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MARE IMBRIUM

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von Siegfried A. Fruhauf

Note: 8

In Mare Imbrium weiß Siegfried A. Fruhauf genau, was er uns mitteilen will. Wir verstehen das sofort, wenn die digitalen Bilder in analoge Bilder übergehen, und dann nach einer präzisen elliptischen Struktur wieder digital werden. Auf der Diagonale 2024.

Den Mond beobachten

Es ist nicht das erste Mal, dass der Regisseur Siegfried A. Fruhauf den Himmel und all die Schönheit, die er uns zu bieten hat, beobachtet hat. Man denke zum Beispiel an den interessanten Experimentalkurzfilm Realtime (2002), in dem durch die Beobachtung eines Himmelskörpers ein wahres Wunder auf der Kinoleinwand geschah. Im Falle des Kurzfilms Mare Imbrium, der auf der Diagonale 2024 in der Sektion Innovatives Kino uraufgeführt wurde, ist der große Protagonist genau der Mond. Auf wie viele Weisen können wir den Mond beobachten? Und vor allem, wie können wir die ganze Schönheit genießen, die uns eine solche Erfahrung vermitteln kann?

Im Mare Imbrium wird uns der Mond also nicht direkt gezeigt. Zumindest nicht sofort. Ein paar weiße Punkte erscheinen auf der Kinoleinwand auf einem völlig schwarzen Hintergrund. Was könnte das wohl sein? Nach und nach erscheinen immer mehr Punkte, und bald wird klar, dass es sich tatsächlich um die Spiegelung des Mondes auf dem Meer bei Nacht handelt. Eine äußerst minimalistische Musik (von Siegfried A. Fruhauf selbst) begleitet uns während des gesamten Films und erinnert uns oft genau an das Rauschen der Wellen.

Wie bereits erwähnt, ist also in Mare Imbrium der Mond der große Protagonist. In ähnlicher Weise betrachtet der Regisseur aber vor allem das Konzept der Projektion. Das Bild des Mondes, das auf die Meeresoberfläche projiziert wird, wenn es keine andere Lichtquelle gibt, die das Ereignis „stören“ könnte, wird zunächst digital, dann analog gefilmt. Das Meer wiederum wird sozusagen zur Projektionsfläche. Und so kommt wieder einmal unser geliebter Film ins Spiel. Dieses wunderbare Spektakel wird wiederum auf eine Kinoleinwand projiziert. Film und Film im Film. Doch wie verändert sich gerade die Welt der siebten Kunst?

In Mare Imbrium weiß Siegfried A. Fruhauf genau, was er uns mitteilen will. Wir verstehen das sofort in dem Moment, in dem sich die digitalen Bilder in analoge Bilder verwandeln, und dann nach einer präzisen elliptischen Struktur wieder digital werden. Das Verständnis des Filmemachens hat sich heute im Vergleich zu früher stark verändert. Doch die Faszination des Films ist unverändert. Was erwartet uns in der Zukunft?

Mare Imbrium will (scheinbar) keine sicheren Antworten darauf geben, aber indem der Film uns zum Nachdenken bringt, bietet er uns ein Spektakel von magnetischem Charme und unbestrittener Schönheit. Oft braucht es keine Spezialeffekte, um wie hypnotisiert vor einer Kinoleinwand zu bleiben. Siegfried A. Fruhauf weiß das, und er hat bei der Inszenierung seines kleinen wertvollen Films auf jedes Detail geachtet. Sein Mare Imbrium ist ein wahres Seh- und Hörerlebnis. Ein Kurzfilm, der aktueller ist denn je. Eine aufrichtige und ehrfürchtige Liebeserklärung an die siebte Kunst.

Titel: Mare Imbrium
Regie: Siegfried A. Fruhauf
Land/Jahr: Österreich / 2024
Laufzeit: 12’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Siegfried A. Fruhauf
Kamera: Siegfried A. Fruhauf
Produktion: Siegfried A. Fruhauf

Info: Die Seite von Mare Imbrium auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Mare Imbrium auf der Webseite der sixpackfilm