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KRONPRINZ RUDOLFS LETZTE LIEBE

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von Rudolf Jugert

Note: 6.5

Obwohl es sich um einen stark fiktionalisierten Spielfilm mit vielen Schwächen handelt, funktioniert Rudolf Jugerts Kronprinz Rudolfs letzte Liebe alles in allem. Und das mit einem ausgesprochen einfachen Drehbuch, das sich in erster Linie auf das Wesentliche, und das fast völlig ohne Nebenhandlungen, konzentriert. Alles deutet auf eine bevorstehende Tragödie hin. Die Schatten sind stärker als das Licht. Das naive Gesicht von Mary Vetsera spricht für sich selbst.

Eine unmögliche Liebe

Der Film Sissi und seine Fortsetzungen von Ernst Marischka sind zweifellos noch immer die berühmtesten österreichischen Filme der Vergangenheit in der ganzen Welt. Denn die Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie und insbesondere die legendäre Figur der Elisabeth von Österreich, Gattin von Kaiser Franz Joseph I., hat schon immer das Publikum begeistert. Neben den Marischka-Filmen gab es nämlich zahlreiche Filme, die auf die eine oder andere Weise die Geschichte dieser Familie erzählt haben. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Spielfilm Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, den der deutsche Regisseur Rudolf Jugert 1956, also nur ein Jahr nach dem Kinostart des bereits erwähnten Sissi, realisiert hat.

Hatte uns also Marischka mit der (stark fiktionalisierten) Liebesgeschichte zwischen Sissi und Franz Joseph zum Träumen gebracht, so inszenierte Jugert in Kronprinz Rudolfs letzte Liebe ein viel dunkleres Kapitel der Monarchiegeschichte, nämlich den Selbstmord des Thronfolgers Rudolf (hier gespielt von Rudolf Prack), Zweitgeborene des Kaisers, gemeinsam mit seiner jungen Geliebten, Baronin Mary Vetsera (Christiane Hörbiger), am 30. Januar 1889 in Mayerling.

Wieder ist es also eine gequälte Liebesgeschichte, die fast die Hauptrolle spielt. Doch im Vergleich zu dem, was wir nur ein Jahr zuvor gesehen hatten, haben sich die Dinge grundlegend geändert. Die romantischen Walzer, die der Thronfolger zusammen mit der jungen Mary tanzt, sind die einzigen Momente der Heiterkeit, die die beiden Protagonist:innen erleben. Die große Verantwortung, die eine Monarchie mit sich bringt, eine unglückliche Ehe und die Unmöglichkeit, die eigenen Träume zu verwirklichen, geben den Protagonisten keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Kronprinz Rudolfs letzte Liebe konzentriert sich daher genau auf das letzte Lebensjahr von Rudolf und Mary, von ihrem Treffen im Opernhaus (das dank Gräfin Marie Luise von Larisch-Wallersee, der Nichte des Kaisers, hier gespielt von Winnie Markus, zustande kam) bis zu ihrem Selbstmord. Das Ganze findet in einer einzigen Rückblende innerhalb eines Rahmens statt, in dem sich Kaiserin Elisabeth (Lil Dagover) und Baronin Helene Vetsera (Adrienne Gessner), Marys Mutter, nach der Beerdigung des Protagonisten auf dem Friedhof an Marys Grab treffen.

Rudolf Jugert seinerseits konzentrierte sich auf die Emotionalität der Figuren, auf das Drama des Kaiserpaares, das plötzlich erkennt, was es angerichtet hat, nur an die Monarchie zu denken, auf Rudolfs innere Qualen und eben auf die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonist:innen. Eine Liebesgeschichte, die zweifellos für diesen Anlass fiktionalisiert wurde und die vielleicht, zumindest was die Gefühle des Thronfolgers betrifft, in Wirklichkeit nicht so leidenschaftlich war. Insofern geht es in Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, anders als in Radetzkymarsch (gedreht von Michael Kehlmann 1964 nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth), nur am Rande um die Schäden, die Monarchie, Verantwortung und Kriege bei den Menschen angerichtet haben. Inklusive der Monarchen. Das merken wir in Kronprinz Rudolfs letzte Liebe nur am Anfang, wenn der Kaiser bei der Beerdigung seines Sohnes verzweifelt weint. Ein Sohn, der tatsächlich immer unter den Entscheidungen seines Vaters und seinem Schicksal als Führer eines so großen Reiches gelitten hat.

Trotzdem funktioniert Kronprinz Rudolfs letzte Liebe alles in allem. Und das mit einem ausgesprochen einfachen Drehbuch, das sich in erster Linie auf das Wesentliche, und fast gänzlich ohne Nebenhandlungen, konzentriert. Alles deutet auf eine bevorstehende Tragödie hin. Die Schatten gewinnen die Oberhand über die Lichter. Marys naives und unschuldiges Gesicht spricht für sich selbst. Rudolf Jugert weiß genau, was er dem Zuschauer vermitteln will und wie er es vermitteln muss. Und manchmal kann nicht einmal eine große Liebe Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.

Titel: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe
Regie: Rudolf Jugert
Land/Jahr: Österreich / 1956
Laufzeit: 99’
Genre: Drama, Historienfilm, Filmbiografie, Liebesfilm
Cast: Rudolf Prack, Christiane Hörbiger, Winnie Markus, Lil Dagover, Erik Frey, Attila Hörbiger, Adrienne Gessner, Grete Zimmer, Walther Reyer, Karl Ehmann, Otto Wögerer, Josef Kahlenberg, C. W. Fernbach, Eduard Volters, Karl Schwetter, Gretl Rainer, Erich Dörner
Buch: Erna Fentsch
Kamera: Günther Anders
Produktion: Lux-Film, Sascha-Film

Info: Die Seite von Kronprinz Rudolfs letzte Liebe auf iMDb