i-dormienti-2005-schlafer-sleeper-heisenberg-recensione-review-kritik

SCHLÄFER

      Kommentare deaktiviert für SCHLÄFER

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Benjamin Heisenberg

Note: 7.5

Schläfer spielt mit einer subtilen Zweideutigkeit, die die Wahrnehmungen und die Paranoia, die viele nach dem Anschlag auf die Twin Towers erlebt haben, gut wiedergibt. Benjamin Heisenberg weiß, was er dem Zuschauer vermitteln will, und in diesem Fall hat er es geschafft, uns einen feinen und intelligenten Spielfilm zu schenken.

Ein Doppelleben?

Freundschaft, Liebe, Misstrauen. Angst. Wie können diese Faktoren unser eigenes Leben beeinflussen? Vier Jahre nach dem dramatischen Anschlag vom 11. September hat der Filmemacher Benjamin Heisenberg versucht, die Folgen des Lebens mit der Ungewissheit, dass jemand, der uns nahe steht, in Wirklichkeit ganz anders ist, als er erscheint, zu inszenieren. So entstand 2005 der Spielfilm Schläfer, eine Koproduktion zwischen Österreich und Deutschland.

Schläfer erzählt also die Geschichte des jungen Wissenschaftlers Johannes (gespielt von Bastian Trost), der gerade an einer renommierten Universität eingestellt wurde und vom Geheimdienst den Auftrag erhält, seinen Kollegen Farid (Mehdi Nebbou), der als Schläfer verdächtigt wird, zu überwachen. Johannes macht seinen Job nur widerwillig und freundet sich gleichzeitig allmählich mit Farid an, mit dem er mehrere Abende in der Kneipe oder beim Bowling verbringt. Die Dinge verkomplizieren sich, als die beiden die junge Kellnerin Beate (Loretta Pflaum) kennenlernen. Johannes fühlt sich sofort zu ihr hingezogen und erfährt später, dass sie mit seinem Kollegen zusammen ist. Wohin wird das führen?

Was Schläfer am meisten charakterisiert, ist also eine starke, sehr starke Spannung, zusammen mit dem Gefühl, dass jederzeit etwas Schreckliches passieren könnte. Johannes scheint eine starke Bindung zu Farid zu haben, obwohl die beiden beruflich konkurrieren. Aber wie loyal ist Farid ihm gegenüber? Diese Spannung scheint dazu bestimmt zu sein, ständig zu wachsen, durch Gespräche, in denen aus heiterem Himmel eine fremde Sprache gesprochen wird, durch Eisenplatten an den Fenstern, durch Unregelmäßigkeiten bei der Arbeit und nicht zuletzt durch die Religion, die nur vage erwähnt wird, die aber dennoch eine wichtige Rolle im Leben der beiden Protagonisten zu spielen scheint (Johannes selbst ist es gewohnt, abends mit seiner Großmutter, bei der er lebt, zu beten, bevor sie einschläft).

Benjamin Heisenberg hat all diese Elemente meisterhaft in einer Inszenierung umgesetzt, in der die Nachtszenen weitaus zahlreicher sind als die Tagesszenen, in der die Kamera ihren Protagonist:innen treu folgt und auf jede unnötige Virtuosität verzichtet, in der die Musik fast immer diegetisch oder zumindest extrem minimalistisch ist, in der eine unerwartete Dreiecksbeziehung so sehr an das Kino von François Truffaut erinnert, in der durch eine Erzählstruktur, die einfach und komplex zugleich ist, selbst der Zuschauer sich verwirrt fühlt und nicht mehr weiß, was wahr ist und was nicht.

Schläfer setzt also alles auf diese subtile Zweideutigkeit, die die Wahrnehmungen und die Paranoia, die viele nach dem erwähnten Anschlag auf die Twin Towers erlebten, gut wiedergibt. Benjamin Heisenberg weiß, was er dem Zuschauer vermitteln will, und in diesem Fall hat er es getan, indem er uns einen subtilen und intelligenten Spielfilm schenkte, in dem niemand wirklich unschuldig ist und in dem die tausend Facetten der menschlichen Seele mit all ihrer emotionalen und kommunikativen Kraft auf der Kinoleinwand zum Leben erwachen.

Titel: Schläfer
Regie: Benjamin Heisenberg
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2005
Laufzeit: 99’
Genre: Drama, Thriller
Cast: Bastian Trost, Mehdi Nebbou, Loretta Pflaum, Gundi Ellert, Wolfgang Pregler, Charlotte Eschmann, Ludwig Bang, Masayuki Akiyoshi, Marco Schuler, Jürgen Geißendörfer, Dominik Dudy, Andrea Faciu, Gordana Stevic, Christine Böhm, Anke Euler, Yvette Goldmann, Inez Moser, Johannes Moser, Jesus del Pozo, Katharina Marie Schubert, Lothar Albrecht, Axel Robert Müller, Felicitas von Imhoff, Emanuel Heisenberg, Bärbel Rovinescu
Buch: Benjamin Heisenberg
Kamera: Reinhold Vorschneider
Produktion: juicy film, ARTE, Coop99 Filmproduktion

Info: Die Seite von Schläfer auf iMDb; Die Seite von Schläfer auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Schläfer auf der Webseite der coop99 Filmproduktion