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DIAGONALE’24 – SPECIAL FILMGESCHICHTE UND EIN NEUER FESTIVALORT

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Mit dem neuen Programm Filmgeschichte präsentiert die Diagonale’24 zwei Programme, in denen der Blick in die Vergangenheit auch Rückschlüsse auf die österreichische Gegenwart erlaubt.

Aus der Vergangenheit lernen

Das Festival des österreichischen Films, das in seiner 27. Ausgabe vom 4. bis 9. April 2024 erstmals unter der künstlerischen Leitung von Claudia Slanar und Dominik Kalamzadeh in Graz stattfinden wird, ist seit jeher ein Ort der Neu- & Wiederentdeckungen, ob im Rahmen der Wettbewerbs-Filme, in die auch der Jahresrückblick eingegliedert ist, oder aber in Form von filmhistorischen Specials. Mit dem neuen Programmtitel Filmgeschichte werden auf der Diagonale’24 zwei Programme zu sehen sein, in denen der Blick auf die Vergangenheit auch Rückschlüsse auf die österreichische Gegenwart erlaubt.

Die Diagonale’24 freut sich, das erste Programm dieser Reihe samt einiger bereits fixierter Filme ankündigen zu dürfen: Unter dem Titel Die erste Schicht – 60 Jahre Arbeitsmigration aus Sicht der Herkunftsländer widmet sich das Festival in acht Programmen dem nach wie vor hochpolitischen Thema der Arbeitsmigration. Allerdings aus einer vorwiegend umgekehrten Perspektive: Nicht der Blick aus Österreich, Deutschland und der Schweiz auf die zu uns gekommenen Arbeitsnomad:innen steht im Mittelpunkt, in den meisten Werken sind es die Positionen von Filmemacher:innen aus den Herkunftsländern selbst. 60 Jahre ist es her, dass die ersten ‚Gastarbeiter:innen‘ herkamen, zurückkehrten und wieder kamen. Eine ursprünglich anvisierte Zeitarbeit entwickelt sich zum Permanent-Zustand. Die Notlage im neuen Umfeld wurde jedoch politisch totgeschwiegen und viele Probleme dauern bis heute an.

„Wirtschaftlicher Wohlstand, Modernisierung, Systemerhaltung. All das wäre ohne Arbeitsmigration und ‚Gastarbeiter:innen‘ völlig undenkbar, eine gebührende Anerkennung bekamen sie jedoch nie. Die Filme zeigen einen liminalen Dauerzustand der ewigen Hin- und Hergerissenheit von Jugendlichen und Erwachsenen zwischen den verschiedenen Kulturen und ihren Systemen.“Petra Popovic, Kuratorin

Die erste Schicht bietet einen Blickwechsel auf ein scheinbar „vertrautes“ Milieu, hier eine Auswahl der Filme:

Halo, München / Hallo München (1967) und Specijalni vlakovi / Sonderzüge (1971), beide von Krsto Papić, handeln vom Aufbrechen nach Deutschland und Österreich und vom Zurückkehren in die Heimat sowie den sich daraus ergebenden widersprüchlichen Lebenssituationen an beiden Orten. Kara Kafa / Schwarzkopf (1979) von Korhan Yurtsever schildert die Zerreißprobe im Gefüge einer Einwandererfamilie: Das neue Leben in Deutschland hat theoretisch unbegrenzte Möglichkeiten zu bieten, diese bestehen aber auch aus nicht erwarteten Tücken — so beginnt die Mutter der Familie, sich in der Frauenbewegung zu engagieren. Der Film wurde damals von der türkischen Zensurbehörde verboten und alle Kopien einkassiert. Erst kürzlich sind die Originalnegative aufgetaucht, auf deren Grundlage Kara Kafa restauriert werden konnte.

Inventur – Metzstraße 11 (1975) von Želimir Žilnik entstand im Treppenhaus eines Münchner Wohnhauses — dieser Ort des Durchgehens wird von Žilnik, der selbst damals als Arbeiter kam, zu einem Ort der kurzen aber eindrücklichen Begegnungen transformiert: Vor der Kamera sprechen die Bewohner:innen des Hauses über ihre Herkunft als auch ihre Wünsche, Hoffnungen und Sorgen. Wie die meisten Filme aus dem Programm hat auch Analphabeten in zwei Sprachen (1975) von der deutsch-iranischen Filmemacherin Mehrangis Montazami-Dabui nach wie vor erschreckende Aktualität: In dem Kurzdokumentarfilm werden die schulischen Probleme von Kindern mit Migrationshintergrund beleuchtet, die auch eng an die Schwierigkeiten, sich zwischen zwei Kulturen zurechtzufinden und den eigenen Platz zu finden, geknüpft sind.

Die teils kafkaesken Wege der österreichischen Bürokratie lernt ein jugoslawisches Ehepaar in Wo sein Wäsche (1975) von Dieter Berner kennen, der damals im Rahmen der ORF-Sendereihe Geschichten aus Österreich entstanden ist: Frau Stankovic hat ohne ärztlichen Beistand zuhause ihr Kind zur Welt gebracht, nun fehlen alle offiziellen Belege, um das dringend benötigte Wäschepaket zu bekommen. Denn das Baby allein reicht als Beweis dafür, dass es tatsächlich existiert und Wäsche benötigt, in den bornierten Amtsstuben nicht aus …

Kuratiert wird das Programm von Petra Popovic, Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar in Kooperation mit dem ORF und Jurij Meden (Österreichisches Filmmuseum). Die Diagonale dankt Faime Alpagu, Fatih Aydoğdu und Can Sungu für die Unterstützung.

Volkskundemuseum Heimatsaal – Neuer Festivalort | Diagonale – Forum

Mit dem Heimatsaal im Volkskundemuseum präsentiert die Diagonale’24 eine neue Festivallocation, in der die neue Veranstaltungs-Reihe Forum ihren Standort finden wird. Sie umfasst unter anderem Diskussionsveranstaltungen als auch das Diagonale Filmmeeting, ebenso die Preisverleihungen des Franz-Grabner-Preises sowie des Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerbs und des Thomas Pluch Drehpuchpreises.

„Mit dem Heimatsaal im Volskundemuseum haben wir — in fußläufiger Nähe zu den Kinos — ein ideales Zentrum für unsere Gesprächs- und Debattenveranstaltungen gefunden, das wir als Diagonale Forum neu in den Festivaldistrict einführen. Und nicht nur das: Es wird auch als Get-together-Ort dienen, um miteinander in Kontakt zu treten — bei Schönwetter auch auf der Terrasse und im Garten. Unsere Vorstellung der Diagonale verbindet die Idee eines Ortes der Begegnung mit jener der Attraktion des Kinos: Dialog und sinnliche Begeisterung finden hier zusammen.“Dominik Kamalzadeh & Claudia Slanar, Intendanz

Das Volkskundemuseum liegt am Fuße des Schloßberges in der Paulustorgasse, der im Museum integrierte Heimatsaal bietet je nach Bestuhlung für 130 bis 250 Personen Platz. Durch seine schöne und großzügige Fensterfront als auch die technische Ausstattung, die Platzkapazitäten und die direkt angeschlossene Terrasse samt Garten liefert er ein wunderbares Ambiente für die geplanten Veranstaltungen und ist eine ideale Erweiterung des Festivaldistricts. Das ebenfalls dort befindliche charmante Lokal Gatto im Museum ist zudem vor oder nach den Forum-Veranstaltungen der perfekte Ort, um Leute zu treffen, sich zu vernetzen oder einfach mal zu pausieren.

Info: Die Reihe Filmgeschichte auf der Webseite der Diagonale’24