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THOSE WHO GO THOSE WHO STAY

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von Ruth Beckermann

Note: 7.5

Ruth Beckermanns Those who go Those who stay ist ein reichhaltiger und farbenfroher Dokumentarfilm, in dem der Mensch in all seiner wunderbaren Vielfalt immer im Vordergrund steht und aufrichtig und ehrfürchtig beobachtet wird, mit einem einfachen und wesentlichen Regieansatz.

Alle Farben der Welt

Eine gute Beobachterin der Welt, in der wir leben, aber auch einer der wichtigsten Namen des zeitgenössischen österreichischen Films: Ruth Beckermann. Frisch nach dem Erfolg ihres jüngsten Dokumentarfilms Favoriten, der auf der Berlinale 2024 seine Weltpremiere feierte und in dem das Leben einer multiethnischen Klasse in einer Volksschule im Bezirk Favoriten hautnah beobachtet wurde, interessierte sich die Wiener Filmemacherin bereits für die Vielzahl der Kulturen, die unseren Alltag bevölkern. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der 2013 entstandene Dokumentarfilm Those who go Those who stay, in dem wir auf einer langen Reise durch Europa und das Mittelmeer bestimmte Realitäten näher kennenlernen.

Wie in ihren Dokumentarfilmen üblich, ist Ruth Beckermann auch in Those who go Those who stay sowohl durch ihre Stimme, die von Zeit zu Zeit mit den Protagonist:innen interagiert, als auch vor der Kamera präsent. Und so beginnt diese lange Reise in Paris und führt dann weiter nach Sizilien, Prato, Ägypten, Israel und Wien. Während dieser wichtigen Reise hatte die Regisseurin die Gelegenheit, Menschen aus allen Ländern zu treffen, und viele von ihnen erzählten ihr ihre Geschichten, ihre Träume und ihre Probleme, während die Kamera manchmal einfach stehen blieb, um jeden einzelnen von ihnen still und respektvoll in seinem Alltag zu beobachten.

Ein paar Männer unterhalten sich in einer Wiener Kneipe, während in Italien einige Kinder mit ihren Spielen beschäftigt sind und von Zeit zu Zeit neugierig in die Kamera schauen. Und während drei Frauen mit Schleier in Alessandria versuchen, die Straße zu überqueren, erklärt ein nigerianischer Junge, der gerade in Lampedusa angekommen ist, der Regisseurin, dass er auch wegen seiner großen Leidenschaft für Fußball gerne in Italien bleiben und leben möchte. Those who go Those who stay erzählt uns von jedem einzelnen von ihnen. Oft kennen wir die Namen der Protagonist:innen nicht, aber wir haben sofort den Eindruck, dass wir sie schon lange kennen.

Ruth Beckermann bleibt nicht lange in jedem der besuchten Orte. Aber das ist dennoch eine gut durchdachte Entscheidung, denn was uns dieser Dokumentarfilm zeigen will, ist, wie der Titel schon erahnen lässt, vor allem die Vergänglichkeit bestimmter Situationen, das ständige Unterwegssein derer, die ihre Heimat verlassen mussten und ständig auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind. Those who go Those who stay erzählt genau von diesem ständigen Umherirren, ähnlich dem, was Theseus im Labyrinth erlebte, bevor es ihm gelang, den Minotaurus zu töten, wie es in einer Bildunterschrift zu Beginn des Films heißt. Mit einem einfachen und essentiellen Regieansatz werden wir also Zeuge eines reichhaltigen und farbenfrohen Dokumentarfilms, in dem der Mensch in seiner ganzen wunderbaren Vielfalt immer im Vordergrund steht und aufrichtig und ehrfürchtig beobachtet wird.

Titel: Those who go Those who stay
Regie: Ruth Beckermann
Land/Jahr: Österreich / 2013
Laufzeit: 75’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Ruth Beckermann
Kamera: Johannes Hammel, Peter Roehsler, Ruth Beckermann
Produktion: Ruth Beckermann Filmproduktion

Info: Die Seite von Those who go Those who stay auf iMDb; Die Seite von Those who go Those who stay auf der Webseite von Ruth Beckermann; Die Seite von Those who go Those who stay auf der Webseite der sixpackfilm