schließlich arbeite ich auch an dem Spielfilm, den ich vor der Pandemie hätte entwickeln sollen.

Info: Die Seite von Kat Rohrer auf iMDb