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LISL PONGER – KUNST ÜBER ALLES

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Die Diagonale 2024, die vom 4. bis 9. April in Graz stattfinden wird, widmet der in Nürnberg geborenen österreichischen Künstlerin Lisl Ponger eine besondere Sektion.

Fotografie und Film

Das Grazer Filmfestival, die berühmte Diagonale, die heuer vom 4. bis 9. April stattfindet, hat es seit seiner Gründung 1998 verstanden, der Kunst Räume und Einblicke zu verschaffen. Die diesjährige Ausgabe, die in weniger als einer Woche beginnt, hat ein Special im Programm, das der Künstlerin Lisl Ponger gewidmet ist, die zwar in Nürnberg geboren wurde, aber im Grunde Österreicherin ist.

Ausgebildet in Wien an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, Fachrichtung Fotografie, begann Lisl Ponger auch als Film- und Medienkünstlerin und natürlich als Fotografin zu arbeiten. Berühmt sind in diesem Zusammenhang ihre Porträts von Künstler:innen, die dem Wiener Aktionismus zuzurechnen sind, wie Hermann Nitsch, Otto Mühl und viele andere. Auf jeden Fall ist es Lisl Ponger in all ihren verschiedenen Äußerungen als Künstlerin gelungen, sich mit Rassismus, Stereotypen und der Konstruktion des Blicks zu befassen: All dies, ohne dabei den Schwerpunkt aus den Augen zu verlieren, der auf der doppelten Antithetik von Heimat vs. Fremdheit und Erinnerung vs. Vergessen liegt. Die langen Reisen nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten, die später zu Aufenthalten wurden, müssen in diese typisch ethnologische Herangehensweise einbezogen werden, die zusammen mit den von Ponger verwendeten Kameras, der Foto- und der Filmkamera, in der Lage waren, echte Kunstwerke zu schaffen, die sich zwischen Dokumentarfilm und Fotoreportage bewegen.

Wie bereits erwähnt, ist sie an der Erforschung der konstruierten Art kultureller Identität interessiert. Ihre Untersuchung der Ideen und – oft stereotypisierten – Bilder der anderen hat eine klare akademische Ausrichtung und berührt die bereits erwähnte Ethnologie, aber auch die für die anthropologische Forschung typischen Methoden zum Sammeln und Zusammenstellen visueller Daten. Nimm die Kamera und geh hin, setz dich hin, dreh, dokumentiere alles und kontextualisiere es in der Tiefe: So stelle ich mir ihre Arbeit vor. Bemerkenswert in diesem Sinne ist das Projekt von Lisl Ponger aus dem Jahr 2014, das in der Haupthalle der Secession realisiert wurde und den vielsagenden Titel Museum für fremde und vertraute Kulturen trägt. Es handelt sich dabei um eine Ausstellung in Form eines fiktiven Museums, das sich der akribischen Rekonstruktion realer ethnologischer Museen widmet und in verschiedenen Ausstellungsräumen, darunter Wild Places und Vanishing Middle Class, organisiert ist.

n Bezug auf den Film begann Lisl Ponger 1979 mit dem Filmen und blieb dabei stets ihrer Forschungsmethode und ihren Themen treu. Ihrem Debüt-Kurzfilm Space Equals Time – Far Freaking Out folgten sechzehn weitere Werke, darunter das politisch inspirierte Imago Mundi (2017), die Überlegung über Fotografie Semiotic Ghosts (1991) und ihr vorletztes Werk Déjà Vu (1999), ein Kurzfilm, der sich mit dem Thema der Wahrnehmung anderer beschäftigt, einer der Meilensteine in Lisl Pongers künstlerischem Werk, das mehrfach ausgezeichnet wurde, u.a. 1988 mit dem Österreichischen Förderungspreis für Filmkunst und 6 Jahre später mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Filmkunst, für ihr herausragendes filmisches Werk.

Lisl Ponger, die sich für leuchtende Farben und dynamische Fotos interessiert, die in der Regel auf den Film und die daraus hergestellten Bilder zurückgehen, lebt und arbeitet nach zwei Gastprofessuren an der Akademie für angewandte Kunst in der österreichischen Hauptstadt und der Teilnahme an den Filmausstellungen documenta11 und documenta12 derzeit in Wien. Alles Gute für die Zukunft, Lisl!

Info: Die Seite von Lisl Ponger auf iMDb