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VENI VIDI VICI

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von Daniel Hoesl und Julia Niemann

Note: 8

Veni vidi vici ist in jeder Hinsicht einer der reifsten Filme von Daniel Hoesl und Julia Niemann (sowohl stilistisch als auch semantisch). Oder besser gesagt, die Quintessenz dessen, was ihr Kino bis jetzt gewesen ist. Auf der Diagonale 2024.

Die Welt gehört den Reichen

Der Kapitalismus, die (gefährliche) Rolle des Geldes in der Gesellschaft, in der wir leben, aber auch die Bedeutung, die den besonders reichen Menschen beigemessen wird, sind Themen, die die Filmemacher:innen Daniel Hoesl und Julia Niemann schon immer interessiert haben. Man denke speziell bei Hoesl nur an die Spielfilme WINWIN (2016) und Soldate Jeannette (2013), aber auch an den Dokumentarfilm Davos (2020), der ebenfalls zusammen mit Julia Niemann gedreht wurde. Im Fall von Veni vidi vici, der seine Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival 2024 und seine Österreichpremiere auf der Diagonale 2024 feierte, sehen wir also, wie diese Themen durch eine groteske und paradoxe Geschichte, die sofort zu einer bedeutsamen Metapher für die Gegenwart wird, eine ideale Erfüllung auf der Kinoleinwand finden.

Dies ist also die Geschichte des Millionärs Amon Maynard (gespielt von Laurence Rupp), der von allen respektiert wird und ein scheinbar tadelloses Leben führt, unter anderem mit einer sehr engen Beziehung zu seiner Familie. Fast schon hobbymäßig geht er jedoch meist abends mit seinem Butler (Markus Schleinzer) aus, um Menschen ohne ersichtlichen Grund zu töten und sich nicht einmal die Mühe zu machen, die Beweise für die Morde zu verstecken. Seine älteste Tochter (Olivia Goschler), deren Erzählstimme uns während des Films ständig begleitet, scheint ihren Vater sehr zu bewundern, und obwohl sie seine Aktivitäten nicht genau kennt, scheint sie auch bereit zu sein, ihm in jeder Hinsicht nachzueifern.

Ausgehend von einer solch absurden Situation zeigt uns Veni vidi vici, wie selbst die schlimmsten Taten irgendwie „entschuldigt“ werden können, wenn sie von besonders reichen Menschen ausgeführt werden. Amon ist ein skrupelloser Mann, er ist bereit, eine Leihmutter zu „kaufen“, um ein weiteres Kind zu bekommen, er hat kein Problem damit, die Karriere derer, die ihm sein Beruf beigebracht haben, für immer zu ruinieren, und, wie bereits erwähnt, tötet er, „um sein eigenes inneres Gleichgewicht zu finden“. Doch sollte jemand von seinen Taten erfahren, würde ihm niemand glauben. So ergeht es auch einem älteren Jäger, der sogar von der Polizei weggeschickt wird. Denn in der Tat ist jeder bereit, sich bestechen zu lassen, um sich bei den Machthabern einzuschmeicheln (die Figur des Butlers, der sogar ein ehemaliger Journalist ist, ist in dieser Hinsicht besonders interessant).

Kann es für unsere Gesellschaft überhaupt eine Chance auf Rettung geben? In Veni vidi vici scheinen Daniel Hoesl und Julia Niemann keinen Zweifel daran zu haben und vermitteln uns dies in einem besonders witzigen und scharfsinnigen Spielfilm, der ungemein gnadenlos ein Porträt unserer Welt zeichnet. Und das alles mittels einer Inszenierung, die reif und fein zugleich ist. Eine Inszenierung, in der die sorgfältig durchdachten und perfekt organisierten Schauplätze einen starken Kontrapunkt zu dem vom Protagonisten verursachten Chaos bilden, in der die Zeitlupenaufnahmen die Absurdität bestimmter Situationen und die Lächerlichkeit der Figuren noch unterstreichen und in der die minimalistische Musik (von Manuel Riegler und Gerhard Daurer) eine zweifellos wichtige Rolle spielt.

Veni vidi vici ist also in jeder Hinsicht einer der reifsten Filme von Daniel Hoesl und Julia Niemann (sowohl stilistisch als auch semantisch). Oder besser noch: Eine Summa dessen, was ihr Kino bis heute gewesen ist. Und wer weiß, wie viele schöne Überraschungen sie in Zukunft noch für uns bereithalten werden. Inzwischen scheint sogar der großartige Ulrich Seidl, der sich für die Produktion des Spielfilms entschieden hat, ihr großes Talent erkannt zu haben.

Titel: Veni vidi vici
Regie: Daniel Hoesl, Julia Niemann
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 86’
Genere: Drama, Satire-Film
Cast: Laurence Rupp, Ursina Lardi, Olivia Goschler, Kyra Kraus, Tamaki Uchida, Dominik Warta, Markus Schleinzer, Johanna Orsini-Rosenberg, Zoe Straub, Alexander Stecher, Vitus Wieser
Buch: Daniel Hoesl
Kamera: Gerald Kerkletz
Produktion: Ulrich Seidl Filmproduktion

Info: Die Seite von Veni vidi vici auf iMDb; Die Seite von Veni vidi vici auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Veni vidi vici auf der Webseite der Ulrich Seidl Filmproduktion