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RE-BIRDING

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von Michaela Schwentner

Note: 8

Mit einem minimalistischen und zugleich eleganten Regieansatz wird re-BIRDING sofort zur Utopie. Ein Bild einer idealen Welt, in der wir endlich die Bedeutung dessen verstanden haben, was die Natur uns zu bieten hat. Auf der Diagonale 2024.

„You may say I’m a dreamer…“

Der Kolonialismus. Der Kapitalismus. Die Ausbeutung der Umwelt, in der wir leben. Seit wann führen wir Handlungen durch, die nicht nur unserer Welt, sondern auch vielen Lebewesen, die sie bewohnen, schaden? Und vor allem: Gibt es mögliche Lösungen, um die Schäden zu begrenzen und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen? In re-BIRDING, der bei der Diagonale 2024 im Rahmen der Sektion Innovatives Kino seine Weltpremiere feierte, hat die Filmemacherin Michaela Schwentner einige der wichtigsten Ereignisse nachgezeichnet, die bestimmte Vogelarten für immer geschädigt haben, und dabei auf ihre Weise auch nach einer möglichen Lösung für die Schäden gesucht, die wir Menschen seit langer, langer Zeit anrichten.

Wir befinden uns also zunächst in einer fast „neutralen“ Umgebung, in einem Filmstudio. Einige Frauen tragen farbenfrohe Kostüme, während sie für diesen Anlass geschminkt werden. Die Farben ihrer Kostüme bilden einen starken Kontrast zum schwarzen Hintergrund und strahlen dadurch noch mehr, mit einer zweifellos magnetischen Anziehungskraft. Jede Protagonistin repräsentiert eine längst ausgestorbene Vogelart, und indem sie sie auf der Kinoleinwand wieder zum Leben erweckt, würdigt sie sie auf aufrichtige und ehrfürchtige Weise. Gleichzeitig erzählt eine Off-Stimme von den wichtigsten Ereignissen, die in der Vergangenheit das Ende bestimmter Realitäten bedeuteten.

Interessanterweise ändert sich der Ansatz in re-BIRDING, je näher man dem Ende kommt. Aufgeteilt in zwei Teile, die sich jeweils mit der Vergangenheit und der Gegenwart befassen, wirkt der Film zunächst fast wie einer Trauergesang (woran auch die Farben des Filmsets erinnern). Die Figuren der Protagonistinnen heben sich im Hintergrund ab und wirken gleichzeitig fast wie eigenständige Elemente, völlig „losgelöst“, weit entfernt von der Welt, in der wir leben. Als ob sie nun fast übernatürliche Wesen wären. Doch ihre Farben sind immer noch lebendig und pulsierend. Was sie waren, ist wahrscheinlich dazu bestimmt, ewig zu leben. Zumindest auf einer Kinoleinwand.

Dann, wenn man sich der Gegenwart nähert, ändert sich alles. In re-BIRDING ist der Kontrast zwischen den Figuren und dem Hintergrund nicht mehr so stark. Die Farben selbst sind jetzt sanfter. Das Sonnenlicht erhellt nun alles, das Filmset wird verlassen, die Vögel werden nicht mehr wissenschaftlich katalogisiert, jetzt sind wir endlich im Freien, in der freien Natur, in perfekter Harmonie mit unserer Umgebung. Zahlreiche farbige Stoffe werden um die Äste der Bäume gelegt, fast so, als ob sie Wunden verbinden sollen. Jetzt ist es an der Zeit, die Schäden der Vergangenheit zu beheben und nach neuen Wegen zu suchen, wie wir alle zusammenleben können.

Und so wird dieser interessante und wertvolle re-BIRDING mit seinem minimalistischen und zugleich eleganten Regieansatz, in dem es nicht an Momenten des Film im Film und Überlegungen zur Inszenierung selbst mangelt, sofort zur Utopie. Das Bild einer idealen Welt, in der wir endlich verstehen, wie wichtig das ist, was die Natur uns und allen Lebewesen, die unsere Welt bevölkern, zu bieten hat. Werden wir jemals ein solches irdisches Paradies erreichen können? Leider können wir das heute nicht wissen. In der Zwischenzeit können Bilder reiner Schönheit jedoch zu wichtigen Überlegungen zu diesem Thema führen.

Titel: re-BIRDING
Regie: Michaela Schwentner
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 26’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Aurelia Burckhardt, Christine Gnigler, Juli Müllner, Maja Osojnik, Karolina Preuschl, Anat Stainberg
Buch: Michaela Schwentner
Kamera: Martin Putz, Michaela Schwentner
Produktion: Michaela Schwentner

Info: Die Seite von re-BIRDING auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von re-BIRDING auf der Webseite von Michaela Schwentner