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KUGELKOPF

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von Mara Mattuschka

Note: 7

Kugelkopf von Mara Mattuschka zeigt uns den menschlichen Körper, der zu einer Art „Werkzeug“ geworden ist, Opfer einer Gesellschaft, in der Arbeit, Technologie und Kapitalismus den Wert des Menschen selbst für immer vergessen zu haben scheinen.

Nahe Zukunft

Wie hat sich die Welt, in der wir leben, verändert, seit Computer und Technologie im Allgemeinen ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags geworden sind? Und vor allem: Wie haben wir uns selbst verändert? Wenn man sich heute kaum noch vorstellen kann, ohne Handy oder Computer zu leben und zu arbeiten, so gibt es doch jemanden, der schon Mitte der 1980er Jahre, als diese Geräte immer häufiger zum Einsatz kamen, sofort ahnte, was aus ihnen (und aus uns) werden würde. Die Rede ist von der Regisseurin Mara Mattuschka, die mit ihrem höchst experimentellen Kurzfilm Kugelkopf (mit dem vielsagenden Untertitel „Ode an IBM“) aus dem Jahr 1985 eine Art dystopische Zukunft imaginierte, in der der menschliche Körper quasi zu einer Maschine wird, die fast völlig mit der Technik verschmilzt und nur noch dazu dient, die Arbeit zu verrichten, die zuvor ausschließlich von den genannten Maschinen verrichtet wurde.

In einem strengen, kontrastreichen Schwarz-Weiß sehen wir zunächst eine alte Druckmaschine. Sofort erscheint die Schrift „Ode in IBM“ auf weißem Papier. Zwei Hände versuchen, etwas Papier aus dem Drucker zu holen: Wer wird ihr „Besitzer“ sein? Bald ist es klar. Mimi Minus, das Alter Ego von Mara Mattuschka, erscheint sofort auf der Leinwand und beginnt, sich im Spiegel zu betrachten und den Kopf mit einem Rasiermesser zu rasieren. Plötzlich geschieht etwas Unerwartetes: Mimi Minus schneidet sich, ihr Kopf beginnt zu bluten, und nachdem sie ihr Gesicht vollständig in weißes Papier eingewickelt hat, beginnt sie, mit ihrem eigenen Blut und ihrem Kopf, als wäre er Bestandteil einer Druckmaschine, undefinierte Zeichen zu „drucken“.

Kugelkopf zeigt uns also den menschlichen Körper, der zu einer Art „Werkzeug“ geworden ist, Opfer einer Gesellschaft, in der Arbeit, Technologie und Kapitalismus den Wert des Menschen selbst für immer vergessen zu haben scheinen. Eine frenetische und rhythmische Montage, in der sich die Handlungen der Protagonistin in einer sich wiederholenden Weise entfalten, zusammen mit einer rudimentären, aber gut durchdachten Stop-Motion-Animation, gibt die Idee dessen, was unser Leben geworden ist, perfekt wieder. Und wir denken sofort an Charlie Chaplin und sein Moderne Zeiten (1936), in dem ähnlich repetitive Handlungen uns zum Lachen, aber gleichzeitig auch zum Nachdenken bringen.

Als Mara Mattuschka Kugelkopf drehte, waren seit der Entstehung von Moderne Zeiten bereits fast fünfzig Jahre vergangen und die Dinge hatten sich deutlich verändert. Heute, fast vierzig Jahre nach der Entstehung von Kugelkopf, haben sich die Dinge noch mehr verändert, aber gleichzeitig wird uns auf traurige Weise bewusst, wie weitsichtig Mara Mattuschka (und vor ihr Charlie Chaplin) war, als sie sich eine Zukunft vorstellte, in der die Menschen als Maschinen betrachtet werden, die völlig im Dienst einer zunehmend kapitalistischen Welt stehen. So wie am Ende des Kurzfilms einige durch ein offenes Fenster beobachtete Menschen, die sich scheinbar ohne die Möglichkeit einer wohlverdienten Ruhepause durch die Straßen bewegen.

Titel: Kugelkopf
Regie: Mara Mattuschka
Land/Jahr: Österreich / 1985
Laufzeit: 6’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Mimi Minus
Buch: Mara Mattuschka
Kamera: Mara Mattuschka
Produktion: Mara Mattuschka

Info: Die Seite von Kugelkopf auf iMDb; Die Seite von Kugelkopf auf der Webseite der sixpackfilm