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REIMO WUKOUNIG – DER SCHMERZRAUM DES ZÖGLINGS 33

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von Peter Putz

Note: 7

Der Dokumentarfilm Reimo Wukounig – Der Schmerzraum des Zöglings 33 von Peter Putz zeichnet sich dadurch aus, dass er den Protagonisten in die Lage versetzte, sich selbst auszudrücken, ohne dabei an Details oder starken Worten zu sparen, was im Grunde eine Hommage an seine Karriere ist. Auf dem K3 Film Festival 2023.

Jetzt spricht Reimo

Präsentiert im Rahmen des K3 Film Festivals 2023, ist Reimo Wukounig – Der Schmerzraum des Zöglings 33 ein Dokumentarfilm des Künstlers Peter Putz, der dem Leben des österreichischen Malers Reimo Wukounig gewidmet ist und anlässlich seines 80. Geburtstags produziert wurde. In diesem kurzen Dokumentarfilm von etwa 40 Minuten steht das Werk des Klagenfurter Malers im Mittelpunkt, das stark von seinen Erfahrungen in den Kärntner Waisenhäusern in den 1950er Jahren geprägt ist.

Entstanden ist nicht nur ein schönes und angenehmes Interview, so schlicht und unbearbeitet wie der Zeichnungszyklus, der wie kein anderer die intimste Erfahrung des Künstlers verkörpert, sondern auch ein kleiner halbstündiger Vortrag, in dem Kurator:innen und Kunstexpert:innen Wukounigs Ausstellungen erklären und kontextualisieren, vor allem den in der Albertina gezeigten Zyklus der Ovale, eine absolut beachtenswerte Hymne an den symbolischen Abstraktionismus.

Kamera fertig, Nahaufnahme und los geht’s mit der Geschichte von Reimo Wukounig, geboren 1943 und bereits im Alter von vier Jahren vaterlos. Mit sieben Jahren kam er in das Waisenhaus „Harbach-Limmersach“ in Klagenfurt, acht Jahre später in das Landesjugendheim „Rosental“ in Görtschach. Hier lernte er Dr. Wurst – einen Arzt, der auch für die Renovierung des Heims zuständig war – kennen und erlebte den Missbrauch und die Gewalt, die dort in einer verzerrten und kranken Normalität an der Tagesordnung zu sein schienen.

Im Mittelpunkt von Reimo Wukounig – Der Schmerzraum des Zöglings 33 steht genau der Einfluss, den diese Routine aus Nacktheit und anstrengender Feldarbeit auf die künstlerische Poetik von Wukounig, Schüler Nummer 33 in diesem riesigen Schmerzraum, haben wird. Nach seinem Abschluss an der Akademie für Bildende Kunst in Wien im Jahr 1967 nahm Reimo Wukounig neun Jahre später mit großem Erfolg an der Biennale von Venedig teil. Als Vertreter Österreichs präsentierte er dort den Zyklus „Inhale-Exhale“, eine wahre Sublimierung seiner Erfahrung als missbrauchter Schüler, die in einer riesigen Inszenierung mündete, in deren Mittelpunkt seine schmerzhafte und in gewisser Weise unvermeidliche Erfahrung stand.

Zum guten Werk von Peter Putz, der selbst Maler, aber auch Regisseur und Grafiker ist, gehört, dass er den Protagonisten genau in die Lage versetzt hat, sich selbst auszudrücken, ohne an Details oder starken Worten zu sparen, in dem, was im Grunde genommen eine Hommage an seine Karriere ist. Dafür spricht auch der geschickte Wechsel von Archivbildern und Wukounigs Werken – vor allem der Zyklus Der Schmerzraum des Zöglings 33der nicht nur die Zusammenstellung von Werken und Installationen, sondern auch die Ausstellungen oder Veranstaltungen kontextualisiert, an denen der Kärntner Maler teilgenommen hat. Zwischen Neuhaus, Wien und Klagenfurt hatte Reimo Wukounig trotz der Sehprobleme, die seine künstlerische Tätigkeit einschränken, auch die Ehre, an The Beginning teilzunehmen, der Eröffnungsausstellung im Jahr 2020 der neuen Albertina Modern, einem modernen „Spin-Off“ der Albertina, am Karlsplatz.

Der ideale Rahmen, in den wir all dies idealerweise einbauen könnten, hat einen Namen und einen Autor: „das Ewige Archiv“. Das monumentale Werk des Regisseurs Peter Putz ist eine fotografische Dokumentation des alltäglichen Lebens in unserer Zeit, eine Art Enzyklopädie des Zeitgeschehens, die seit 1980 ständig aktualisiert wird.

Die ungewöhnlichen Perspektiven, die dieses wichtige Werk kennzeichnen, sind auch in den beunruhigenden Bildwelten von Reimo Wukounig perfekt nachvollziehbar, der ein Niveau des beunruhigenden Staunens wie Francis Bacon erreicht, einem großen Interpreten der Einsamkeit (die Installation Lost in Space ist in diesem Sinne emblematisch), der Verwahrlosung und der „Brutalität der Fakten“. Ein bisschen wie beim jungen Reimo, der ausgesetzt und zu einer einsamen – eher moralischen als sozialen – Kindheit gezwungen wurde, aber dennoch das Glück hatte, große Werke und Ausstellungen zu machen, obwohl er das Waisenkind Nummer 33 in Rosental war.

Titel: Reimo Wukounig – Der Schmerzraum des Zöglings 33
Regie: Peter Putz
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 39’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Peter Putz
Kamera: Monica Parii, Patrick Spanbauer, Peter Putz, Manuel Bachinger, finnworks
Produktion: Peter Putz

Info: Die Seite von Reimo Wukounig – Der Schmerzraum des Zöglings 33 auf der Webseite vom K3 Film Festival