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I’M NOT EVERYTHING I WANT TO BE

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von Klára Tasovská

Note: 7.5

I’m not Everything I want to be von Klára Tasovská ist das Porträt einer mutigen, nonkonformistischen Frau. Eine Hymne an die Kunst, die Schönheit und das Leben, die durch kraftvolle Schwarz-Weiß-Bilder lebendiger und pulsierender denn je ist. Auf der Berlinale 2024, Sektion Panorama Dokumente.

Auf der Suche nach Freiheit

Die berühmte tschechische Fotografin Libuše Jarcovjáková ist heute in ihrer Branche besonders bekannt. Doch das Leben so zu leben, wie sie es sich immer gewünscht hat, war nie ein einfacher Weg, vor allem wenn man an die historische Zeit denkt, in der sie sich zu etablieren begann. Wie lohnenswert ist es, für die eigenen Träume zu kämpfen? Und vor allem: Was bedeutet es wirklich, frei zu sein? Ihre einzigartige und mutige Geschichte erzählt uns die Regisseurin Klára Tasovská in dem Dokumentarfilm I’m not Everything I want to be, der auf der Berlinale 2024 in der Sektion Panorama Dokumente uraufgeführt wurde und das Ergebnis einer Koproduktion zwischen der Tschechischen Republik, der Slowakei und Österreich ist.

Die junge Libuše (Jahrgang 1952) erlebte also den Prager Frühling hautnah mit. Und gerade als ihre Nation versuchte, neu anzufangen, begann sie ihren eigenen Weg zu suchen und entdeckte eine starke, sehr starke Leidenschaft für Fotografie. Im Gegensatz zu ihrer Mutter und ihrer Großmutter, die, nachdem sie Mütter geworden waren, ihre Träume teilweise aufgeben mussten, wollte sie immer nur völlig frei sein. Prag, aber auch Tokio und vor allem Berlin sind daher die Orte, die im Leben der Fotografin am wichtigsten waren. Ebenso hat eine große Reiselust immer eine entscheidende Rolle gespielt.

In I’m not Everything I want to be hat sich die Regisseurin also stark auf das gestützt, was Libuše Jarcovjáková in ihrer langen und produktiven Karriere geschaffen hat, nämlich ihre Fotos und Tagebücher. Durch den geschickten und äußerst sorgfältigen Schnitt scheinen die Fotos von Jarcovjáková auf der Kinoleinwand fast lebendig zu werden, denn sie werden nacheinander projiziert, wobei sie die Geschichte der Protagonistin fast wie durch in einer Stop-Motion-Technik erzählen. Gleichzeitig erzählt die Stimme der Fotografin ihre eigene Geschichte, indem sie Passagen direkt aus ihrem Tagebuch vorliest. So entsteht ein reichhaltiges Fresko eines historischen Zeitraums, der mehrere Jahrzehnte und mehrere Nationen umspannt, aber auch das Porträt einer mutigen Frau, die, oft allein gegen alles und jeden, hart kämpfen musste, um endlich glücklich zu sein.

Leidenschaftlich, visuell fesselnd und unglaublich fein, scheut sich I’m not Everything I want to be nicht, vom Kanon der klassischen Montage-Dokumentation abzuweichen, sondern bewegt sich geschickt zwischen verschiedenen filmischen Genres, indem es uns mal von den Liebesgeschichten der Protagonistin, mal von einer interessanten Episode in ihrem Leben erzählt, nämlich als die Polizei nach einem Mord in einem Nachtclub in der Stadt ihre Kamera beschlagnahmte, da einige für die Ermittlungen wichtige Details auf einigen ihrer Fotos zu finden sein könnten. I’m not Everything I want to be ist all dies. Ein Porträt einer mutigen, nonkonformistischen Frau. Eine Hymne an die Kunst, die Schönheit und das Leben, die durch kraftvolle Schwarz-Weiß-Bilder lebendiger und pulsierender denn je ist.

Titel: Ještě nejsem kým chci být
Regie: Klára Tasovská
Land/Jahr: Tschechische Republik, Slowakei, Österreich / 2024
Laufzeit: 90’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Klára Tasovská, Alexander Kashcheev
Kamera: Libuše Jarcovjáková
Produktion: Somatic Films, Square Eyes

Info: Die Seite von I’m not Everything I want to be auf iMDb; Die Seite von I’m not Everything I want to be auf der Webseite der Berlinale